Yukon

Die Wildnis beginnt direkt am Straßenrand.
(Sprichwort aus dem Yukon)

Reisejahr 2019 | Lesezeit 6 Minuten

Pakistan China Kasachstan Russland (Sibirien und Ferner Osten) IslandAlaska und Kanadas Yukon: Haines Junction – Whitehorse – Dawson CityAlaska

Kanada

Mit dem Mietwagen geht es am nächsten Tag von Skagway in Alaska auf dem Klondike Highway nach Haines Junction in Kanada. Die Grenze auf dem White Summit Pass ist unkompliziert und schnell überquert. Auch der Tacho des Autos ist für die Fahrt in Kanada gerüstet: Seine Anzeige gibt es in Meilen pro Stunde (USA) und Kilometer pro Stunde (Kanada). Für die ersten 100 Kilometer benötigen wir drei Stunden Fahrzeit. Immer wieder halten wir an, um das in tiefblau und türkis schimmernde Wasser der Seen inmitten einer rauen Bergwelt zu bewundern. Gelb leuchten die Blätter der Laubbäume zwischen dem Grün der Nadelbäume; ein Bär quert die Straße; in der kleinsten Wüste der Welt, der Carcross-Wüste, laufen wir durch den feinen Sand. Zehn Kilometer führt die Straße am herrlich blauen Tutshi-See entlang. An seinem Ende verlassen wir die Provinz British Columbia und erreichen die Yukon Territories. Gerne würden wir viel öfter die Fahrt unterbrechen, aber es liegen noch mehrere hundert Kilometer vor uns und mit dem Überschreiten der Grenze hat sich die Uhrzeit um eine Stunde vorgeschoben.

Endlose Weite auf dem Alaska Highway

Hinter Whitehorse biegen wir ab auf den Alaska Highway. Endlos zieht sich der Highway, gesäumt von gelb und grün leuchtenden Wäldern, bis zum Horizont. Nach etlichen Kilometern weicht das Gefühl von Weite und Freiheit der Müdigkeit. Die einzige Abwechslung bilden ein Auto und später ein Boot, die, weit entfernt von jeglicher Zivilisation, am Waldrand geparkt wurden und zum Verkauf stehen.

Das Ziel Haines Junction liegt im Kluane-Nationalpark. In den kommenden zwei Tagen wandern wir auf mehreren Wegen, die jeweils nicht länger als zehn Kilometer sind. Wanderer begegnen uns nur selten. Die touristische Saison ist beendet, dafür haben Bären, die vor allem die Beeren am Wegesrand lieben, Hochsaison.

Zum Frühstück beim örtlichen Bäcker lassen wir uns ein Bärenspray aufschwatzen. Vor dem Erwerb muss ein Formular ausgefüllt werden, Passdaten und die Seriennummer des Sprays werden notiert, dazu gibt es eine lehrreiche Broschüre über das richtige Verhalten beim Zusammentreffen mit einem Bären mit so hilfreichen Tipps wie: „Das Verhalten des Bären einschätzen und feststellen warum er sich nähert.“ Dementsprechend gegensätzlich soll auf die Begegnung reagiert werden. Da wir uns nicht für ausgewiesene Bärenflüsterer halten, ziehen wir den Klassiker vor und reden viel und laut. Gar nicht so einfach für uns, die lieber still genießen, als unentwegt zu quasseln.

Golden leuchtet das Laub der Bäume in der Sonne, grün ragen die Spitzen der Tannen über Birken und Espen, die Berghänge sind rot gefärbt, der Himmel leuchtet blau, das Wasser der Seen schimmert blau und türkis. Wir wandern durch bunte Täler, an munter sprudelnden Gebirgsflüssen entlang, klettern über die Felsen eines ehemaligen Gletscherfeldes bergauf, sind umgeben von Bergen, an deren Spitzen weiße Wolken hängen geblieben sind und vermissen die Tierwelt des Yukon. Nur Eichhörnchen turnen in großer Zahl durch die Bäume, von Elchen und Bären keine Spur und kein Geräusch.

Im Yukon endet die Saison bereits Anfang September

Bei der Weiterfahrt in Richtung Norden legen wir in Whitehorse einen Übernachtungsstopp ein. Whitehorse ist die größte Stadt im Yukon, eine eher langweilige Stadt am Yukon River. Die Sehenswürdigkeit, der original restaurierte Schaufelraddampfer „Klondike“, hat vor drei Tagen die Gangways für seine Besichtigung geschlossen. Die Saison ist beendet.

Dawson City ist das nächste und nördlichste Ziel im Yukon, 500 Kilometer Fahrt auf dem fast autofreien Klondike Highway von Whitehorse entfernt.

Die Herbstfarben werden intensiver, die ersten rot gefärbten Blätter mischen sich in das dominierende gelb, Berghänge leuchten bunt in der Sonne, am Horizont schweben weiße Wolken über den Bergen am strahlend blauen Himmel, in gelb, rot und grün schimmern kleine Inseln im blauen Wasser des Yukon: Ein Fest für die Augen. Damit auch unsere Mägen nicht mehr knurren, halten wir für einen Imbiss an einem Roadhouse, das heute seinen letzten offenen Tag der Saison hat.

Gold, Gold, Gold

Dass es nicht mehr weit ist bis Dawson City, ist unschwer an den raupenförmig aufgetürmten Geröllhaufen zu erkennen, die Schwimmbagger beim Durchwühlen des Grundes auf der Suche nach Gold hinterließen.

„Gold, Gold, Gold“ titelte im Juli 1897 der „Seattle Post-Intelligencer“: Drei Jäger hatten beim Geschirr waschen im unscheinbaren Bonanza Creek Goldklumpen gefunden. Tausende Goldsucher und Abenteurer – Dagobert Duck legte nach einem Goldfund am Klondike den Grundstein für sein Fantastilliarden-Vermögen – machten sich daraufhin auf den Weg. Auf einer Weide an der Mündung des Klondike in den Yukon River entstand die Goldgräberstadt Dawson City.

Restaurierte Gebäude strahlen farbenfroh in den unbefestigten Gassen. Gehwege aus Holzbrettern führen entlang original wiederhergestellter Häuser aus der Zeit des Goldrausches, vorbei an Postamt, Theater und Bordell, das die Entspannung suchenden Goldschürfer für 15 Minuten Vergnügen einen Tageslohn kostete. Am Ortsrand steht Jack Londons Hütte, der vergeblich auf den Klondike Fields nach Gold schürfte.

Ein Wahrzeichen der Stadt ist Diamond Tooth Gertie’s Gambling Hall, das nördlichste Spielkasino Kanadas. Gemütlich geht es im Casino zu. Can-Can Tänzerinnen werfen ihre Röcke hoch, wir versuchen die geplünderte Reisekasse bei Black Jack aufzubessern: erfolglos.

Erfolgreicher sind wir dagegen bei der Ausschau nach Nordlichtern. Vom bekanntesten Hügel der Stadt, dem Midnight Dome, blickt man am Tag weit in die herbstlich leuchtenden Täler von Klondike River und Yukon River. Ist die Mitternacht wolkenlos, zieht sich ein milchig schimmernder Bogen über den Horizont, löst sich in Streifen auf, flackert leicht: das Nordlicht. Das flimmernde Grün nimmt jedoch nur das Kameraobjektiv wahr.

Rückkehr aus dem Yukon nach Alaska auf dem Top of the World Highway

In Dawson endet der Klondike Highway und der Top of the World Highway beginnt – in Ermangelung einer Brücke – mit einer Fährfahrt über den Yukon. Die Fahrt mit der Fähre, die bereits Mitte September ihren Betrieb einstellt, dauert nur fünf Minuten. Der Highway, großteils eine Schotterstraße, windet sich an den kargen Bergen entlang, Nebel steigen aus den Tälern auf, zwischen den verkohlten Baumstämmen ehemaliger Waldbrände zeigen Farbtupfer neues Wachstum. Bis zur amerikanischen Grenze umgibt uns pure Wildnis. Die Strecke ist jedoch so kurvenreich, dass die Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung überflüssig sind.

Der Grenzübertritt in die USA ist wieder zügig und problemlos.

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