Kenia

Sag nicht das Erste, was dir einfällt.
(Sprichwort der Massai aus Kenia)

Reisejahr 2013

Nairobi – Maji MotoMassai MaraNairobi-EastleighTansania – Nairobi

Visa on Arrival um 3 Uhr in der Frühe auf dem Flughafen von Nairobi? Fehlanzeige. Erst nachdem sich eine lange Warteschlange gebildet hat, kommt ein verschlafender Beamter herbeigeschlurft. Obwohl die Einreise länger gedauert hat als erwartet, stehen wir vor dem Flughafen und hoffen, dass der Fahrer, mit dem wir uns verabredet haben und der uns zu den Massai nach Maji Moto bringen soll, noch kommt. Natürlich sind sofort Vermittler zur Stelle, die uns für viel Geld weiterhelfen wollen.

Nach einer halben Stunde warten werden wir unruhig. Sollten wir uns diesmal mit den vorab im Internet getroffenen Verabredungen getäuscht haben? Es dauert, bis wir feststellen, dass wir viel zu früh gelandet sind. Ali, unser Fahrer, ist pünktlich.

Vier Stunden dauert die Fahrt nach Maji Moto. Bevor wir im Camp mitten im Busch ankommen, kreuzen bereits Gazellen, Zebras und Affen den Weg.

Maji Moto

Maji Moto (Heißes Wasser) ist eine Gemeinde der Maasai am Fuß der Loita Hills im Süden Kenias. Ein Ort, an dem kulturelle Werte und Traditionen der Maasai gepflegt und dem Gast nahe gebracht werden. Aber auch ein Ort, an dem mit Traditionen wie der Beschneidung von Mädchen, ihrer frühen Heirat und dem Mangel an Bildung gebrochen wird.

Traditionelle aus Holz und Lehm gebaute und mit Kuhmist verputzte Manyattas stehen in der Savanne. Durch ein kleines Fenster fällt Licht in das Innere der Hütten, unter den Vordächern stehen Bänke. Eine nahe gelegene Quelle, aus der heißes Wasser sprudelt, ist Namensgeber der Gemeinde und lädt am Abend zum Baden ein.

Wenn es dunkel ist, wird mit Holzstückchen, die auf einer Klinge aneinander gerieben werden, ein Lagerfeuer entzündet. Die Maasai tanzen und erzählen ihre Geschichten. So wie sie seit Jahrhunderten ihre Traditionen und ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben, vermitteln sie ihre Kultur den Gästen.

Ein Stück entfernt vom Camp steht die Enketing Lepa Schule: ein rosa Flachbau für vier Klassen. Auf dem weitläufigen Gelände befinden sich ein Internat für Mädchen und Jungen, Wohnungen für Lehrer und eine Schulküche. Fröhliche Kinder und ihre temperamentvolle Lehrerin Hellen zeigen uns die Schule.

Wächter vor der Schule
Schulkinder
im Klassenraum

Hellen, eine Maasai, ist die Gründerin von Enketing Lepa. Sie startete 2002 das Projekt, um Mädchen vor der Beschneidung, die offiziell in Kenia verboten ist, zu schützen. 2009 wurde die Schule mit Unterstützung von Sponsoren und der Gemeinde eröffnet.

Auf dem Schulgebäude ist bildlich das Motto „Gebt den Mädchen Bildung, statt sie gegen Rinder zu tauschen“ dargestellt. Massaimädchen werden für eine Hochzeit, gegen einen Brautpreis, der in Rindern gezahlt wird, an einen Mann getauscht.

Unterrichtet werden Jungen und Mädchen gemeinsam. Einige Schüler kommen aus der Umgebung, andere sind Mädchen, die durch den Schulbesuch vor einer frühen Heirat bewahrt werden. Für Kinder, die am Tage die Tiere hüten müssen, und Erwachsene werden Abendkurse angeboten.

Ein Raum der Schule ist mit Nähmaschinen ausgestattet. Junge Frauen nähen T-Shirts und Taschen. Von einem Teil des Erlöses wird Stoff gekauft, um daraus Schuluniformen und Hygieneartikel für Frauen anzufertigen.

Außerhalb der Schulzeit leben die Mädchen aus dem Internat im Witwendorf, das von Salaton Ole Ntutu, dem Initiator vom Maji Moto Camp, unterstützt wird.

Das Dorf liegt unweit des Camps: Ein kleiner, von Dornenhecken umgebener Kral, in dem mehrere Hütten um ein Tiergehege stehen. Gäste werden von den Witwen mit Gesang am Eingang des Dorfes begrüßt. Von dort gehen Frauen und Gäste in das Tiergehege. Gemeinsam singend und tanzend endet die Begrüßungszeremonie.

Einige Frauen laden zu einem Besuch ihrer Hütten ein. Diese sind fensterlos und wie ein Schneckenhaus aufgebaut: Im hinteren Teil schlafen die Kleintiere, im vorderen Teil gibt es eine Feuerstelle. Daneben steht ein Holzgestell (Bett), auf dem eine Rinderhaut liegt. Als Decke dient der Umhang, den die Maasai tragen.

In der einzigen Hütte mit Fenster wohnen die Kinder aus der Enketing Lepa Schule.

Wäsche waschen an den heißen Quellen
Wäsche waschen an den heißen Quellen
Witwendorf in der Massai Mara in Kenia
Witwendorf
Witwen vor ihrem Dorf
Witwen vor ihrem Dorf

In der Kultur der Maasai sind junge Frauen oft mit älteren Männern verheiratet, da der Brautpreis von jungen Kriegern nicht aufgebracht werden kann. Stirbt der Mann, haben sie kein Recht zu erben und zu besitzen. Die mittellosen Witwen, von denen die meisten keine Bildung haben, finden keine Arbeit, was zu weiterer Armut für die Familie führt.

Die im Witwendorf lebenden Frauen erwirtschaften ihr eigenes Einkommen. Sie stellen kleinere Holzarbeiten her, verarbeiten Perlen zu Ohrringen, Armbändern, Ketten und flechten Körbe. Ihre Kinder gehen zur Schule.

Wir erkunden weiter die Gegend und wandern in die Loita Hills. „Wollt ihr vor dem Abendessen duschen?“, werden wir nach der Rückkehr gefragt. Das Angebot nehmen wir sehr gerne an. „In zehn Minuten kommt ihr zum Waschhaus, dann haben wir Wasser aus den heißen Quellen geholt.“ Mit dem angenehm warmen Wasser lässt sich der Staub der Savanne sehr gut abspülen. Nach einem schmackhaften Abendessen setzen wir uns noch ans Lagerfeuer und hören den Erzählungen der Krieger zu.

In der Massai Mara

Nach einem frühmorgendlichen Kriegertraining im Speerwurf sind wir bereit für eine Tour in die Massai Mara, dem kenianischen Teil der Serengeti. Ali ist ein erfahrener Fahrer und kurvt zielsicher durch die Savanne, sodass kaum Fotowünsche offenbleiben.

Massai-Krieger in Kenia
Massai-Krieger
Speerwurftraining-Massai in Kenia
Training im Speerwurf
Hirte und seine Kühe in der Massai Mara
Hirte und seine Kühe

Rauchschwaden ziehen durch die Luft. Sie kommen von Flächen, die gezielt abgebrannt werden, damit beim nächsten Regen das Gras gut wächst. In unmittelbarere Nähe zum Feuer stehen Störche und warten auf die Heuschrecken, die aus der Glut hüpfen.

Gegen Mittag bekommen wir Hunger. Ali hatte am Morgen noch gefragt, ob wir ein Picknick brauchen, und wir hatten abgelehnt: „Ein Massai isst kein Mittag und wir auch nicht.“ Am Fluss Mara gibt es doch noch einen Imbiss. Während wir begleitet von einem Ranger den Fluss ein Stück entlang laufen, baut Ali Tisch und Hocker auf.

Dicht gedrängt liegen die Nilpferde im Fluss. Am anderen Flussufer faulenzt ein Krokodil in der Sonne. Der Ort scheint wunderschön für ein geruhsames Picknick. Kaum steht jedoch der Saft auf dem Tisch, ist ein Affe da und will ihn stibitzen. Ali verjagt ihn. Wir sitzen noch gar nicht, schon ist der Affe im Auto und vergreift sich an unseren Sachen. Wir haben die Fenster nicht komplett verschlossen. Zum Glück entdecken wir den Dieb rechtzeitig und können ihn vertreiben.

Gepard-in-der-Massai-Mara in Kenia
satte Geparden
Leopard-in-der-Massai-Mara
hungriger Leopard
Bueffel-in-der-Massai-Mara in Kenia
Büffel mit Jungtier

Auf einem Zeltplatz an der Massai Mara wollen wir übernachten. Ali lässt Ziegenfleisch besorgen und über unserem kleinen Lagerfeuer grillen. Die Beilagen zum Abendbrot wie Reis, Chips und Gemüse essen wir vorher im Dorfrestaurant.

Klein Mogadischu in Nairobi

Nach einem gelungenen Morning Game Drive geht es nach Nairobi. Das Hotel befindet sich im Stadtteil Eastleigh, einem Viertel, das mehrheitlich von Einwanderern aus Somalia bewohnt wird und daher den Namen „Klein Mogadischu“ trägt. Die Somalis sind Händler und haben Eastleigh zu einem quirligen Handelszentrum gemacht. In der 1st Avenue reiht sich Geschäft an Geschäft. Die Kunden kommen teilweise aus Zentralafrika angereist, um sich mit Importprodukten aus aller Welt einzudecken. Selbst Boutiquen aus der Innenstadt kaufen ihre Waren dort ein.

Unsere Unterkunft steht am Übergang vom Geschäftsviertel zum Slum von Eastleigh. „Steigt schnell aus“, drängt Ali. Kaum haben wir das Gepäck genommen, ist er auch schon verschwunden.

In den verbleibenden zwei Stunden bis zur Dämmerung spazieren wir durch das Viertel. Die Spielregeln sind klar – keine Fotos, nur ein Minimum an Geld in der Hosentasche und bei Dunkelheit zurück ins Hotel.

Zwischen Geschäftsviertel und Slum liegt ein gepflegter kleiner Park an einem Fluss, der, obwohl dort viele Abfallbehälter stehen, eine vermüllte Brühe ist. Das frische Grün des Rasens leuchtet surreal zwischen den verschlammten Wegen und Straßen. Statt der teuren Geschäfte gibt es einfache Läden; aus Designerwaren werden Second Hand Artikel; neben Weihrauch gibt es Khat.

Die dominierenden Farben des Viertels sind schwarz und grau. Die Hütten sind schief und stützen sich gegenseitig. Davor waschen Frauen Wäsche, wird Fisch oder Teig in Fett gebacken und verkauft. Die Blicke, die unsere kreuzen, sind misstrauisch oder erstaunt.

Nairobi-Eastleigh
Im Slum von Eastleigh
Nairobi-Eastleigh in Kenia
Im Slum von Eastleigh
Nairobi-Eastleigh
Die Hütten sind schief und stützen sich gegenseitig.

An der Hauptstraße stehen wenige kleine Restaurants. Drinnen sitzen ausschließlich Männer. Zum Glück wird die Straße gesäumt von Grillständen, an denen es Fleisch, Mais und mit Chilipulver bestreute Süßkartoffeln gibt. Bevor wir sie kaufen, sollen wir unbedingt probieren. Eine Unterhaltung beginnt. Das lockert die düstere Atmosphäre und die Mienen auf. Plötzlich schütteln Kinder unsere Hände, Erwachsene grüßen kurz.

Mit Beginn der Dämmerung wird das Viertel immer unsichtbarer. Offene Feuer leuchten in der Dunkelheit. Wir eilen schnellen Fusses ins Hotel zurück.

Am nächsten Morgen reisen wir weiter an den Viktoriasee in Tansania und kommen eine Woche später wieder zurück nach Kenia.

Zurück nach Nairobi

Nach Nairobi gibt es von Moshi in Tansania eine Expressbusverbindung, die offensichtlich auch als Gefangenentransport genutzt wird. Ein Mann in Handschellen, der von drei Polizisten bewacht wird, steigt ein. An der Grenze zu Kenia müssen alle aussteigen. Die Aus- und Einreiseformalitäten sind schnell erledigt, der Gefangene reist nicht mehr im Bus mit.

Eine Nacht verbringen wir noch in Nairobi und werden am frühen Morgen von zwei Hotelangestellten, die sehr um unsere Sicherheit besorgt sind, zum Flughafen gebracht.

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