Dschibuti

Bevor er dieses Land durchquert, macht selbst der Schakal sein Testament.
(Aus Dschibuti)

Winter 2014/2015

Äthiopien – Dschibuti (Dschibuti-Stadt und die Salzseen Lake Assal und Lake Abbe) – Äthiopien

Zur Grenze nach Dschibuti geht es wegen der schlechten Straße nur im Schritttempo vorwärts. Zeit um den Menschen, die im Niemandsland leben, bei ihrer Arbeit zuzusehen.

Der Empfang an der Grenzstation ist entspannt. Von den Horrorgeschichten über dschibutische Grenzer ist nichts zu bemerken. Die Einreise gestaltet sich trotzdem etwas schwierig. Der Beamte hat keinen Stift, um die Eintragungen in sein Buch vornehmen zu können und macht auch keinerlei Anstalten einen zu besorgen. Also hole ich aus meinem Gepäck einen Kugelschreiber, der selbstverständlich sofort in Staatseigentum übergeht.

In Dschibuti gibt es nur eine Straße, die nach Dschibuti-Stadt führt. Diese ist ab der Grenze in einem äußerst schlechten Zustand. Wir schleichen dahin. 80 Kilometer vor Dschibuti-Stadt halten wir im nirgendwo für einen Imbiss an einer Wellblechhütte. Praktischerweise muss man sich nicht für ein Gericht entscheiden: Es gibt nur eine große Portion Nudeln.

Die nächsten zehn Kilometer gibt es auch keine Piste mehr. Entgegenkommende Schwerlasttransporte vernebeln die letzte Sicht. Noch langsamer schleichen wir durch den Wüstensand. 70 Kilometer vor Dschibuti-Stadt haben wir wieder Asphalt unter den Reifen. Der Lkw Fahrer muss jedoch mit seiner Ladung direkt zum Hafen fahren und setzt uns 10 Kilometer vor der Stadt in einem Wohnviertel ab. Sofort sind wir von Tuk-Tuk Fahrern umringt. Nach zähen Verhandlungen über den Preis – der Einstieg liegt bei 40 Euro – werden wir in ein Hotel im Botschaftsviertel gefahren.

Dschibuti: Stadt am Horn von Afrika

Dschibuti ist das kleinste Land am Horn von Afrika, ein Staat mit Wüste im Hinterland. Die Stadt erlaufen wir uns: Kathedrale, Moschee, einige Gebäude im maurischen Stil.

Dschibuti-Stadt-Haus im maurischen Stil
Haus im maurischen Stil
Dschibuti-Hafen
Hafen
Wächterattrappe am Hafengelände
Wächterattrappe am Hafengelände

Am Markt winken wir uns ein Taxi heran. Sofort drängelt sich ein Mann zwischen uns und den Fahrer und redet auf ihn ein. Der verlangt daraufhin für die Fahrt zum Hafen 3500 Djibouti-Franc (20 USD). Wir drehen uns um, der Preis sinkt auf 5 USD, wir steigen ein. Aggressiv verlangt der „Vermittler“ des Taxis eine Servicegebühr. Als wir uns weigern, für nichts zu zahlen, setzt er sich auf den Beifahrersitz. Verärgert gibt ihm der Taxifahrer Geld und wirft ihn raus.

Djibouti liegt am Golf von Tadjoura, wo sich alljährlich in den Wintermonaten junge Walhaie versammeln. Mit einem kleinen Motorboot kreuzen wir durch den Golf auf der Suche nach dem größten Hai und zugleich größten Fisch der Gegenwart. Militär, das von hier aus zur Jagd auf somalische Piraten aufbricht, schippert vorbei.

Eine Haiflosse durchpflügt das planktontrübe Wasser. Wir springen ins Nass, der grau-blau gepunktete Rücken des Hais ist zum Greifen nah; dem Tempo des sechs Meter langen Tieres können wir jedoch nicht lange folgen. Ein wenig schnorcheln wir noch entlang eines kleinen Riffs, in dem sich viele bunte Fische tummeln und kehren in den Hafen zurück. Kaum ist das Boot am Pier befestigt, greifen flink zwei Typen unsere Sachen. Natürlich verlangen sie für diesen nicht gewollten „Service“ Geld. Offensichtlich ein lukratives Geschäftsmodell in Dschibuti.

Die Salzseen von Dschibuti

Am Abend treffen wir uns mit Daniel, einem Guide, der uns während einer zweitägigen Exkursion zu den Seen Lake Assal und Lake Abbé bringen soll. Da wir direkt nach der Tour zur Grenze nach Äthiopien wollen, werden wir wieder gewarnt, diesmal vor den äthiopischen Grenzern: „Die kauen nur Khat, ihr dürft nicht sagen, dass ihr Dollar habt.“ Ihr müsst sagen, dass ihr nur so viel Geld besitzt, um bis nach Addis zu kommen.“

Über Lavagestein holpert das Auto zum tiefsten Punkt Afrikas, dem Lake Assal (35 Prozent Salzgehalt), an dessen Ufer Afar das aus dem See gewonnene Salz verkaufen. Durch Schlamm, der sich im Sprühregen gebildet hat, rutschen wir zum See, dessen aus scharfkantigen Salzkristallen bestehender Grund blütenweiß leuchtet.

Lake-Assal-in-Dschibuti
Hütten der Arbeiter vom Lake Assal
Salzkristalle-am-Lake-Assal
Salzkristalle am Boden des Lake Assa
Salzverkauf am Ufer des Sees
Salzverkauf am Ufer des Sees

Auf der Weiterfahrt halten wir in der Stadt Dhikil vor einem Khat-Verkaufsstand. „Möchtest du probieren?“, werde ich gefragt. Klar. Schon halte ich ein Bund Blätter in der Hand. Der bittere Geschmack und das pelzige Gefühl im Mund verlangen jedoch nicht nach mehr.

Am Lake Abbé beziehen wir in einem Camp ein Zelt aus Bastmatten mit Blick auf die am Ufer stehenden bis zu 50 Meter hohen Kalksäulen, wandern zum Sonnenaufgang zu zwei Thermalquellen, beobachten Flamingos, die am Ufer des Sees leben und klettern über Felsen, die dem Film „Planet der Affen“ als Kulisse dienten.

Dschibuti-Lake-Abbe-Camp
Camp am Lake Abbe
Kalksaeulen-am-Lake-Abbee-in-Dschibuti
Kalksäulen am Lake Abbe
Flamingos-am-Lake-Abbe-in-Dschibuti
Flamingos am Lake Abbee
Filmkulisse für "Planet der Affen"
Filmkulisse für „Planet der Affen“
Filmkulisse für "Planet der Affen"
Filmkulisse für „Planet der Affen“
Filmkulisse für "Planet der Affen"
Filmkulisse für „Planet der Affen“

Der Salzsee liegt auf der Grenze von Äthiopien und Dschibuti. Nach der Überwindung kleinerer Hindernisse – Reifen platt, Auto wechseln – werden wir am Grenzübergang Gelille abgesetzt. Es ist früher Nachmittag und wir sind voller Optimismus, irgendein Fahrzeug in Richtung Dire Dawa in Äthiopien zu finden, das uns mitnimmt.

Vor dem Grenzgebäude lungern ein paar Leute herum. Einige Meter weiter stehen Hütten. Der Abfertigungsraum ist kahl, zwei Tische, ein Stuhl, zwei Computer. Der Grenzer sieht unfreundlich zu uns herüber. Ohne Fahrgelegenheit über die Grenze? Um diese Uhrzeit? „Heute läuft hier nichts mehr. Fahrt zurück ins Dorf, übernachtet dort und kommt morgen früh wieder.“

Wir bleiben. Daraufhin steht der Grenzer auf und geht mittagessen. Aha, wir stellen unsere Rucksäcke auf den Tisch. Zweimal werden wir noch von vorbei Kommenden gefragt, ob wir wirklich jetzt ausreisen möchten. Wir nicken beharrlich.

Der Typ scheint seine Mittagspause bis zum Feierabend auszudehnen. Da erscheint ein Kollege, lässt sich die Pässe geben und trägt die Daten im Schneckentempo in ein Buch ein – endlich geht es vorwärts. Der PC wird hochgefahren und die Passdaten ausgelesen. „Hinsetzen! In die Kamera sehen!“ Das Foto gelingt, die Software möchte es jedoch nicht verarbeiten. Vier „PC-Experten“ kümmern sich darum. Uns läuft die Zeit davon.

Endlich sind wir ordnungsgemäß ausgereist. Eine staubige Straße führt zur 300 Meter entfernten äthiopischen Seite der Grenze. Ein Bus hält. Für 200 Birr (8 Euro) können wir die Kurzstrecke mitfahren. Wir laufen nach Äthiopien.

Print Friendly, PDF & Email