Nepal

Wer die Last trägt, weiß wo sie drückt.
(Aus Nepal)

Tibet – Nepal

Sommer 2010

Kathmandu – Chitwan Nationalpark – Kathmandu – Helambu Trek (Sundarijaal – Chisopani – Kutumsang – Tharepati – Tarkeghyang – Sermathang – Melamchi Pul) – Kathmandu

Auf der nepalesischen Seite sind die Grenzformalitäten im Gegensatz zu denen in Tibet schnell erledigt. Um lange Wartezeiten auf eine Fahrmöglichkeit zu vermeiden, haben wir uns einen Fahrer organisiert. Er wartet bereits und los geht es immer weiter talabwärts nach Kathmandu.

Kathmandu: schmutzig und göttlich

In Kathmandu haben wir noch Zeit für Besichtigungen, die fußläufig erreichbar sind. Thamel – enge Gassen, touristisches Gedränge – verlassen wir sehr schnell wieder und bummeln zum autofreien Durbar Square. Der Platz zwischen alten Pagoden, Tempeln und dem Palast der Könige ist ein beliebter Treffpunkt und bedeutend authentischer.

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Unter den wachsamen Blicken von unzähligen Affenaugen, die nach Beute spähen, erklimmen wir die 365 Stufen zum Affentempel. Vom Ende der Treppe blicken die Augen Buddhas, die auf einen riesigen Stupa gemalt wurden, herab. Am Tempel sind viele Gläubige unterwegs, Händler verkaufen nepalesisches Kunsthandwerk, Affen verlangen dreist Futter, der Blick über Kathmandu ist ausnahmsweise klar und weit.

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Zurück am Hotel lernen wir unsere erste Nepallektion: Die Sonne ist bereits untergegangen, im Hotel gibt es kein Licht. Stromausfall. Wir tasten uns die Treppen hoch zu unserem Zimmer. Da wir die Gegebenheiten nicht kennen, ist das gar nicht so leicht. Die Taschenlampe wandert sofort in den Tagesrucksack.

Bhaktapur: ehemalige Königsstadt im Kathmandu-Tal

Mit einem Taxi fahren wir in die alte Königsstadt Bhaktapur, bummeln durch die prächtige, mittelalterlich wirkende Stadt mit ihren engen Gassen, vielen Tempelanlagen, dem Königspalast mit seinem goldenen Tor, künstlichen Teichen, den wunderschön mit Holzreliefs verzierten Häusern und dem Nyatapola-Tempel, dem höchsten Tempel Nepals.

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Der Tempelbezirk von Pashupatinath

Unweit von Bhaktapur befindet sich Pashupatinat. Obwohl der Ort nur 14 Kilometer entfernt liegt, sind wir knapp zwei Stunden unterwegs. Die Straßen sind sehr dicht befahren, mittendrin stehen völlig unberührt vom Verkehr Kühe auf der Fahrbahn.

Pashupatinath am heiligen Fluss Bagmati gelegen ist eine der wichtigsten Tempelstätten des Hinduismus. Der Fluss teilt die Anlage in zwei Bereiche. An einem Ufer liegen der Pashupatinath-Tempel und die Verbrennungsstätten: die Arya Ghats (Verbrennungsstätten der höheren Kasten) und die Surya Ghats (Verbrennungsstätten der niederen Kasten). Auf der anderen Uferseite befindet sich eine Tempelanlage. Zwischen den Schreinen, die zu Ehren verstorbener Persönlichkeiten errichtet wurden, liegen Sadhus (heilige Männer), die große Mengen Marihuana rauchen. Einige sind nackt, nur bemalt mit den Ascheresten der Einäscherungsstätten. Für ihren kargen Lebensunterhalt betteln sie.

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In der Nähe der Verbrennungsstätten tauchen Jungs in den Fluss und holen den Müll, der sich noch verwerten lässt, aus dem braun-grauen Wasser.

Chitwan Nationalpark: im Dschungel Nepals

Fünf Autostunden von Kathmandu entfernt liegt der Chitwan Nationalpark. Fünf Stunden umgeben uns undurchdringlicher, schwarzer Abgasnebel. Haben wir anfangs noch unseren Spaß an den bunten, sehr schön anzusehenden Trucks, verfluchen wir sie recht bald.

Kopfschmerzgeplagt erreichen wir den Dschungel. Bei einem Bummel durch die Dörfer und Reisfelder wird der Kopf jedoch schnell wieder klar. Der erste Elefant läuft uns über den Weg; die Leute in den Dörfern sind aufgeschlossen; überall heißt es: „Namaste“.

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Ein lauter aufdringlicher Ton weckt uns am Morgen. Kaum haben wir uns aufgerappelt, fliegt ein Vogel davon.

Zu einem Aufenthalt im Dschungel gehört der Ritt auf einem Elefanten. Unweit der Lodge bieten Dorfbewohner Elefantentouren an. Vier Leute passen auf den breiten Rücken, Halt bietet ein Holzgestell. Die Jahreszeit ist für eine Tiersafari im Dschungel jedoch nicht die passende. Immerhin läuft unser Elefant in Elefantenfußbreite an einem Nashorn vorbei. So hoch oben sitzend ist das eine feine Sache.

Schlagartig ändert sich das Wetter. Eben brannte noch die Sonne sengend heiß, jetzt regnet es so stark, dass wir vorerst im Zimmer festsitzen. Gegen Abend hört der Regen auf; wir wandern durch die Dörfer; die Stimmung ist wunderbar.

Am nächsten Morgen brechen wir früh zu einer Fahrt in einem Einbaum über den Papti-Fluss auf, um anschließend zu Fuß durch den Dschungel zu streifen.

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Im Dschungel entdecken wir frische Tiger- und Nashornspuren. Die Spuren reichen uns auch, schließlich sitzen wir nicht auf einem Elefanten.

In Chitwan ist das Elephant Breeding Center, in dem ausschließlich weibliche Elefanten und ihr Nachwuchs leben. Das wissen auch die Elefantenbullen. Einer versucht, auf das Gelände zu gelangen. Mitarbeiter verjagten ihn, er dreht sich kurz um und kommt zurück. Letztendlich entscheiden die Mitarbeiter das Ringen für sich.

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Auf dem Gelände der Lodge wartet bereits ein Arbeitselefant auf uns. Wir sind zum Elefanten waschen verabredet. Der Elefant reicht uns seinen Fuß, wir klettern auf seinen Rücken. Ohne Sitz und Festhaltemöglichkeit schaukeln wir zum Fluss.

An der Uferböschung kommen wir auf dem Elefantenrücken ins Rutschen und können uns wegen der Schieflage kaum halten.  Wir sind froh, als er im Wasser steht, langsam auf die Knie geht und uns vorsichtig seitwärts ins Wasser wirft. Mit glatt geschliffenen Steinen vom Boden des Flussbettes reiben wir seinen Rüssel und den Kopf ab. Dabei blicke ich ihm in die Augen, sehe seine roten Haare, die langen Wimpern und seinen sanften, friedlichen Blick. Als Dankeschön für die Rüsselmassage gibt es eine kräftige Dusche.

Bei den Tharu zu Gast

Wieder trocken, statten wir den ursprünglichen Bewohnern des Dschungels, den Tharu, einen Besuch ab. Gemeinsam mit einer Tharu-Familie wollen wir das Abendessen kochen.

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Die Zutaten für das Mahl werden frisch im Dschungel gesucht.  Wir stolpern mehr durch das hohe Gras, als das wir nützliche Pflanzen finden. Trotzdem kehren wir mit einem Strauß Gemüse in das Dorf zurück, bekommen einen Stein in die Hand gedrückt und zerreiben die Pflanzen auf einem glatt geschliffenen Gesteinsbrocken zu Massala.

Bei den Tharu befindet sich die Küche in einer separaten Hütte: ein Regal mit ein paar Blechtöpfen, eine Kochstelle mit offenem Feuer am Boden. Als alles im Topf ist, rühren wir ab und an um. Das komplette Menü stellt jedoch die Hausherrin fertig.

In der Zwischenzeit besichtigen wir das Dorf. Die Tharu kochen mit Feuer und selbst hergestelltem Biogas: In einem Steintrog werden, von Hand, Mist und Wasser gemischt.

Unsere Gastgeberin wartet bereits mit dem Essen. Auf dem Boden der Küchenhütte liegen Matten. Schüsseln mit Dschungelkraut, Kartoffeln, Reis, Fleisch und Schnecken stehen davor.

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Die Küche füllt sich mit neugierig blickenden Frauen. Mit Händen und Füßen gestikulierend, fangen wir eine Unterhaltung an. Der Spaß daran ist auf allen Seiten groß.

Es dunkelt. Zum Schlafen beziehen wir in einem nahe gelegenen Dschungeltower ein Kämmerlein mit zwei schmalen Betten. Der Blick in den Sternenhimmel und die Dschungelgeräusche lassen uns schnell einschlafen.

Zurück nach Kathmandu

Am Morgen tauschen wir die frische Dschungelluft wieder gegen den stickigen Dunst in Kathmandu. Knappe zehn Stunden benötigen wir für die Fahrt. Erdrutsche, die beide Spuren blockieren und erst geräumt werden müssen, lassen alle Fahrzeuge mehr stehen als rollen.

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Trekking im Helambu

In Kathmandu unternehmen wir nichts mehr und packen nur noch unsere Sachen für den Helambu Trek zusammen.

Mit Guide, Träger und in großer Hitze starten wir von Sundarjaal aus mit dem Trekking. Ein 10-Jähriger läuft die fünf Stunden bis Chisopani mit uns mit. Seine Familienangehörigen sind froh, dass er nicht alleine unterwegs sein muss.

Zwei jüngere, schwere Lasten schleppende Kinder und ihr Vater überholen uns. Während der Vater unbeirrt weiter geht, bleiben die Kinder in unserer Nähe. Wir sind eine willkommene Abwechslung auf dem Weg in ihr Dorf.

Tag 1: Chisopani

Schnell verschwinden wir in den Wolken. Die Wege werden rutschig. Unsere Lodge in Chisopani (2200 Meter) erreichen wir am Nachmittag. Wir bekommen extra ein Zimmer mit Blick auf den Annapurna. „Am Morgen könnt ihr ihn ganz sicher sehen“, wird uns versichert.

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Die Lodge ist ein Treffpunkt für Träger und Guides, die die touristenarme Monsunzeit gemeinsam verbringen. Am Abend sitzen wir mit ihnen vor dem Fernseher und sehen uns einen Bollywoodfilm an.

Der Annapurna kommt auch am Morgen nicht aus der Wolkendecke heraus. Kaum haben wir ihn jedoch hinter uns gelassen, ragen schneebedeckte 8000er aus den Wolken.

Tag 2 : Kutumsang

Terrassenfelder und kleine Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben ist formen die Landschaft. In einem der Dörfer schließt sich uns ein Hund an. Die Wege führen steil bergan, selten bergab und nie geradeaus. Der Hund bleibt treu an unserer Seite. Erst kurz vor unserem Ziel Kutumsang kehrt er um. Acht Stunden Wanderung liegen hinter uns, vor uns steht ein Quartier mit warmer Dusche, gutem Essen und dicken Decken auf dem Bett.

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Tag 3: Tharepati

Die Sonne scheint durch die Wolken. Unsere Blicke gehen hinauf zu Bergspitzen, die sich über den Wolken erheben und hinab in tiefe dunkelgrüne Täler. Wasser läuft über die Wege, es ist rutschig.

Das Ziel, Tharepati, liegt auf 3510 Meter Höhe. Unser Tempo verlangsamt sich stetig, leichte Kopfschmerzen stellen sich ein.

Die Lodge in Tharepati ist sehr einfach und gemütlich, vor den Zimmern lagert die Kartoffelernte. Gleich nach unserer Ankunft wird im Gemeinschaftsraum der Ofen geheizt, schnell ist es warm.

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Die Nacht ist bitterkalt. Wir frieren mehr als das wir schlafen, trotz dickem Schlafsack, Decken und Skiunterwäsche. Und wie in jeder Nacht regnet es auch. Dachten wir, die Monsunstärke der letzten Nächte wäre nicht mehr zu toppen, geht es immer noch heftiger.

Tag 4: Tarkeghyang

Zum Tourstart am Morgen ist der Regen vorbei. Auf den bergab führenden, glitschigen Pfaden rutsche ich mehrmals aus. Nach einigen Stunden steil bergab, geht es in den folgenden Stunden steil bergauf, über Hängebrücken und durch Flüsse.

Tarkeghyang, das Tagesziel, befindet sich auf 2740 Meter Höhe. Diesmal fängt es bereits kurz vor dem Ziel an, zu regnen. Frierend erreichen wir die Herberge. Mein Blick fällt auf eine Holztür mit der Aufschrift „really hot shower“. Was für eine Freude. Flugs wird das Gepäck abgelegt, um die heiße Dusche zu genießen. Ich drehe den Heißwasserhahn auf – das Wasser ist kälter als die Umgebung.

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Wenigstens befindet sich im Gemeinschaftsraum die Kochstelle. Ich setze mich dicht an das Feuer. Das Teewasser kocht bereits, Maiskörner liegen am Ofen und werden zu Popcorn.

Tag 5: Sermathang

Der Tag ist der entspannteste Trekkingtag und der mit dem größten Dschungel-Trekking-Feeling.

Tag 6: Melamchi Pul

Die Pfade der letzten Etappe führen ausschließlich bergab. Goldfarben glänzt eine riesige Buddha Statue durch die Nebelwand. Wir gehen die Treppe, deren Ende im Dunst nicht zu erkennen ist, zu ihr hinauf.

Eine durch Wasserkraft betriebene Gebetsmühle taucht aus dem Nebel auf. Sie ist mit einer dicken Moosschicht überzogen. Dahinter stehen ebenso bemooste Klosterruinen.

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Wolken und Dschungel liegen hinter uns, die Sonne brennt, ein gut begehbarer Weg durch Nadelwald liegt vor uns, das Trekkingziel kann nicht mehr weit sein.

Das Ziel Melamchi Pul ist ein größeres Dorf, das im Schlamm versinkt. Schon kurz nach der Ankunft vermissen wir die kleinen Dörfer, durch die wir in den letzten Tagen gelaufen sind.

Ein letztes Mal nach Kathmandu

In aller Frühe am kommenden Morgen stehen Auto und Fahrer vor unserem Hotel. Auf den ersten Kilometern der Straße nach Kathmandu passieren wir einen Erdrutsch nach dem anderen. Zum Teil werden die Stellen gerade erst geräumt. Millimetergenau manövriert der Fahrer das Auto an den vielen Lastkraftwagen vorbei. Erst kurz vor Kathmandu ist die Straße befestigt. Bis zur Stadtgrenze kommen wir gut durch, in die Innenstadt stehen wir uns dann hinein.

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Mit einem großen Stück Käsekuchen aus einer der deutschen Bäckereien in Thamel in der Hand, geht es zum Flughafen.   

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