Uganda

Reisen bedeutet Neues finden.
(Sprichwort aus Uganda)

07.2015 – 08.2015

Ruanda – Ostkongo – Ruanda

Buyonyi See – Kibale Forest – Murchison National Park – Kidepo National Park – Kampala

Uganda - Ruanda - DR Kongo

Noch bevor die Pässe am Grenzübergang zwischen Ruanda und Uganda kontrolliert sind, wird schon unentwegt und lautstark auf uns eingeredet – wir sollen unbedingt mit einem privaten Taxi für 30.000 UGS (8 Euro) nach Kabale, der nächsten Ortschaft, fahren.

Genervt von den Taxifahrern nehmen wir ein Sammeltaxi nach Kabale – 4000 UGS (1 Euro) pro Person. Das Auto ist innen völlig zerschlissen. Ein Rucksack landet im gut gefüllten Kofferraum. Meinen Rucksack nehme ich mit auf die Rückbank. „Madam das geht nicht.“ „Es müssen sieben Fahrgäste in das Auto“, spricht mich der Fahrer an. Mit Schnüren wird mein Rucksack im offen stehenden Kofferraum befestigt.

Zur Abfahrt quetschen wir uns zu viert auf die Rückbank, auf dem Beifahrersitz sitzt eine Nonne. Wenige Meter später setzt sich noch ein wohlbeleibter Mann neben die Nonne, noch ein paar Meter weiter steigt ein weiterer Mann ein und quetscht sich mit dem Fahrer zusammen auf den Fahrersitz – tatsächlich, sieben Fahrgäste in einem normalen Pkw.

Kabale ist 20 Kilometer entfernt, die Piste holprig. So eingezwängt sitzend, werden wir nicht einmal richtig durchgeschüttelt. In Kabale steigen wir in ein weiteres Taxi um, lassen uns zum Buyonyi See bringen und ziehen in ein Zimmer mit Seeblick ein.

Buyonyi See

An den folgenden zwei Tagen schippern wir über das Wasser, legen an einer Insel an, auf der Wildtiere lebten – drei „sehr scheue“ Zebras, drei Impalas, drei Esel – bummeln durch das Dorf und finden dort ein Auto mit Fahrer für die Fahrt nach Fort Portale und weiter in den Kibale Forest: Schweren Herzens habe ich mich für die Weiterfahrt mit dem Auto entschieden. Da wir bis zur Dunkelheit im Kibale Forest angekommen sein müssen – wir haben ein Baumhaus mitten im Wald gemietet – ist das Auto die einzige Alternative.

Die Straße nach Fort Portale zieht sich durch endlose Teefelder und Bananenplantagen. Am Straßenrand werden bergeweise grüne Bananen verkauft. Auf Lkw, Mopeds, Fahrrädern: Bananen, Bananen, Bananen. Unsere Hoffnung zur Mittagszeit ein paar gegrillte Fleischspieße zu essen – wie es in der DR Kongo und Ruanda üblich war – schwindet zusehends.

Stopp. Auf einem 500 Meter langen Straßenstück steht Grill neben Grill – Fleischspieße, Bananen, Kasaba. Der beste Lunch seit Tagen!

Lunch

Bis zur Ankunft in der Lodge im Kibale Forest überqueren wir den Äquator, durchqueren den Queen Elizabeth National Park, Lake George und Lake Edward ziehen vorbei.

Die Lodge liegt mitten im Wald. Um von dort etwas unternehmen zu können, sind wir auf Fahrer und Auto angewiesen. Zum Glück haben wir mit dem Fahrer verabredet, dass er uns zwei Tage später noch nach Masindi bringen soll. So haben wir Auto und Fahrer zur Verfügung.

Kibale Forest

Mittlerweile ist es dunkel geworden. Mit zwei Begleitern machen wir uns auf den 15-minütigen Weg quer durch den Wald. Tiefe Dunkelheit umgibt uns, bis ein Licht durch die Bäume schimmert: das Baumhaus. Die Treppe hinauf gelangen wir in einen Raum mit Doppelstockbett, kleinem Tisch, zwei Stühlen, einem Eimer für die Notdurft und dem mitten durch den Raum wachsenden Baum. Das Licht liefern Solarzellen.

Eine Weile lauschen wir noch den Stimmen, die uns umgeben und überlegen zu welchem Tier die leuchtenden Augen, die zu uns herüber sehen, gehören könnten.

Der für den Morgen geplante Nature-Walk fällt der Bürokratie zum Opfer. Um nicht nur auf die Nachmittagstour zu warten, laufen wir ein Stück die Straße entlang. Plötzlich turnt ein Schimpanse durch die Bäume und setzt sich so in Pose, dass ich ihn fotografieren kann. Ein Ranger, der gerade mit einer Gruppe auf Schimpansentrekking ist, springt aus dem Gebüsch: „Ihr seid verbotenerweise hier.“ „Wo wohnt ihr?“ Wir antworten.

„Ach so, ihr wohnt im Wald.“ „Aber du hast für das Foto keine Gebühren bezahlt.“ „Schließt euch der Gruppe an und bezahlt für jeden von euch beiden 150 USD für ein Permit.“

„Nein, wir bleiben hier auf der Straße.“

„Dann geht sofort weiter.“

Vergnügt setzen wir unseren Weg fort, beobachten Affen und laufen zurück Richtung Baumhaus. Vor uns taucht eine Schimpansenmutter mit Baby auf dem Rücken auf und quert die Straße. Der Rest der Familie, gefolgt vom Ranger mit seiner Gruppe, kommt hinterher. Wütend und fassungslos sieht er uns an.

Der Nachmittag wird kein Opfer der Bürokratie. Wir erhalten die Erlaubnis durch einen Sumpf zu wandern, beobachten rotköpfige Kolobusaffen und sehen besorgt den immer näherkommenden Regenwolken zu – morgen wollen wir nach Masindi aufbrechen und die Strecke von Fort Portale nach Masindi gilt als eine der schlechtesten Pisten in Uganda und ist bei Regen unbefahrbar.

Sumpfwanderung/ Kolubus Affen

Am Morgen hat der Regen aufgehört. Die Hoffnung in Masindi anzukommen steigt und fällt schnell wieder: Das Auto bleibt an einer Steigung im Matsch stecken. Mit zwei Helfern schieben wir das Auto aus dem Dreck und die Steigung hoch.

Bis Hoima ist die Fahrt Maßarbeit: Die Ränder, der vom Regen tief in die Piste gekerbten Furchen, bilden eine zentimetergenaue Fahrspur. Nach Hoima geht die Fahrt auf normaler Piste weiter, durch Dörfer und über Felder.

In Masindi werden wir bereits von Yemen erwartet. Er will uns in den Murchison National Park bringen. Am Albertsee halten wir für eine Spritztour mit Fischern.

Fischerboote dümpeln im Uferschlick. Kurzerhand nehmen uns die Fischer auf die Arme, hieven uns auf zwei, extra für uns in das Boot gestellte, Plastikstühle und schippern uns durch das Delta zum Zusammenfluss von Victoria-Nil und Albertsee.

Albertsee

Die Spritztour auf dem Wasser hat länger gedauert. Um noch vor dem Schließen des Murchison National Parks im Camp anzukommen, rast Yemen los. Im Camp ist unser gebuchtes Banda (Rundhütte) bereits vergeben. Ein Häuschen in der hintersten Ecke des Camps ist jedoch noch frei. Wenig begeistert gehen wir hin. Plötzlich biegt ein Nilpferd um die Ecke, bleibt grasend vor dem Häuschen stehen – auch wir bleiben stehen – und zieht vor sich hin mampfend an uns vorbei. Wir sind begeistert.

Der nächste Morgen beginnt mit einem Game Drive – Löwen im Buschwerk, Warzenschweine, Giraffen, denen wir uns zu Fuß nähern. Mittags relaxen wir im Schatten einer der wenigen Palmen unter denen keine Warzenschweine entspannen, und starten am Nachmittag zu einem Bootsausflug zu den Murchison Falls, den Nil-Wasserfällen – der Nil ist an dieser Stelle ein reißender Fluss mit Stromschnellen, der durch zwei, von einem Felsen getrennte Schluchten, stürzt.

Murchison Falls NP

Haben wir die Wasserfälle gestern nur von Weitem gesehen, stehen wir am nächsten Tag davor. Von einem Wanderweg oberhalb der Fälle ist es nur ein kurzer Fußmarsch hinab zu den Wassermassen.

Nilwasserfälle

Mittags erreichen wir Kiguma, ein kleiner Ort an der Hauptverkehrsverbindung Richtung Südsudan. Dort sind wir für den nächsten Tag mit Robert verabredet, der uns in den, nur mit Privatfahrzeug zu erreichenden, Kidepo Nationalpark bringen soll.

Der Kidepo Nationalpark liegt im nördlichsten Teil Ugandas. In den Dörfern mit Häusern in Flachbauweise hängt Mobilfunkwerbung an fast jedem Haus, zwischen den Dörfern stehen Siedlungen mit Rundhütten. Die Straße nach Gulu ist gerade im Bau, Militär patrouilliert an den Brücken. Die Sorge vor Sabotageakten ist spürbar.

Am Abzweig nach Arua, dem Geburtsort von Idi Amin (ehemaliger Präsident von Uganda), versuchen wir Robert ein paar Worte über ihn zu entlocken. „Der hat viele Leute getötet. Er ist vergessen.“ Punkt.

Hinter Gulu leert sich die Straße, aus der planierten Piste wird eine einfache Piste, die sich nach wenigen Kilometern in Schlamm auflöst, aus dem Autos, die sich festgefahren haben, gebuddelt werden. Zwischendurch baut der Chinese.

Die Gegend wird erst seit 2009 wieder besiedelt, nachdem die Lord’s Resistance Army (paramilitärische Gruppe, die im Grenzgebiet zwischen der Zentralafrikanischen Republik, der DR Kongo und dem Südsudan für die Errichtung eines auf den christlichen Zehn Geboten basierenden Gottesstaates kämpft) verdrängt wurde.

Da es schon Nachmittag ist, übernachten wir in Kitgum. So liegen am nächsten Tag nur noch drei Stunden Fahrt vor uns. Sonnenblumenfelder säumen den Straßenrand. Dazwischen stehen, wie überall im Land, Köhler, die ihre Tagesproduktion – große, in Rindenstreifen gepresste Holzkohlenklötze – verkaufen.

Kitgum

In den Dörfern haben viele Hütten ihren eigenen Ziegelbrennofen. Ungenutzte Ziegelbauten für Läden und Restaurants, zum Teil hohl wie ein Zahn und mit Gras überwuchert, stehen überall in der Landschaft – die Gegend ist Entwicklungsgebiet.

Berge, wie Drachenzähne aus dem Grün ragend, tauchen am Horizont auf. Das Camp liegt idyllisch in der Savanne. Warzenschweine, Wasserbock, Zebras streifen über das Gelände. Löwen, die wohl ebenfalls ab und an vorbeikommen, lassen sich nicht blicken. Auch beim Game Drive am Nachmittag fehlt jede Spur von ihnen. Dafür stehen unzählige Büffel im Gras, Antilopen und Zebras kreuzen unseren Weg. Am Lagerfeuer lassen wir den Tag ausklingen.

Kidepo Valley

Der Morgen in der Savanne – drei Löwen faulenzen auf einem Felsen, Büffel stehen, unbeeindruckt von den Löwen, wenige Meter entfernt, ein Affe bringt einem Jungtier Beobachtungstechniken bei.

Kidepo Valley NP

Im Camp wartet das Frühstück – Rolex (in Chiapati eingerolltes Ei). Bis zum geplanten Besuch eines Dorfes der Karamojong – Rinderzüchter, die ähnlich wie die Massai in Kenia leben – entspannen wir in der Ruhe des Camps.

Karamojong hat 820 Einwohner, die zu drei Großfamilien gehören. Der Dorfälteste ist 82 Jahre alt. Mit geschwollener Wange sitzt er vor dem Königspalast. Wir begrüßen ihn per Handschlag, er bittet um ein Foto, wir ziehen weiter durch das Dorf und bleiben vor dem Tresor stehen – eine abschließbare Hütte, in der die Frauen Geld und Habseligkeiten vor dem Zugriff durch ihre Männer schützen können. Der Dorfbesuch endet in einer Art Kulturveranstaltung – ein Tanz wird aufgeführt – und wir werden mit Nachdruck gebeten, uns in ein Spendenbuch einzutragen.

Karamojong-Dorf

Den Abend verbringen wir wieder – mit anderen Reisenden über Reiserouten und Länder Afrikas plaudernd – am Lagerfeuer. Robert, unser Fahrer, beendet den Abend mit einem Spruch des Tages: „Sagt jemand, er reise in das frühere Idi Amin Land, weiß jeder, wohin er geht.“ „Sagt jemand, er reise nach Uganda, wird gefragt, was das für eine Organisation sei.“

Nach einem späten Frühstück – Rolex gibt es leider nicht mehr – verlassen wir das Kidepo Valley, das Gebiet in dem nach der Vertreibung Idi Amins die Militärstützpunkte von der Bevölkerung gestürmt wurden, die Leute sich die Waffen nahmen, die später mithilfe eines Regierungsprogramms Waffe gegen Kuh getauscht wurden.

Für die Nacht bleiben wir in Gulu, der zweitgrößten Stadt Ugandas. Mit den Flachbauten wirkt sie sehr dörflich, trotz großer Markthalle, vielen Läden und internationalen Restaurants.

Auf dem Weg nach Kampala legen wir am Nashornschutzgebiet in Ziwa eine Pause ein. Unter Idi Amin waren die letzten Nashörner in Uganda erlegt worden. Um wieder Nashörner im Kidepo Valley und im Murchison Falls Park anzusiedeln, schenkten Kenia und Florida im Jahr 2000 jeweils ein Nashornpaar, die bis zur Auswilderung im Schutzgebiet leben. Mittlerweile ist der Bestand auf 15 Nashörner angewachsen.

Nur wenige Meter laufen wir in den Busch. Unter einem Baum liegen eine Nashornmutter und ihr Baby, blinzeln zu uns herüber und bleiben unbeeindruckt von unserer Gegenwart liegen. Nach 10 Minuten ist die Besuchszeit um.

Nashorn-Schutzgebiet Ziwa

Unser gebuchtes Hotel in Kampala wird gerade renoviert und ist geschlossen. Zum Glück gibt es ein paar Meter weiter ein weiteres mit einem freien Zimmer und viel befahrener Straße vor der Tür.

Marktgeräusche wecken uns am Morgen. Aus dem Durchgangsverkehr vor dem Hotel ist ein Sonntagsmarkt mit Klamotten und Büchern geworden.

Kampala

Bis zur Abreise am Abend bummeln wir durch die Stadt – Kunstgewerbemarkt, Parlament, Oberster Gerichtshof mit zeltenden Polizisten im Garten. Auf dem Obst- und Gemüsemarkt setzen wir uns zu einem Melonenhändler, essen Melone, der Händler erzählt von seinem Frust auf die Regierung. Daran, dass Museveni bei der Wahl 2016 keine Mehrheit erhalten könnte, glaubt er nicht, obwohl die Stimmung im Land zu seinen Worten passt.

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