„Buten un binnen, wagen un winnen!“
(Aus Bremen)
„Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“ Mit diesem Satz schicken die Brüder Grimm Esel, Hund, Katze und Hahn auf den Weg nach Bremen. Zwar erreichen die vier die Hansestadt im Märchen nie, doch kaum eine andere Geschichte ist so eng mit ihr verbunden. Die Bremer Stadtmusikanten sind bis heute das bekannteste Wahrzeichen der Stadt – erfolgreicher als jede reale Musikgruppe und, mit einem Augenzwinkern betrachtet, auch berühmter als so mancher Fußballverein.
Ein guter Ausgangspunkt für einen Stadtrundgang ist die kleinste Berühmtheit Bremens: die Dom-Maus. Das winzige steinerne Tier sitzt gut versteckt am Fuß eines Domportals und wird leicht übersehen. Wer sie entdeckt, darf sich als aufmerksamer Beobachter fühlen oder einfach über einen besonders guten Blick freuen.
Im Dom selbst befindet sich die Grabstätte von Adolph Freiherr Knigge. Sein Name gilt bis heute als Synonym für gutes Benehmen, obwohl er nie ein klassisches Benimmbuch verfasst hat. Sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“ handelt weit mehr von Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme als von Tischsitten und Etikette.
Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich das prächtige Rathaus. Wer auf eine Führung hofft, braucht mitunter Geduld, denn Veranstaltungen haben gelegentlich Vorrang. Fast fühlt man sich dabei an Till Eulenspiegel erinnert, der einer Überlieferung zufolge in Bremen eine Marktfrau dazu brachte, ihre eigenen Tonkrüge zu zerschlagen. Was einst als Schelmenstreich galt, wird heute als fragwürdiger „Lifehack“ bezeichnet.
Gleich neben dem Rathaus wartet schließlich das wohl berühmteste Fotomotiv der Stadt: die Bronzeplastik der Bremer Stadtmusikanten. Wie im Märchen stehen Esel, Hund, Katze und Hahn übereinander, um die Räuber in die Flucht zu schlagen. Einer Bremer Tradition zufolge bringt es Glück, die beiden Vorderbeine des Esels gleichzeitig zu umfassen. Beide Beine wohlgemerkt, sonst reicht am Ende ein Esel dem anderen die Hand.



Von dort führt der Weg in den Schnoor, Bremens ältestes Viertel. Enge Gassen, jahrhundertealte Fachwerkhäuser und kleine Läden verleihen dem Quartier seinen besonderen Charme. Dazwischen laden zahlreiche Restaurants zur Einkehr ein; nicht selten mit der norddeutschen Spezialität „Pinkel“ auf der Speisekarte, deren Name Ortsfremde regelmäßig schmunzeln lässt.
Nur wenige Minuten entfernt verbindet die Böttcherstraße auf eindrucksvolle Weise Architektur, Kunst und Geschichte. Mehrmals täglich erklingen zwischen zwei ehemaligen Lagerhäusern die 30 Meißener Porzellanglocken des Glockenspiels und lassen traditionelle See- und Volkslieder über die Straße schweben.


Nicht weit entfernt befindet sich die Schlachte, die Uferpromenade an der Weser. Dort liegt die „Alexander von Humboldt“ vor Anker. Das Schiff mit den grünen Segeln, bekannt aus der Beck’s-Werbung ist eigentlich eine Ikone, aber für viele Besucher nur: „Ah, das Bier-Schiff!“
Dass Bremen nicht nur Handels- und Hafenstadt ist, zeigt das Airbus-Werk. Von Zeit zu Zeit lässt sich dort ein Beluga-Transportflugzeug beobachten, dessen markante Form an einen Weißwal erinnert. Hier werden Flugzeugteile zwischen den europäischen Airbus-Standorten transportiert. Gleich daneben vermittelt ein originalgetreues Modell eines Weltraummoduls einen Eindruck vom Leben auf der Internationalen Raumstation. Während Besucher im Inneren die Schwerelosigkeit zumindest erahnen können, zieht die echte ISS mit rund 28.000 Kilometern pro Stunde über den Himmel.
Wieder festen Boden unter den Füßen bietet das Loriot-Sofa vor Radio Bremen. Selbstverständlich sitzt dort auch ein bronzener Mops – ganz im Sinne Loriots, dessen wohl berühmtester Ausspruch lautet: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“
Doch Bremen kennt nicht nur heitere Geschichten. Im frühen 19. Jahrhundert erschütterte Gesche Gottfried die Stadt mit einer Serie von Giftmorden. Bis heute zählt sie zu den bekanntesten Serienmörderinnen Deutschlands und erinnert daran, dass auch die Geschichte Bremens ihre dunklen Kapitel besitzt.
Wer anschließend noch tiefer in die Vergangenheit eintauchen möchte, kann dies im wahrsten Sinne des Wortes tun. Unter der Stadt verlaufen historische Gewölbe, Tiefbunker und eine alte unterirdische Straße, die einst dem Warentransport diente. Heute ranken sich zahlreiche Geschichten um diese Gänge, von nächtlichen Fluchtwegen bis zu legendären Begegnungen im Untergrund.
Zum Schluss bleibt nur, es mit Bremens großem Bürgermeister Wilhelm Kaisen zu halten: „Bremen muss immer etwas mehr leisten als andere.“ Den Bremer Stadtmusikanten ist das zweifellos gelungen. Obwohl sie ihr Ziel im Märchen nie erreichen, sind sie längst zum bekanntesten Symbol der Hansestadt geworden, ganz ohne je ein Konzert gegeben zu haben.