Nauru

Gottes Wille zuerst
(Wahlspruch von Nauru)

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Mit der Landung des Fliegers von Nauru Airlines auf Nauru und der problemlosen Einreise endet ein nervenzehrender Krimi um den Erhalt eines Visums: Obwohl wir rechtzeitig alle erforderlichen Unterlagen wie Gehaltsnachweis, Passkopie, Impfzertifikat, Tickets für den Hin- und Rückflug (bei Verweigerung des Visums wird das Geld von der staatlichen Fluglinie des Inselstaates nicht zurückerstattet) und den Nachweis einer Hotelreservierung (die Bestätigung erhalten wir nach zwei Monaten), eingereicht haben, müssen wir noch einmal mehr als drei Monate auf die Ausstellung der Einreisegenehmigung warten. Die zwischenzeitlich verfassten Erinnerungsmails an die Einwanderungsbehörde von Nauru bleiben allesamt unbeantwortet. Als drei Tage vor dem geplanten Abflug noch immer keine Antwort im E-Mail-Postfach gelandet ist, setzen wir uns mit dem naurischen Konsulat in Brisbane in Verbindung. Plötzlich geht alles ganz schnell und innerhalb von 24 Stunden erhalten wir das begehrte Visum.

Nauru: Insel mit einer skurrilen Geschichte

Nauru ist mit einer Größe von 21 Quadratkilometern die kleinste selbstständige Republik der Welt. Einem flachen Teller gleich liegt die Insel im Pazifischen Ozean.

So niedrig war das Land jedoch nicht immer. Der Abbau begann, als Ende des 19. Jahrhunderts zufällig Phosphat (uralter versteinerter Kot von Seevögeln) auf der Insel entdeckt wurde. Der versteinerte Vogelmist war der wichtigste Bestandteil von Düngemitteln und zu jener Zeit wertvoller als Gold. Abgebaut wurde der Schatz zunächst durch das Vereinigte Königreich und später durch Australien, ohne dass freilich die Inselbewohner etwas daran verdient hätten. Bis zur Unabhängigkeit Naurus im Jahr 1968 hatte die Insel etwa ein Drittel ihrer Landmasse verloren.

Mit der Souveränität gingen auch die Erträge aus dem Phosphatabbau an die Nauruer und bescherte ihnen schlagartig das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Völlig überfordert mit dem plötzlichen Reichtum, kaufte die Regierung Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge und Hotels im Ausland. Viele Einwohner besaßen mehrere Luxusautos und teure Sportwagen, obwohl eine Fahrt um die Insel auf der 19 Kilometer langen Ringstraße gerade einmal 20 Minuten dauert; Bildung und Gesundheitsfürsorge waren kostenlos, Einkommen wurden nicht besteuert.

Kaum jemand dachte daran, das Geld sinnvoll anzulegen. So importierte ein Polizeichef einen Lamborghini und stellte dann fest, dass er zu dickleibig war, um sich hinters Lenkrad zu quetschen. Ein anderer Insulaner fing an, ein Luxushotel zu bauen. Nachdem vier Stockwerke standen, stellten Ingenieure fest, dass das Fundament fehlte.   

Als Ende der 1990er-Jahre die Phosphatreserven fast erschöpft waren, stürzte Nauru zum Entwicklungsland ab. „20 australische Dollar waren in der Staatskasse, als ich zu Naurus Regierungschef gewählt wurde“, erinnert sich Ludwig Scotty bei unserem Besuch in seinem Haus. (Amtszeit vom 29. Mai bis zum 8. August 2003 und vom 22. Juni 2004 bis zum 19. Dezember 2007).

Geblieben von dem einst märchenhaften Reichtum sind nur viele Schrottautos, die sich im Landesinnern stapeln, Fettleibigkeit, eine der höchsten Diabetesraten der Welt, unentgeltliche Gesundheitsdienste und die Befreiung der Inselbewohner von der Einkommensteuer.

Zwar wurde der Phosphatabbau und -export 2005 wieder aufgenommen, die Fördermenge nimmt jedoch kontinuierlich ab. Im Landesinneren hat der Tagebau die einst grüne Tropeninsel in ein Plateau aus zerklüfteten Korallen- und Kalksteinsäulen verwandelt. Zwar wurde durch ein von Australien finanziertes Renaturierungsprogramm der Erdboden zwischen den Säulen mit einer Schicht aus Humus bedeckt, sodass heute auch wieder Pflanzen aus der Mondlandschaft wachsen; rund 90 Prozent der Landesfläche sind jedoch nach wie vor weitgehend unbewohnbar. Nur das staatliche Gefängnis und zwei australische Auffanglager für Asylbewerber stehen inmitten der staubigen Einöde.

Phosphatabbau auf Nauru
Phosphatabbau
Plateau aus zerklüfteten Korallen- und Kalksteinsäulen
Pflanzen wachsen zwischen den Korallen- und Kalksteinsäulen
Pflanzen wachsen zwischen den Korallen- und Kalksteinsäulen
Ein kurzer Inselspaziergang

Trotz der hohen Temperaturen lassen wir es uns nicht nehmen, die Insel auch per pedes zu erkunden. Dazu versehen wir uns mit stabilen Stöcken, um die aggressiven Hunde abzuwehren, von denen es auf dem Eiland wimmeln soll. Weder am Strand noch im Landesinnern begegnet uns indes auch nur einer der streunenden Köter. Erst später erfahren wir, dass vor einiger Zeit eine Task Force aus zwei Polizisten gebildet wurde, die sich offensichtlich erfolgreich um das Problem gekümmert hat.

Zwei Stunden halten wir es in der sengenden Hitze aus, wandern zum Postkartenstrand von Anibare, zum einzigen Süßwassersee der Insel, der Buada-Lagune und vorbei an japanischen Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg auf die mit 60 Metern höchste Erhebung der Insel, das Command Ridge.

Postkartenstrand von Anibare auf Nauru
Postkartenstrand von Anibare
Buada Lagune, Nauru
Buada-Lagune. Der einst fischreiche Süßwassersee ist heute ein brackiges Gewässer.
Deutsche Spuren auf Nauru

Nauru war von 1888 bis zum Ersten Weltkrieg eine deutsche Kolonie. Bei der Wanderung finden wir im dichten Buschwerk tatsächlich noch die Ruinen des ehemaligen deutschen Kommunikationszentrums, das von den Japanern im Zweiten Weltkrieg als Kriegsgefangenenlager genutzt wurde.

Japanischer Kriegsschrott auf dem Command Ridge
In den Ruinen des ehemaligen deutschen Kommunikationszentrums

Anschließend spüren wir im Nationalmuseum intensiver der Geschichte der Deutschen auf Nauru nach. Viele historische Unterlagen aus dieser Zeit, wie Karten und Briefe wurden von den Verwaltern damals in deutscher Sprache verfasst. „Die Deutschen führten die Schulpflicht ein. Jeder hatte Deutsch und Nauruisch zu lernen“, erfahren wir von der Museumsmitarbeiterin Cappy. Wörter wie Brot und die deutschen Bezeichnungen der Wochentage sind bis heute ein fester Bestandteil der Sprache.

Weiterreise

Bestehen geblieben aus den goldenen 1970-er Jahren ist die staatliche Fluggesellschaft Nauru Airlines. Zwar musste 2005 der Flugverkehr eingestellt werden, weil Kreditgeber das einzige verbliebene Flugzeug in Beschlag nahmen, aber nachdem Taiwan 2006 eine Boing 737-300 finanzierte, wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen, die Flotte mittlerweile um drei Maschinen erweitert und der Flugplan sukzessive um Ziele im Pazifik ergänzt. So auch zu unserem nächsten Reiseziel, den Marshallinseln.

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