„Unsere Stärke kommt nicht darin, die Natur zu zwingen, sich unserem Willen zu beugen, sondern darin, uns an ihre Rhythmen anzupassen.“
(Lebensmotto der auf dem San-Blas-Archipel lebenden Kuna)
Reisejahr 2026 | Lesezeit 6 Minuten

Das vor der Küste Panamas liegende San-Blas-Archipel (Guna Yala) ist eine autonome Region innerhalb des Landes und wird vom indigenen Volk der Kuna verwaltet.
Über 370, häufig winzige Inseln verteilen sich über das Archipel. Nur die größeren, meist küstennahen Eilande sind dauerhaft bewohnt. Auf einigen gibt es zwar auch kleine, von den Kuna geführte Unterkünfte. Wir entscheiden uns jedoch für eine mehrtägige Tour auf einem Segelboot.
Anreise zum San-Blas-Archipel
Früh am Morgen werden wir von einem Geländewagen am Hotel abgeholt. Vor uns liegt eine rund dreistündige Fahrt zur Bootsanlegestelle von Cartí. Zunächst geht es auf der gut ausgebauten Straße zügig voran. Doch nachdem wir die Kontrollstation der autonomen Region Guna Yala passiert haben, verändert sich die Landschaft: In zahlreichen Serpentinen windet sich die Straße durch die Berge hinunter zum Hafen.
Dort endet unsere Fahrt. Motorisierte Boote warten bereits und bringen Touristen und Inselbewohner hinaus aufs Wasser. Mitten auf dem Meer steigen wir vom Motor- auf ein Segelboot um.
Der Segeltörn beginnt
Für vier Nächte ist der Segler von Hans und Andrea nun unser Zuhause. Wir beziehen eine winzige Kabine, durch die auch die Gastgeber hindurchmüssen, wenn sie das Bad benutzen wollen. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen.
Zwar hat die Sturmsaison bereits begonnen, doch ist der Wind zu schwach zum Segeln. Also tuckern wir motorbetrieben durch die Karibik. „Wir bewegen uns gerade auf der Drogenschmuggelroute von Kolumbien“, erzählt Hans, während wir Kurs auf El Porvenir, die Hauptinsel der Kuna, nehmen. „Ein Gramm Kokain kostet hier nur zwei US-Dollar. Gerät ein Boot in Seenot, wird ihm vermutlich niemand zu Hilfe kommen, denn jeder wird zunächst einen Schmuggler vermuten.“
Auf El Porvenir befinden sich die Verwaltung und die Zollstation der Kuna. Als wir am Gemeindehaus vorbeikommen, halten Frauen gerade eine Versammlung ab: Bei den Kuna herrscht das Matriarchat. Später begegnen uns einige von ihnen in der traditioneller Kleidung, den sogenannten Molas, farbenfrohen Textilien mit kunstvollen Mustern.



Fotografieren der Personen ist streng verboten. Ebenso das Aufsammeln der Kokosnüsse, die bis Ende der 1990er-Jahre auf dem San-Blas-Archipel als wichtiges Zahlungsmittel dienten. Auch das Tauchen vor den Inseln ist untersagt. Die Kuna befürchten, dass Taucher ihre Fischbestände – und damit eine wichtige Einkommensquelle – plündern.
Nach dem Rundgang setzen wir uns zu einigen Männern, die vor einem großen Fernseher bei einem Bier zusammensitzen. Wir hingegen begnügen uns mit einer erfrischenden Brause.
Das Abendessen an Bord versöhnt uns schließlich mit dem etwas holprigen Start. Andrea hat einem Kuna, der mit seiner Piroge an unserem Boot angelegt hat, gerade einen frischen Hummer abgekauft. Wenig später landet das Krustentier zusammen mit einer großen Portion Spaghetti auf unseren Tellern.


Tag 2 – Sturm statt Schnorchelparadies
Nach dem Frühstück gehen wir schnorcheln. Viel zu entdecken gibt es allerdings nicht: ein wenig Seegras und ein paar kleine Fische. Plötzlich brausen Hans und Andrea mit dem Dingi (motorbetriebenes Schlauchoot) heran.



„Kommt schnell ins Boot! Ein Sturm zieht in diese Richtung, wir müssen los!“, rufen sie uns zu.
Kaum sind wir wieder an Bord, umrunden mehrere Ammenhaie unser Schiff. Wie ärgerlich! Wären wir noch im Wasser, könnten wir jetzt mit ihnen schwimmen.


Der Wind frischt auf 20 Knoten auf. Hans und Andrea setzen das Sturmfock, ein kleines Vorsegel. Kurz darauf gehen Starkregen, Blitze und Donner über uns nieder. Das Deck wird zur Rutschbahn, während sich das Boot immer wieder zur Seite neigt. Hochkonzentriert steuert Hans den Segler durch die aufgewühlte See.
Ich sitze seekrank und frierend an Deck – und finde das Ganze trotzdem irgendwie spannend.
Dann ist der Spuk ebenso schnell vorbei, wie er gekommen ist. Plötzlich liegt die See wieder ruhig vor uns. Wir ankern am äußeren Rand des Archipels. Auf den geplanten Schnorchelgang verzichten wir allerdings: Zu viele Portugiesische Galeeren treiben auf der Wasseroberfläche. Stattdessen beobachten wir Karettschildkröten, die sich die Quallen mit einem Biss einverleiben.


Tag 3 – Riff, Strömung und Souvenirs
Obwohl es in der Nacht erneut gewittert, liegt unser Boot ruhig vor Anker. Hans nimmt am Morgen Kurs auf eine weitere der äußeren Inseln. Auf dem winzigen Eiland leben nur wenige Kuna, die sich ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Souvenirs mit traditionellen Mustern, darunter Schürzen und T-Shirts, verdienen. Wir sehen uns um, ehe wir vor der Insel zu einem weiteren Schnorchelversuch aufbrechen.



Diesmal entdecken wir immerhin ein paar bunte Fische – ansonsten bleibt die Unterwasserwelt eher unspektakulär. Der Rückweg zum Boot hat es allerdings in sich: Wir müssen gegen eine kräftige Strömung anschwimmen und kommen ziemlich außer Atem an.
Tag 4 – Zwischen Sturm und Ankerplatz
Blitze, Donner und heftiger Regen begleiten uns erneut durch die Nacht. Zum Glück liegen wir windgeschützt zwischen zwei Inseln.
Seit dem Morgen überprüft Hans auf seinem Handy immer wieder die Wetterlage. Als der Wind schließlich etwas nachlässt, steuern wir einen neuen Schnorchelspot an. Gerne würden wir dort ins Wasser gehen, doch noch immer ist die See zu aufgewühlt, um sich entspannt ins Vergnügen stürzen zu können.
Da unser Segeltörn ohnehin am nächsten Tag endet, machen wir uns auf den Weg zu dem Ankerplatz, von dem aus die Reisenden mit einem Transferboot zurück ans Festland gebracht werden. Er liegt zwischen bewohnten Inseln mit Unterkünften und Restaurants. Boote bringen zahlreiche Tagestouristen aus Panama-Stadt herüber. „In der Saison sieht man hier vor lauter Booten das Wasser nicht mehr“, erzählt Hans.
Tag 5 – Abschied vom San-Blas-Archipel
Die letzte Nacht an Bord verläuft ruhig. Am Morgen holt uns ein Boot der Kuna ab, bringt uns zum Bootsanleger und von dort geht es wieder mit dem Auto zurück in die City.
Fazit: Unsere Erwartungen an den Segeltörn und das San-Blas-Archipel haben sich nicht erfüllt. Die fehlende Privatsphäre und die Enge an Bord machten uns ebenso zu schaffen wie die Tatsache, dass die Inselwelt längst nicht so bezaubernd wirkt, wie es auf vielen Hochglanz-Reisefotos erscheint.
An den nicht touristisch genutzten Inseln sammelt sich teilweise viel Müll, der häufig vom Meer angespült wird. Auch die Vielfalt der Unterwasserwelt ist geringer, als wir erwartet hatten. Von dem versprochenen Schnorchelparadies bekamen wir jedenfalls nur wenig zu sehen.
Eine Erfahrung nehmen wir trotzdem mit nach Hause: den unverwechselbaren Seemannsgang, der uns noch eine Weile nach der Rückkehr an Land begleitet.
Einen Tag später verlassen wir Panama und setzen unsere Reise in Nicaragua fort. (Bericht folgt)