Nordkorea

Wer lacht, hat viele Freunde, wer weint, ist alleine.   
(Aus Korea)

Mit dem Zug von der Mongolei über China nach Nordkorea.

Sommer 2013

Pyöngyang – Kumgang-Gebirge – Wonsan – Mount Kuwol – Pyöngyang – Kaesong – Pammunjom – Nampo – Pyöngyang

Nordkorea

Der Flieger von Air Koryo startet pünktlich. Als wir die Grenze zu Nordkorea überfliegen, erfolgt eine Durchsage der Stewardess, das auf den Bildschirmen laufende Konzert des Militärorchesters wird unterbrochen und ein Bild von Kim Jong Un gezeigt. Nach zwei Stunden Flug setzt der Flieger auf der inmitten von Feldern liegenden Landebahn auf, rollt über eine Brücke, vorbei an in Reih und Glied stehenden Kampffliegern bis zum Terminal.

Bei der Einreise werden wir nur nach Handys gefragt – die haben wir in Beijing gelassen – unsere Kameras und die Brennweiten der Objektive interessieren niemanden.

Zwei junge Frauen (21 und 25 Jahre) erwarten uns bereits. Das Besucherprogramm startet sofort. In einem bequemen Minibus – hergestellt in Nordkorea, Marke Sieg – fahren wir zu einem Gelände, auf dem sich Künstlerateliers befinden, von denen wir zwei besuchen und den Künstlern über die Schulter schauen. Zum Kauf eines der in einer Galerie ausgestellten Werke können wir uns jedoch nicht entschließen.

Auf dem Ateliergelände steht ein Reiterdenkmal. Betreten bleibe ich in der Nähe stehen. Gruppenweise treten Nordkoreaner an das Denkmal heran, stellen große Blumengebinde ab und marschieren weiter.

26.03.2013 - 45

Die Straßen in Pyöngyang sind breit und von großen Wohnblöcken gesäumt, die zum überwiegenden Teil ziemlich ramponiert aussehen. Regen, fehlende Fassaden und die hohe Luftfeuchtigkeit setzen den Häusern sichtbar zu. In den Straßen wimmelt es von Schulklassen und Militär. Endlose Reihen von Frauen in traditionellen Kleidern und Männern in Anzügen strömen aus allen Richtungen einem Treffpunkt zu. Aus einem Bus heraus winken Soldaten mit verstohlenen Gesten zu uns herüber.

Das Hotel Yanggakdo – 46 Stockwerke mit Drehrestaurant in der obersten Etage – liegt auf einer Halbinsel im Fluss Taedong. In der 21. Etage beziehen wir ein Zimmer mit schönem Ausblick über die Stadt. Abends ist von der Spitze der Insel das Feuerwerk, das zu den Arirang Mass Games gezündet wird, zu sehen.

Der nächste Tag ist der Siegestag des “Großen Vaterländischen Befreiungskriegs”. Das Hotel ist voll mit Medienleuten, die Fahrstühle überlastet, sodass wir mit Verspätung unsere Tour starten. Über die breiten leeren Straßen fahren wir zum Zoo. Dort bekommen wir zusätzlich zu unseren beiden Guides einen local Guide an die Seite gestellt.

Die Sonne brennt, mobile Stände locken mit Eis. Die Eisverkäuferin überlegt und rechnet. Da Ausländer nur in Euro, Dollar bzw. Yuan bezahlen dürfen, nennt sie uns einen über den Daumen gepeilten Preis. So kleines Hartgeld haben wir nicht dabei und unsere Guides laden uns zum Eis ein. Ein paar Schritte weiter, haben wir auf einmal zwei local Guides an unserer Seite.

Filmstreifen Nordkorea II

In den gegenüberliegenden Botanischen Garten kommen keine zusätzlichen Begleiter mit. Da es dort keine Schattenspender gibt, verlassen wir ihn gleich wieder.

Am Himmel kreisen Hubschrauber mit Spruchbändern, eine Formation Kampfflieger ist auf dem Weg zur Militärparade. Auch wir sind auf dem Weg dorthin. Kurz vor dem Ziel wird der Programmpunkt jedoch abgesagt – zu lange Wartezeit bis zum Beginn.

Auf den Straßen sind viele Leute, vor allem Pioniere, unterwegs oder sitzen auf den Wegen und warten. Viele Straßen sind gesperrt und unser Fahrer hat Mühe einen Weg zum Hotel zu finden. Vorteil für uns. Wir sehen verschiedene Ecken von Pyöngyang.

Nachmittags besuchen wir das Kim Il-sung Green House, um eine nur an Feiertagen geöffnete Ausstellung anzusehen. Eingebettet in unzählige Kimjongilia und Kimilsungia, werden auf zwei Etagen Episoden aus der revolutionären Vergangenheit sowie der Entwicklungsstand der Gegenwart dargestellt.

filmstreifen Nordkorea III

Die Metrostation am Triumphbogen: 100 Meter tief, etwas muffig riechend, die Bahnhöfe geschmückt mit Kronleuchtern und Gemälden, die Züge aus Berlin stammende und in den 90ern ausrangierte Wagen. Wir steigen ein in den proppenvollen Zug. Sofort springen drei Leute auf und bieten uns einen Platz an. Das ist so üblich – aufstehen für Alte, Kinder und Gäste.

Von der U-Bahn spazieren wir zu den Überresten der alten Stadtmauer. Im Park an der Mauer tanzt eine kleine Gruppe von Frauen und Männern, wie in einigen Ländern Asiens üblich, zu klassischer Musik. Sie laden uns zum Mitmachen ein.

In das Hotel kommen wir zu einem schnellen Abendessenstopp zurück – die  Arirang Mass Games begannen kurze Zeit später.

Die nächsten zwei Tage verbringen wir im, sieben Stunden von Pyöngyang entfernten, Kumgang Gebirge. Hinter der Stadtgrenze werden die Straßen zu Betonplattenpisten. Rechts und links wachsen auf jedem bebaubaren Fleckchen Mais und Reis. Dazwischen kleine Dörfer mit alten traditionellen Bauernhäusern und Kleinstädte mit 5-geschossigen Wohnhäusern.

Je weiter wir uns von Pyöngyang entfernen, desto neuer werden die Brücken, über die wir fahren.  Wir passieren eine Straßensperre – wir sind an der Ostfront angekommen – sammeln den local Guide ein und die Wanderung in das Gebirge beginnt.

filmstreifen Nordkorea IV

Hinweisschilder „Fotografieren erlaubt“ stehen am Wegesrand. Aus den Felsen wachsen Kiefern, dazwischen tauchen Schriftzüge mit Losungen aus dem Koreakrieg auf. Die Flüsse haben Trinkwasserqualität: Wir genießen das frische Wasser und die Wanderung.

Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir auf zu einem idyllisch gelegenen See im Gebirge. Der Blick über den großen See reicht bis zum Meer, unserem nächsten Ziel.

Auf der Straße sind Lastwagen mit Kohlevergaser unterwegs, am Straßenrand grasen neben Ziegen und wohlgenährten Rindern auch Schweine.

Kurze Pause am Meer. Sonne, Wasser und Strand laden zum Baden ein. Vereinzelt sitzen Familien im Sand, eine Absperrung für Touristen gibt es nicht. Eine Frage, ein Anruf, die Genehmigung schwimmen zu gehen. Für 10 € drehen wir ein paar Runden im herrlich klaren Wasser.

Vom Strand fahren wir zur Universität für Agrarwissenschaften in Wonsan.

filmstreifen Nordkorea V

Am Eingang der Universität hängt ein Bild, das wie ein Fahndungsfoto aussieht. Abgebildet sind die Frisuren, die Student/inn/en zu tragen haben. Die Universitätsgebäude liegen in einem schattigen Park mit Sitzgelegenheiten für die Studenten zum Lernen. Dem von Kim Jong-il gesponserten Gewächshaus, das vollständig computergesteuert und innen keimfrei sein soll, dürfen wir uns nicht nähern – Reinigungsarbeiten.

Halt am Mausoleum von König Tongmyong, ein mit Gras bewachsener Grabhügel, bewacht von des Königs steinernen Beamten.

Am nächsten Tag geht es zum Mt. Kuwol. Vor der Abfahrt muss das Mittagspicknick aus einem Restaurant abgeholt werden. Das Essen ist noch nicht fertig und so sehen wir uns ein wenig in der Gegend um.

Recht bald hinter Pyöngyang verlassen wir die feste Straße und fahren über Feldwege, die weniger holprig als die Straße sind. Die Häuser in den Dörfern, durch die wir kommen, sind vor lauter Mais kaum zu sehen.

Ein Wasserfall. Der local Guide ist noch nicht da und so picknicken wir erst einmal. Nach den ersten Bissen steht eine ehemalige Soldatin, die am Bau des Wasserfalls mitgearbeitet hat, am Tisch. Stolz erzählt sie, dass der Wasserfall, der so breit und so hoch ist wie die Geburtstage von Kim Il-sung und Kim Jong-il, angelegt wurde, nachdem Kim Il-sung beschlossen hatte, dass das Wasser zum Volk fließen soll. Zum Abschied verspricht sie uns in die Hand, weitere 18 Jahre hart für die Juche Ideologie – politische Ideologie, die vom ewigen Präsidenten Kim Il-sung entwickelt wurde – zu arbeiten.    

filmstreifen Nordkorea VI

Vom Wasserfall zum Tempel. Die Natur lockt; wir wollen wandern. Ein Soldat hält uns an. Eine Diskussion kommt auf – der Weg sei zu weit und wir sollten mit dem Auto fahren.

Unsere Guides setzen sich durch. Auf der Straße, die wir entlang wandern, kommt uns ein offener Lastwagen entgegen. Auf der Ladefläche sitzen Bauern, die schnell ihre Handys zücken und uns fotografieren.

Ein Hinweisschild – 250 Meter nach links und wir stehen vor einer kleinen Tempelanlage. Davor sitzen Familien in Kreisen, picknicken, lachen und winken. Wir besichtigen die Anlage. Einen local Guide gibt es hier nicht. Unsere Guides werden unruhig. Diese Anlage steht gar nicht auf dem Besuchsprogramm. Schnell laufen wir vor zur Straße. Die nächste Abbiegung ist die richtige.

Verärgert kommt uns der Fahrer mit dem Auto entgegen. Er hat gewartet und gesucht. Die letzten Meter bis zum Tempel sollen wir einsteigen. Erleichtert fallen die Guides in die Autositze. Wir machen ihnen das Angebot alleine zu laufen. Das dürfen sie nicht zulassen und  wandern mit.

Der Tempel ist einer der ältesten des Landes. Natürlich gibt es auch hier einen local Guide. Und natürlich informiert sie uns zuerst darüber, wann Kim Il-sung und Kim Jong-il zu Besuch waren und die gute Erhaltung der Anlage gelobt hätten. Anschließend erzählt sie über die 1000-jährige Geschichte.

filmstreifen Nordkorea VII

Über Nampo fahren wir zurück nach Pyöngyang. An der West Sea Barrage legen wir eine Pause zum Eis essen ein. Die West Sea Barrage erstreckt sich auf einer Länge von 8 Kilometern über den Taedong Fluss und wurde 1986 (Juche 75) von der nordkoreanischen Armee innerhalb von 5 Jahren gebaut. In Nordkorea gilt offiziell der Juche-Kalender, dessen Jahreszählung mit dem Geburtsjahr des ewigen Präsidenten 1912 beginnt

Hinter Nampo beginnt eine 10-spurige Autobahn aus holprigen Betonplatten. Kurz vor Pyöngyang dann ein Mittelstreifen, eine Hälfte der Autobahn ist asphaltiert, die andere gesperrt.

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