Suedkorea

Begeht ein Alter eine Dummheit, so heißt es, er habe seinen Verstand verloren, tut ein Junger das gleiche, so heißt es, er habe noch keinen erworben. 
(Sprichwort aus Suedkorea)

Reisejahr 2024

Seoul – Jeonju – Seoul

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Seoul empfängt uns mit frostigem Wetter und einer undurchdringlichen Wolkendecke. Die Stadt wirkt entgegen unseren Erwartungen eher unmodern. Neben Wohnsilos stehen in die Jahre gekommene Gebäude. Kirchtürme in allen möglichen Formen lugen zwischen Häusern hervor.

Um den Jetlag besser zu überwinden, ziehen wir sogleich zu einem Bummel durch die Stadt los. Auf meinem Handy erscheint völlig unerwartet eine Sicherheitswarnung. Wir können sie nur damit erklären, dass gerade Demonstrationen, die von sehr viel Polizeipräsenz begleitet werden, stattfinden. Daneben singen Prediger auf christlichen Straßengottesdiensten Lieder wie „Kommt sagt es allen weiter“.

Hier und da entdecken wir ein paar Häuser mit klassischen Fassaden, die versteckt zwischen den Wohnblöcken stehen, spazieren die alte Königstraße entlang zu einem Stadttor und von dort auf den Myeongdong-Nachtmarkt.

Das Viertel Myeongdong gilt als die touristische Hochburg von Seoul. Unzählige Restaurants, Bars sowie Geschäfte, in denen koreanische Kosmetikartikel, Teespezialitäten, Kleidung und Souvenirs verkauft werden, sowie über 100 Imbissstände bilden den Nachtmarkt, welcher der am meisten frequentierte der Stadt ist. Wir schlemmen uns durch gegrillte Hähnchenspieße, Steaks, Meeresfrüchte, koreanisches Streetfood und Desserts.

Kaiserpalast, Blaues Haus und das Hanok-Dorf Bokhan

Suedkorea ist geprägt durch historische Sehenswürdigkeiten aus der Zeit der Joseon-Dynastie, deren Herrscherfamilien das Land vom 14. Jahrhundert bis zum Ende des Königreiches im Jahre 1910 regierten.

Der erste ihrer Regenten, König Taejo, wählte das heutige Seoul zur Hauptstadt des neuen Reiches und ließ den Gyeongbokgung-Palast errichten.

Gyeongbokgung bedeutet „Palast der strahlenden Glückseligkeit“. Sechs Tore und diverse Palastmauern teilen das 57 Fußballfelder große Areal in einen inneren und äußeren Bereich.

Ein Augenschmaus im tristen Wetter ist der im Stil der Wachablösung vor dem Buckingham-Palast in London gehaltene Aufmarsch der Wachen am Daehanmun-Tor, dem Haupteingang zum Palastgelände. Dort zelebrieren Uniformierte in originaler bunter Kleidung den Wachwechsel mit alten Instrumenten und lauten Paukenschlägen.

Vorbei an der Thronhalle, der Banketthalle und einem inmitten eines Lotusteiches stehenden Pavillon wandeln wir durch die herrschaftlichen Gärten zum hinteren Ausgang.

Wachablösung am Daehanmun-Tor, dem Haupteingang zum Palastgelände
Wachablösung am Daehanmun-Tor, dem Haupteingang zum Palastgelände
Das Blaue Haus, die offizielle Residenz des südkoreanischen Präsidenten.
Das Blaue Haus, die offizielle Residenz des südkoreanischen Präsidenten.

Direkt hinter der Palastanlage befindet sich am Fuße des Mount Bugaksan das Blaue Haus, die offizielle Residenz des südkoreanischen Präsidenten. Das Gebäude wurde im traditionellen koreanischen Baustil errichtet und mit blauen Dachziegeln gedeckt. Nach einem Präsidialerlass wurde die Anlage 2022 zum öffentlichen Park erklärt und zum ersten Mal seit seiner Erbauung für das Publikum geöffnet. Nach der Registrierung der Pässe können wir uns frei im Haus bewegen und besichtigen Empfangshalle, Konferenzräume sowie das Büro des Präsidenten.

Wir bummeln weiter auf den Spuren der Joseon-Dynastie zum traditionellen Hanok-Dorf Bokhan. Es befindet sich auf einem Hügel; enge Gassen ziehen sich entlang der restaurierten alten Häuser aus dem 14. Jahrhundert. Da es nur aus wenigen schmalen Sträßchen besteht, ist es auch voller Besucher.

Haus im Hanok-Dorf Bokhan in Suedkorea
Haus im Hanok-Dorf Bokhan
Tempel vor modernen Hochhäusern in Suedkorea
Tempel vor modernen Hochhäusern

Nachdem wir gestern koreanisches Streetfood probiert haben, gönnen wir uns heute ein koreanisches BBQ. Gegrillt wird auf einem Holzkohlengrill, der in die Mitte der Tischplatte eingelassen ist. Damit der Gast sich nicht die Finger verbrennt, kümmert sich das Personal um das Grillgut. Geschmacklich abgerundet wird das Essen mit Soßen und dem in Korea unvermeidlichen Kimchi (Gericht aus gesalzenem und fermentiertem Gemüse).

Jeonju: der Geburtsort von Bibimbap

Am nächsten Tag verlassen wir Seoul mit dem Schnellzug KTX und fahren nach Jeonju, die Stadt mit dem größten Hanok-Dorf Südkoreas.

In einigen der 700 traditionellen Häuser befinden sich neben Geschäften und Wohnungen auch Gästehäuser. Auch wir haben uns in einem solchen eingemietet. Das Zimmer ist schlicht, an der Wand stehen ein kleiner Kühlschrank und ein niedriges, schmales Tischchen. Hajun, der Gastgeber, zeigt auf einen Verschlag. „Dort sind das Bettzeug und die Matratze. Sie wird auf den blanken Fußboden gelegt. Wenn euch die Unterlage zu dünn ist, bringe ich eine weitere.“

Wir testen die Bettstatt und schon nach einer Minute ist klar, dass wir so hart nicht schlafen können. Noch bevor wir Hajun deswegen ansprechen, steht er vor der Tür und gibt uns eine weitere Matte.

Wegen des nasskalten Wetters streifen wir nur kurz durch das Dorf und suchen uns ein Lokal, in dem die Spezialität Bibimbap angeboten wird.

Jeonju gilt als der Geburtsort von Bibimbap, übersetzt „gemischter Reis“, ein Gericht, das mit warmem Reis, gewürztem Gemüse, Kimchi, Sojasoße oder fermentierter Sojabohnenpaste sowie einem rohen Ei oder Fleisch serviert wird. Als Getränk steht eine Karaffe mit Wasser, das beim Kochen von Kartoffeln entsteht und gut gegen Diabetes wirken soll, auf dem Tisch.

Ausflug zum Tapsa-Tempel im Maisan-Nationalpark

Regen macht auch den nächsten Tag nicht freundlicher. Trotzdem brechen wir zum Tapsa-Tempel im Maisan-Nationalpark auf. Der Tourstart beginnt etwas holprig. Aus dem ersten Taxi, in das wir einsteigen, um zum Busbahnhof zu gelangen, werden wir wieder hinausgebeten, da der Fahrer nicht versteht, wo wir hinwollen. Beim zweiten Anlauf klappt es. Am Busbahnhof gibt es die Tickets zum Glück am Automaten und wir sitzen fünf Minuten später bereits im Bus nach Jinan und steigen dort in ein Taxi um, das uns direkt zum Tapsa-Tempel bringt.

Der Tempel befindet sich in einem Tal unterhalb der Horse Ear Mountains und ist von Steinpagoden umgeben. 120 von ihnen schuf ein buddhistischer Einsiedler in 30 Jahren. 80 Pagoden sind bis heute erhalten geblieben.

Tapsa-Tempel und Steinpagoden in Suedkorea
Tapsa-Tempel und Steinpagoden
80 Pagoden sind bis heute erhalten geblieben in Suedkorea
80 Pagoden sind bis heute erhalten geblieben

Als wir den Rückweg zum anderthalb Kilometer entfernten Eingang antreten wollen, müssen wir vorerst wegen eines heftigen Regenschauers unter ein Vordach flüchten. Als uns ein Koreaner sieht, drückt er uns einen Regenschirm in die Hand. So ausgestattet, erreichen wir halbwegs trocken den Haupteingang.

Dort reihen sich Souvenirstände, Cafés und Restaurants, in denen Rippchen über offenem Feuer gegart werden, aneinander. Serviert werden sie mit Bibimbap. Wie kehren ein und erreichen anschließend an der Haltestelle eher zufällig einen der Zubringerbusse nach Jinan. Da wir keine Zeit mehr zum Ticketkauf haben, nimmt uns der Fahrer kostenlos mit.

Bummel durch das Hanok-Dorf von Jeonju

Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem Café bummeln wir durch Gassen, die teilweise gesäumt werden von Bäumen, die durch Garnbombing, bekannt auch unter dem Namen Guerilla-Stricken geschmückt sind.

Unser Weg führt uns hinauf zum Tempel Omokdae mit einer schönen Aussicht über die Dächer des Hanoks bis ins moderne Jeonju, wieder hinab zu einem 600-jährigen Ginkgo-Baum, der aus mehr Beton als Baumstamm besteht, zur alten konfuzianischen Schule und um den Bummel, wie von vielen Koreanern praktiziert, in traditioneller Kleidung (Hanbok) abzurunden in einen Kleiderverleih.

Die Straße betreten wir anschließend als Ninja und als Edeldame mit Reifrock, glitzerbesetzter Bluse und Schleife im Haar. Derart zünftig gekleidet, besichtigen wir den heiligen Gyeonggijeon-Schrein, gehen in die katholische Kathedrale und zum Pungnammun-Tor, dem südlichsten und als einzigem erhaltenen der vier ehemaligen Stadttore von Jeonju. Zwei Stunden können wir die Sachen mieten. Nach anderthalb Stunden ist die Sonne jedoch hinter den Wolken verschwunden und wir geben sie wegen der aufsteigenden Kälte vorzeitig wieder zurück.

In traditioneller Kleidung durch das Hanok-Dorf
Das Pungnammun-Tor war einst das südlichste der vier Stadttore von Jeonju in Suedkorea
Das Pungnammun-Tor war einst das südlichste der vier Stadttore von Jeonju
Zurück nach Seoul

Am nächsten Tag brechen wir auf nach Seoul. Nach drei weitestgehend schlaflosen Nächten auf dem harten Boden des Gästehauses in Jeonju erwartet uns in Seoul endlich ein bequemes Bett.

Dementsprechend beginnt der letzte Tag in Südkorea für uns erst am späten Vormittag. Bei Kaffee und Tee erfahren wir, dass heute der erste Feiertag für das Neujahrsfest (Seollal) ist. Das Fest richtet sich nach dem chinesischen Mondkalender und findet dieses Jahr am 10. Februar 2024 statt. Zwar wird in Südkorea auch der Jahreswechsel zum 1. Januar gefeiert, das Neujahrsfest hat für Koreaner jedoch eine größere Bedeutung als Silvester. Zu Seollal ziehen Koreaner ihre Tracht (Hanbok) an, verbringen viel Zeit mit ihren Familien, schlemmen beim Feiertagsessen und spielen traditionelle Spiele mit den Kindern.

Wir nutzen den Tag für einen Besuch des Korean War Memorial. Die Gedenkstätte befindet sich im ehemaligen Hauptquartier der Armee und befasst sich in erster Linie mit den Ereignissen des Koreakrieges. Sie umfasst Innenräume mit Gedenktafeln für die Gefallenen, Dokumenten und Fotos sowie eine weitläufige Außenanlage mit Symbolen zur Teilung Koreas und militärischem Gerät.

Die Besichtigung ist lohnenswert, auch in Anbetracht dessen, dass wir nach dem illegalen Grenzübertritt des desertierenden US-Soldaten Travis King im Juli 2023 auf den Besuch der Demarkationslinie in Panmunjom verzichten müssen. Ein Trost bleibt uns jedoch: Wir haben die Waffenstillstandslinie schon 2013 von der nordkoreanischen Seite aus erkundet.

Abreise aus Suedkorea

Obwohl die frostigen Temperaturen ihr Gutes haben, es fernab saisonaler Besucherströme in den kaiserlichen Palastanlagen und Tempeln beschaulich zugeht und auch in den angesagten Restaurants und Teehäusern immer ein Tisch frei ist, freuen wir uns darüber, das kalte Südkorea zu verlassen, um in das sommerliche Neuseeland zu reisen.

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