Schweiz

Höhenwanderung vom Monte Tamaro zum Monte Lema

Unser Wandertag beginnt mit der Seilbahnfahrt von Rivera bei Bellinzona zur Alpe Foppa. Bereits an der Bergstation erwartet uns eine besondere Sehenswürdigkeit: Auf einem markanten Felssporn erhebt sich die Kirche Santa Maria degli Angeli. Vom Dach des festungsartig wirkenden Sakralbaus schweift der Blick weit über die Bergwelt des Tessins.

Vorbei an Skulpturen verschiedener Künstler machen wir uns auf den Weg zum Gipfel des Monte Tamaro. Etwas unterhalb der Bergspitze liegt die Capanna (Hütte) Tamaro. Ihre Speisekarte klingt verlockend, doch angesichts der langen Strecke, die noch vor uns liegt, verzichten wir auf eine ausgedehnte Rast. Stattdessen lassen wir von der Terrasse den Blick über die schneebedeckten Gipfel der Tessiner Alpen schweifen, die geheimnisvoll im Dunst liegen. Selbst das Matterhorn zeichnet sich am Horizont ab.

Direkt hinter der Hütte wird aus dem breiten Kiesweg ein schmaler Bergpfad. Nach etwa einer Stunde erreichen wir das Gipfelkreuz des Monte Tamaro. Allerdings teilen wir diesen Ort mit zahlreichen anderen Wanderern. Zudem wird die viel gepriesene Aussicht auf den Luganersee und den Lago Maggiore durch die diesige Luft beeinträchtigt. Nach einer kurzen Pause setzen wir deshalb unseren Weg zügig fort.

Der Abstieg vom Gipfel verläuft zunächst steil, anschließend führt ein gut begehbarer Kammweg durch die eindrucksvolle Berglandschaft. An einer Wegspinne trennen sich die Routen. Die meisten Wanderer wählen von hier den direkten Weg zum Monte Lema. Wir entscheiden uns dagegen für einen Abstecher auf den Monte Gradiccioli. Nach einem kurzen, aber schweißtreibenden Anstieg stehen wir auf seinem Gipfel. Die Fernsicht hat sich zwar nicht verbessert, dafür genießen wir hier etwas, das auf dem Monte Tamaro gefehlt hat: Ruhe und die Schönheit des Augenblicks zu zweit.

Auf dem weiteren Weg haben wir das Ziel, die Bergstation des Monte Lema, bereits im Blick. Am alten Zollhaus am Passo d’Agario füllen wir unsere Getränkevorräte auf – ein Kühlschrank zur Selbstbedienung macht es möglich. Von hier scheint das Ziel nur noch einen Katzensprung entfernt, zumal die Bergstation auf gleicher Höhe liegt.

Was wir jedoch nicht sehen können, ist der tief eingeschnittene Tobel (trichterförmiges Tal) zwischen uns und dem Monte Lema. Seine Durchquerung über große Felsblöcke und ausgesetzte Felsenstufen fordert unsere inzwischen müden Beine noch einmal heraus. Aus dem vermeintlich einfachen Schlussabschnitt wird unerwartet die letzte Bewährungsprobe des Tages.

Schließlich erreichen wir die Bergstation des Monte Lema. Knapp 1.000 Höhenmeter liegen hinter uns, und der Hunger macht sich deutlich bemerkbar. Eigentlich wollen wir die Wanderung mit einem Imbiss im Berggasthaus ausklingen lassen. Doch daraus wird nichts. Wie wir bereits im Internet gelesen haben, fährt die letzte Seilbahn gelegentlich vor der offiziell angegebenen Abfahrtszeit ins Tal – und genau das geschieht auch an diesem Tag.

Wanderung vom San Salvatore nach Morcote in der Schweiz

Nach der vergangenen Wanderung steht am nächsten Tag zur Erholung lediglich eine kurze und leichte Tour auf dem Programm. Ausgangspunkt ist die Standseilbahn im Luganeser Ortsteil Paradiso, die uns auf den San Salvatore bringt – den markanten Hausberg der Stadt. Von hier führt ein aussichtsreicher Höhenweg nach Morcote, das 2016 zum schönsten Dorf der Schweiz gewählt wurde.

Bevor wir jedoch mit der Wanderung beginnen, besichtigen wir die auf dem Gipfel des San Salvatore stehende gleichnamige Kirche. Anschließend steigen wir auf ihre Dachterrasse hinauf und genießen den Rundumblick über den Luganersee und die umliegenden Alpen. Leider liegt auch heute wieder ein leichter Dunst über der Landschaft, der die Fernsicht etwas einschränkt.

Der erste Abschnitt der Wanderung führt steil bergab. Danach verläuft der Weg angenehm durch schattige Kastanienwälder, die an diesem warmen Tag willkommenen Schutz vor der Sonne bieten. An einer Weggabelung stehen wir vor der Wahl: Die kürzere Route führt vorbei an der Wallfahrtskirche Madonna d’Ongero und am ehemaligen Augustinerkloster in Torello, die längere und anspruchsvollere Variante über die Alpe Vicania. Da wir rechtzeitig die Fähre von Morcote nach Lugano erreichen möchten, entscheiden wir uns für den zeitsparenden Weg.

Morcote

In Morcote angekommen, beginnt die Besichtigung mit einem Aufstieg über einen steilen Stufenweg zur hoch über dem Dorf gelegenen Kirche Santa Maria del Sasso. Direkt unterhalb des Gotteshauses erstreckt sich ein eindrucksvoll terrassenförmig angelegter Friedhof, dessen monumentale Grabstätten sich harmonisch in den Hang einfügen.

Durch enge, verwinkelte Gassen gelangen wir anschließend ins historische Zentrum des Dorfes. Entlang der Uferpromenade reihen sich elegante Patrizierhäuser mit ihren charakteristischen Arkaden aneinander. In ihrem Schatten lässt es sich angenehm verweilen, während der Blick über das glitzernde Wasser des Luganersees schweift.

Nach dem Rundgang gönnen wir uns eine entspannte Pause am See und lassen die besondere Atmosphäre Morcotes noch einmal auf uns wirken, bevor uns die Fähre zurück nach Lugano bringt. So endet ein ruhiger Tag, der weniger von sportlichen Herausforderungen als von landschaftlichen Ausblicken und dem besonderen Charme Morcotes geprägt ist.

Wanderung zu den Laghi della Crosa in der Schweiz

Der Wecker klingelt sehr früh am Morgen. Wir wollen vom Dorf Foroglio im Val Bavona zu den Laghi della Crosa wandern: 16 Kilometer und 1500 Höhenmeter.

Allein die Fahrt durch das Val Bavona ist schon fantastisch. Weiler wie Sabbione und Ritorto laden mit ihren Häusern aus Felssteinen (Rustici), die sich zum Teil an große Felsblöcke schmiegen zum Fotografieren ein.

Im ebenfalls idyllischen Foroglio beginnt der Wanderweg. Ein gleichnamiger Wasserfall stürzt am Ortsrand kraftvoll über die Felsen hinab, ein alter Saumpfad führt über viele Stufen zum Rand der Kaskade und weiter über eine schmale, zwischen steil abfallenden Felswänden eingeklemmte Treppe zur Kapelle des heiligen Salvatore.

Von dem Andachtsraum führt der Wanderpfad vier Kilometer und 500 Höhenmeter durch das faszinierende Val Calnègia. Drei Maiensäße (Puntid, Gerra, Calnègia) liegen am Weg: traditionelle Rustici, die im Frühling und Frühsommer für den Viehtrieb aus dem Tal zu den hochalpinen Weiden als Zwischenstation genutzt wurden.

In Puntid überqueren wir den wild dahin strömenden Bergbach auf einer schmalen Steinbogenbrücke und folgen dem Fluss durch Wald und über Weiden. Unter gewaltigen Felsblöcken finden sich Splüi, natürliche Hohlräume, die als Keller, Viehställe und auch Behausungen ausgebaut wurden.

Umgeben ist das Tal von unerreichbaren Bergspitzen, imposante Wasserfälle stürzen von schneebedeckten Gipfeln hinab, bilden Bäche, die wir – nicht immer ohne nasse Füße zu bekommen – überqueren.

Am Ende des Tals durchlaufen wir das Maiensäß Calnègia. Nun fängt der Aufstieg an. Erst moderat und dann über hohe Felsstufen steil bergauf. Vorbei am sehr schönen Wasserfall Ri della Cròsa, durch lichte Waldbestände und über die Alpen Crosa und Gradisc. Immer wieder halten wir an und bewundern die grandiose Landschaft. 

Ab der Alp Cradisc verändert sich der Weg. Während am Anfang noch ein paar Lärchen einen spärlichen Schatten spenden, kraxeln wir kurz darauf über glatte Felsblöcke und große Geröllbrocken, bis wir endlich am oberen Ende der Alpe della Cròsa ankommen und eine Sicht auf die Seenlandschaft haben.

Mittlerweile ist es Nachmittag und die Zeit reicht nicht mehr, um zu den Seen zu laufen. Zu oft haben wir zwischenzeitlich angehalten, die spektakuläre Bergwelt bewundert und dabei außer Acht gelassen, dass ein Aufstieg von 1.450 Höhenmetern seine Zeit braucht. 

Nach 13 Stunden sind wir bei Einbruch der Dämmerung zurück in Foroglio. Wir sind so erschöpft, dass wir, obwohl hungrig, nicht mehr in das Grotto (traditionelles Gasthaus) gehen, sondern nur noch auf dem schnellsten Weg ins Quartier wollen.

Verzasca-Tal: die Malediven der Schweiz

Bevor wir vom Tessin weiter an den Bodensee fahren, legen wir noch einen Abstecher ins Verzasca-Tal ein. Bereits der Taleingang beeindruckt: Eine 220 Meter hohe Staumauer spannt sich über die enge Schlucht. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch den spektakulären Bungee-Sprung zu Beginn des James-Bond-Films GoldenEye.

Das Zentrum des Tales ist jedoch der smaragdgrüne Verzasca-Fluss, dessen kristallklares Wasser sich durch glatt geschliffene Felsen und tiefe Gumpen schlängelt. Entlang des Stromes verläuft eine gut ausgebaute, allerdings stark befahrene Straße. Ursprünglich hatten wir geplant, mehrere Wanderungen im Tal zu unternehmen. Doch angesichts der vielen Besucher beschränken wir uns auf drei besonders sehenswerte Orte: Corippo, Lavertezzo und Sonogno.

Corippo

Corippo liegt an einem steilen Hang. Die Häuser aus Naturstein mit ihren schweren Steinplattendächern fügen sich harmonisch in die Landschaft ein. An einigen Fassaden sind noch Fresken mit religiösen Motiven erhalten. Schmale Gassen und steile Treppenwege verbinden die Häuser miteinander und führen zur Kirche und zum kleinen Dorfplatz.

Lavertezzo

Ganz anders präsentiert sich Lavertezzo. Der Ort liegt direkt an der Talstraße und ist wohl das am häufigsten besuchte Ausflugsziel im Tal. Wahrzeichen und meistfotografiertes Motiv ist die doppelbogige Steinbrücke Ponte dei Salti. Unter ihr leuchtet das Wasser der Verzasca in faszinierenden Türkis- und Smaragdtönen. Auf den sonnengewärmten Felsen entspannen Besucher, während Mutige den Sprung in das kalte Wasser wagen.

Sonogno

Am Ende des Tales erreichen wir schließlich Sonogno. Umgeben von dichten Wäldern und hohen Bergen wirkt das Dorf wie eine Oase der Ruhe, weit entfernt vom Trubel in Lavertezzo. Blumengeschmückte Häuser, gepflasterte Gassen und die für das Tessin typischen Grotti verleihen dem Ort einen besonderen Charme.

Berggasthaus Äscher in der Schweiz

Die Wanderung zum Berggasthaus Äscher im Kanton Appenzell Innerrhoden vollendet unsere Wanderwoche in der Schweiz.

Ausgangspunkt ist der kleine Ort Wasserauen. Von hier führen zwei Wege zum ersten Etappenziel, dem Seealpsee. Nach den anspruchsvollen Touren der vergangenen Tage sind wir etwas bequem geworden und entscheiden uns für die kürzere Route über die Asphaltstraße.

Schon bald erreichen wir den idyllisch gelegenen Seealpsee, der eingebettet zwischen saftigen Wiesen und den mächtigen Gipfeln der Appenzeller Alpen liegt. Über allem thront der Säntis. Kühe ruhen friedlich auf den Weiden, und bei einem Milchbauern legen wir eine erste Pause ein. Frischer Joghurt und ein Milchshake sorgen für die nötige Stärkung, bevor der eigentliche Aufstieg beginnt.

Bis zum Berggasthaus Äscher sind zwar nur rund 350 Höhenmeter zu bewältigen, doch der schmale Pfad zieht sich nahezu durchgehend steil bergauf. Die Anstrengung hält sich dennoch in Grenzen, denn der Weg ist gut ausgebaut und an ausgesetzten Stellen mit Stahlseilen gesichert.

Als wir den Wald hinter uns lassen, eröffnet sich plötzlich ein beeindruckendes Panorama: Eine nahezu senkrechte, etwa 100 Meter hohe Felswand erhebt sich vor uns. Direkt an sie geschmiegt scheint das berühmte Berggasthaus Äscher förmlich am Felsen zu kleben. Auf seiner hoch über dem Tal liegenden Terrasse, gönnen wir uns eine wohlverdiente Rast. Bei einem kühlen Getränk genießen wir den weiten Blick über die Bergwelt und hinunter zum rund 600 Meter tiefer gelegenen Seealpsee.

Für den Rückweg haben wir uns etwas Besonderes vorgenommen. Statt zu Fuß ins Tal abzusteigen, wollen wir von der höher gelegenen Ebenalp mit der Seilbahn hinunterschweben. Der Weg dorthin führt vorbei am Wildkirchli mit seiner Altarhöhle, am bescheidenen Holzhaus eines Eremiten und schließlich durch die Wildkirchlihöhle. Diese diente bereits in vorgeschichtlicher Zeit Neandertalern als Jagdquartier und Höhlenbären als Unterschlupf.