Nepal

Wer die Last trägt, weiß wo sie drückt.
(Aus Nepal)

Tibet – Nepal

11.07.2010 – 04.08.2010

Kathmandu – Chitwan Nationalpark – Helambu Trek– Kathmandu

DSCF4534Eine Zusammenfassung:

Auf der nepalesischen Seite sind die Grenzformalitäten, im Gegensatz zu denen in Tibet, schnell erledigt. Um lange Wartezeiten auf eine Fahrmöglichkeit zu vermeiden, haben wir uns einen Fahrer organisiert.  Er wartet bereits, los geht es nach Kathmandu, immer weiter talabwärts.

In Kathmandu haben wir noch Zeit für Besichtigungen, die fußläufig erreichbar sind. Für Thamel – enge Gassen, touristisches Gedränge – ausreichend. Obwohl keine Hauptsaison ist, sind wir schnell genervt und bummeln zum autofreien Durbar Square – alte Pagoden und Tempel, der Palast der Könige. Die Atmosphäre auf dem Platz, der ein beliebter Treffpunkt ist, ist bedeutend authentischer.

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365 Stufen aufwärts, unter den wachsamen Blicken von unzähligen Affenaugen, die nach Beute spähen, steht der Affentempel. Vom Ende der Treppe blicken die Augen Buddhas, die auf einen riesigen Stupa gemalt wurden, herab. Viele Gläubige sind unterwegs, Händler verkaufen nepalesisches Kunsthandwerk, Affen verlangen dreist Futter, der Blick über Kathmandu ist herrlich.

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Zurück am Hotel lernen wir unsere erste Nepallektion: Die Sonne ist bereits untergegangen, im Hotel gibt es kein Licht. Stromausfall. Wir tasten uns die Treppen hoch zu unserem Zimmer. Da wir die Gegebenheiten nicht kennen, ist das gar nicht so leicht. Die Taschenlampe wandert sofort in den Tagesrucksack.

Mit einem Taxi fahren wir in die alte Königsstadt Bhaktapur, bummeln durch die prächtige, mittelalterlich wirkende Stadt mit ihren engen Gassen, sehr vielen Tempelanlagen, dem Königspalast mit seinem goldenen Tor, künstlichen Teichen, den wunderschön mit Holzreliefs verzierten Häusern und dem Nyatapola-Tempel, dem höchsten Tempel Nepals.

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Unweit von Bhaktapur liegt Pashupatinat. Eine Weile dauert es trotzdem, bis wir dort ankommen. Die Straßen sind sehr dicht befahren, zwischendrin stehen Kühe auf der Fahrbahn, völlig unberührt vom Verkehr um sie herum.

Pashupatinath ist eine der wichtigsten Tempelstätten des Hinduismus, am heiligen Fluss Bagmati gelegen. Der Fluss teilt die Anlage in zwei Bereiche. An einem Ufer liegen der Pashupatinath-Tempel und die Verbrennungsstätten – die Arya Ghats (Verbrennungsstätten der höheren Kasten) und die Surya Ghats (Verbrennungsstätten der niederen Kasten).

Brennende Scheiterhaufen und Rauchnebel auf der einen Uferseite des Bagmati, auf der anderen Seite Schreine, die zu Ehren verstorbener Persönlichkeiten errichtet wurden. Zwischen den Schreinen liegen Saddhus – heilige Männer – die große Mengen Marihuana rauchen. Einige sind nackt, bemalt mit den Ascheresten der Einäscherungsstätten. Für ihren kargen Lebensunterhalt betteln sie.

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In der Nähe der Verbrennungsstätten tauchen Jungs in den Fluss und holen den Müll, der sich noch verwerten lässt, aus dem braun-grauen Wasser.

Fünf Autostunden von Kathmandu entfernt liegt der Chitwan Nationalpark. Fünf Stunden dickster, schwarzer Abgasnebel. Haben wir anfangs noch unseren Spaß an den bunten sehr schön anzusehenden Trucks, verfluchen wir sie recht bald.

Kopfschmerzgeplagt erreichen wir den Dschungel, der bei einem Bummel durch die Dörfer und Reisfelder schnell verschwindet. Der erste Elefant läuft uns über den Weg, die Leute in den Dörfern sind aufgeschlossen, überall heißt es: „Namaste“.

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Ein lauter aufdringlicher Ton weckt uns am Morgen. Kaum sind wir in Bewegung, fliegt ein Vogel davon. Wenn wir schon im Dschungel sind, müssen wir auch auf einem Elefanten reiten.

Vier Leute passen auf einen Elefantenrücken. Ein Gestell bietet Halt. Die Jahreszeit ist, für eine Tiersafari im Dschungel, jedoch nicht die passende. Immerhin läuft unser Elefant, in Elefantenfußbreite, an einem Nashorn vorbei. So hoch oben sitzend ist das eine feine Sache.

Schlagartig ändert sich das Wetter. Eben brannte noch die Sonne sengend heiß, jetzt regnet es so stark, dass wir vorerst im Zimmer festsitzen. Gegen Abend hört der Regen auf, wir wandern durch die Dörfer. Die Dorfbewohner sind längst wieder auf den Feldern, die ist Stimmung wunderbar.

Für den hundertprozentigen Eindruck über das Leben vor Ort werden wir in einem Einbaum auf dem Papti-Fluss gerudert, um anschließend zu Fuß durch den Dschungel zu streifen.

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Im Dschungel entdecken wir frische Tiger- und Nashornspuren. Die Spuren reichen uns auch, schließlich sitzen wir nicht auf einem Elefanten.

In Chitwan ist das Elephant Breeding Center, in dem ausschließlich weibliche Elefanten und ihr Nachwuchs leben. Das wissen auch die Elefantenbullen. Einer versucht, auf das Gelände zu gelangen. Mitarbeiter verjagten ihn, er dreht sich kurz um und kommt zurück. Letztendlich entscheiden die Mitarbeiter das Ringen für sich.

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Auf dem Gelände der Lodge wartet bereits ein Arbeitselefant auf uns. Wir sind zum Elefanten waschen verabredet. Der Elefant reicht uns seinen Fuß, wir klettern auf seinen Rücken. Ohne Sitz und Festhaltemöglichkeit schaukeln wir zum Fluss.

An der Uferböschung kommen wir auf dem Elefantenrücken ins Rutschen. Wir sind froh, als er im Wasser steht, langsam auf die Knie geht und uns vorsichtig seitwärts ins Wasser wirft. Mit glatt geschliffenen Steinen vom Boden des Flussbettes reiben wir seinen Rüssel und Kopf ab. Dabei blicke ich ihm in die Augen – er ist auf Augenhöhe – sehe seine roten Haare, die langen Wimpern und seinen sanften friedlichen Blick. Als Dankeschön für die Rüsselmassage duscht er uns kräftig ab.

Wieder trocken, statten wir den ursprünglichen Bewohnern des Dschungels, den Tharu, einen Besuch ab. Gemeinsam mit einer Tharu Familie wollen wir unser Abendessen kochen.

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Die Zutaten für das Mahl werden, wenn sie benötigt werden, frisch im Dschungel gesucht.   Mit einem Strauß Gemüse kehren wir in das Dorf zurück, bekommen einen Stein in die Hand und zerreiben die Pflanzen auf einem glatt geschliffenen Stein zu Massala.

Bei den Tharu befindet sich die Küche in einer separaten Hütte – ein Regal mit ein paar Blechtöpfen, eine Kochstelle mit offenem Feuer am Boden. Als alles im Topf ist, rühren wir ab und an um. Das komplette Menü stellt jedoch besser die Hausherrin fertig.

In der Zwischenzeit besichtigen wir das Dorf. Die Tharu kochen mit Feuer und selbst hergestelltem Biogas – in einem Steintrog werden von Hand, Mist und Wasser gemischt.

Unsere Gastgeberin wartet bereits mit dem Essen. Auf dem Boden der Küchenhütte liegen Matten. Schüsseln mit Dschungelkraut, Kartoffeln, Reis, Fleisch und Schnecken stehen davor.

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Die Küche füllt sich mit mehr und mehr Frauen. Neugierige Blicke. Mit Händen und Füßen gestikulierend, fangen wir eine Unterhaltung an. Der Spaß daran ist auf allen Seiten groß.

Es dunkelt, zum Schlafen beziehen wir in einem nahe gelegenen Dschungeltower ein Kämmerlein. Zwei schmale Betten, ein Blick in den Sternenhimmel und die Dschungelgeräusche lassen uns schnell einschlafen.

Wir tauschen die frische Dschungelluft wieder gegen das stickige Kathmandu. Knappe zehn Stunden benötigen wir für die Fahrt. Erdrutsche, die beide Spuren blockieren und erst geräumt werden müssen, sowie Baustellen, lassen alle Fahrzeuge mehr stehen als rollen.

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In Kathmandu unternehmen wir nichts mehr, packen nur unsere Sachen neu, für den Helambu Trek.

Mit Guide, Träger und in großer Hitze starten wir von Sundarjaal aus mit dem Trekking. Ein 10-Jähriger läuft die fünf Stunden, bis Chisopani, mit uns mit. Seine Familienangehörigen sind froh, dass er nicht alleine unterwegs sein muss.

Zwei jüngere Kinder, die schwere Lasten schleppen, und ihr Vater überholen uns. Der Vater geht unbeirrt voraus, die Kinder bleiben in unserer Nähe. Wir sind eine willkommene Abwechslung auf dem Weg in ihr Dorf.

Schnell verschwinden wir in den Wolken. Die Wege werden rutschig. Unsere Lodge in Chisopani (2200 Meter) erreichen wir am Nachmittag. Wir bekommen extra ein Zimmer mit Blick auf den Annapurna, der am Morgen ganz sicher zu sehen sein soll.

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Die Lodge ist ein Treffpunkt für Träger und Guides, die die touristenarme Monsunzeit gemeinsam verbringen. Am Abend sitzen wir mit ihnen vor dem Fernseher und sehen uns, über die Länge unseres Abendbrotes, einen Bollywoodfilm an.

Der Annapurna kommt auch am Morgen nicht aus der Wolkendecke heraus. Kaum sind wir jedoch aus dem Blickfeld für den Annapurna hinausgewandert, ragen schneebedeckte 8000er aus den Wolken.

Terrassenfelder und kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben ist formen die Landschaft. In einem der Dörfer schließt sich uns ein Hund an. Die Wege führen steil bergan, selten bergab und nie geradeaus. Der Hund bleibt treu an unserer Seite. Erst kurz vor unserem Ziel Kutumsang kehrt er um. Acht Stunden Wanderung liegen hinter uns, vor uns ein Quartier mit warmer Dusche, gutem Essen und dicken Decken auf dem Bett.

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Die Sonne scheint durch die Wolken. Unsere Blicke gehen hinauf zu Bergspitzen, die sich über den Wolken erheben und hinab in tiefe dunkelgrüne Täler. Wasser läuft über die Wege, es wird rutschig.

Das Ziel, Tharepati, liegt auf 3510 Meter Höhe. Unser Tempo verlangsamt sich stetig, leichte Kopfschmerzen stellen sich ein.

Die Lodge ist sehr einfach und gemütlich, vor den Zimmern lagert die Kartoffelernte. Gleich nach unserer Ankunft wird im Gemeinschaftsraum der Ofen geheizt, schnell ist es warm.

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Die Nacht ist bitterkalt. Wir frieren mehr als das wir schlafen, trotz dickem Schlafsack, Decken und Skiunterwäsche. Und wie in jeder Nacht regnet es auch. Dachten wir, die Monsunstärke der letzten Nächte wäre nicht mehr zu toppen, geht es immer noch heftiger.

Zum Tourstart am Morgen ist der Regen vorbei. Auf den bergab führenden, glitschigen Pfaden rutsche ich mehrmals aus. Nach einigen Stunden steil bergab, geht es in den folgenden Stunden steil bergauf, über Hängebrücken und durch Flüsse.

Tarkeghyang, das Tagesziel, befindet sich auf 2740 Meter Höhe. Diesmal fängt es bereits kurz vor dem Ziel an, zu regnen. Frierend erreichen wir die Herberge. Der erste Blick fällt auf eine Holztür, auf der steht – really hot shower. Was für eine Freude – flugs das Gepäck abgelegt, um die heiße Dusche zu genießen. Ich drehe den Heißwasserhahn auf – das Wasser ist kälter als die Umgebung.

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Wenigstens befindet sich im Gemeinschaftsraum die Kochstelle. Ich setze mich dicht an das Feuer. Das Teewasser kocht bereits, Maiskörner liegen am Ofen und werden zu Popcorn.

Der folgende Tag wird der entspannendste Trekkingtag, jedoch auch der mit dem größten Dschungel-Trekking-Feeling.

Die Pfade der letzten Etappe führen ausschließlich bergab. Goldfarbenes glänzt durch die Nebelwand – eine riesige Buddha Statue. Wir gehen die Treppe, deren Ende im Nebel nicht zu erkennen ist, zu ihr hinauf.

Eine durch Wasserkraft betriebene Gebetsmühle taucht aus dem Nebel auf. Sie ist mit einer dicken Moosschicht überzogen. Dahinter stehen ebenso bemooste Klosterruinen.

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Aus den Wolken und dem dichten Dschungel heraus, hinein in die brennende Sonne und den Nadelwald – das Trekkingziel kann nicht mehr weit sein.

Melamchi Pul ist ein größeres Dorf, das im Schlamm versinkt. Schon kurz nach der Ankunft vermissen wir die kleinen Dörfer, durch die wir in den letzten Tagen gelaufen sind.

Um 7 Uhr stehen Auto und Fahrer vor unserem Hotel. Auf den ersten Kilometern der Straße nach Kathmandu passieren wir einen Erdrutsch nach dem anderen. Zum Teil werden die Stellen gerade erst geräumt. Millimetergenau manövriert der Fahrer das Auto an den vielen Lastkraftwagen vorbei. Erst kurz vor Kathmandu ist die Straße befestigt. Bis zur Stadtgrenze kommen wir gut durch, in die Innenstadt stehen wir uns dann hinein. Ach, was haben wir den Smog, das Gehupe und Gedränge vermisst.

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Unsere vorletzte Mahlzeit in Nepal ist ein großes Stück Käsekuchen aus einer der Deutschen Bäckereien in Thamel. Die letzte Mahlzeit am kommenden Morgen, noch mal ein typisch nepalesisches Frühstück, bevor wir nach Hause fliegen.

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