Liberia

Die Furcht vor der Gefahr ist schrecklicher als die Gefahr selbst.
Sprichwort der Malinke aus Liberia

April 2014

Guinea Liberia: Gbarnga – Monrovia – Sierra Leone

Bis zur unweit des Dorfes gelegenen Brücke über den Grenzfluss zwischen Guinea und Liberia passieren wir vier Kontrollstellen. Viermal wird in Abständen von 250–500 Metern abkassiert. Vom letzten Kontrollpunkt in Guinea laufen wir über die Brücke, an der gerade geschweißt wird, nach Liberia.

Grenze-zwischen-Guinea-und-Liberia
Grenze zwischen Guinea und Liberia
Willkommen im Schilderwald Liberias
Huette-in-Liberia
Über Land

Der Empfang in Liberia ist sehr höflich. Freundlich, aber bestimmt werden wir gebeten, in einer Art Warteraum Platz zu nehmen. Ein Polizist bietet mit Chilipulver bestreute Gurken an.

Die Pässe sind kontrolliert. „Willkommen in Liberia“ grüßt der Beamte. Wir springen auf. „Bleibt sitzen“, meint Boureima. „Noch können wir nicht einreisen.“ Das Warten geht weiter. Nach zwei Stunden, also sehr zügig, sind die Eintrittsgelder in den Büros verteilt.

Endlich können wir einsteigen. Nach zehn Metern Fahrt stoppt ein schlecht gelaunter Polizist das Auto. Sein Büro ist nicht bedacht worden. Er bekommt seinen Handschlag.

Der nächste Checkpoint ist hinter der Grenzstadt Ganta. Diesmal gibt es kein Geld für die Polizei.

Der Geruch nach frischem Asphalt weht durch das Auto. Bis Gbarnga fahren wir abwechselnd auf Asphalt und planierten Pisten.

Gbarnga

In Gbarnga wollen wir passend zum Ostersonntag in der katholischen Mission übernachten. Die am Vormittag gebuchten Zimmer sind jedoch bei unserer Ankunft am Mittag vergeben. „Solange man nicht da ist, glauben sie nicht, dass man kommt, und vermieten die Zimmer weiter“, meint Bourema. Wir mieten uns in einem Hotel am Stadtrand ein. Immerhin müssen wir dadurch nicht ganz so weit laufen, um zum Markt zu kommen.

Wegen des Feiertages haben nur wenige Händler ihre Marktstände geöffnet. Unter einem Baum sitzen junge Frauen und frisieren sich die Haare. Sie winken herüber und laden uns zu einem kleinen Plausch und einem Stück Papaya ein. Leise sagt ein Mädchen: „Bring mich nach Amerika.“

Gbarnga-in-Liberia
Gbarnga
Junge-Frauen-beim-Frisieren
Junge Frauen beim Frisieren
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Friseur in Gbarnga

Wir biegen in eine Seitenstraße ein. Nach wenigen Schritten versperren uns Jugendliche den Weg: „Hier ist kein Durchgang für euch. Zu gefährlich.“ Ein Vorbeikommen an den jungen Männern ist nicht möglich.

Ein wenig bummeln wir noch durch die Stadt, die – unübersehbar – im liberianischen Bürgerkrieg in den 1990er-Jahren schwer gelitten hat: Sie war das Hauptquartier vom ehemaligen Warlord und späteren Präsidenten Charles Taylor.

Auf dem Rückweg zum Hotel schlagen wir die falsche Richtung ein. Zum Glück habe ich das Hotel fotografiert und mithilfe des Fotos und der Einwohner finden wir zurück.

Fahrt nach Monrovia

Mit dunklen Wolken und leichtem Regen beginnt der nächste Tag. Hinter Gbarnga ist natürlich ein Checkpoint, diesmal muss gezahlt werden.

Die Straßenverhältnisse wechseln beständig: Ein Teilstück ist frisch asphaltiert, gefolgt von einem im Bau befindlichen Teilstück, dem wieder Asphalt folgt. Am Straßenrand grüßt ein großes Schild mit der Aufschrift Bangladesch-Square. Die Anwesenheit der UN-Truppen ist, seitdem wir die Grenze überschritten haben, unübersehbar.

Passkontrolle. Diesmal ziehen sich die Verhandlungen hin. Ich gehe derweil eine Tüte Wasser kaufen. Sofort steht ein Polizist in Zivil vor mir, zeigt seinen Ausweis und redet auf mich ein. Ich sehe ihn schulterzuckend an. Schon steht ein zweiter Uniformierter neben mir: „Wo kommst du jetzt her?“ Als ich nicht sofort antworte, zieht er verärgerten Blickes ab.

Ohne zu zahlen, reisen wir weiter zur Firestone-Kautschukplantage, einem viele Quadratkilometer großen, mit Gummibäumen bewachsenem Areal. Dazwischen stehen betriebseigene Schulen, Arbeitersiedlungen und Krankenstationen. Arbeiter sind in den Wäldern am heutigen Ostermontag nur vereinzelt zu sehen.

Am Golfplatz, der sich vor der Wohnanlage der Geschäftsleitung erstreckt, fotografiere ich. Die Uniformierten, die dort stehen, habe ich übersehen. Gestikulierend kommen sie auf mich zu: Fotografieren ist nur mit Genehmigung erlaubt. Amadou winkt, ich springe ins Auto und wir fahren los. Mit einem Moped folgen sie uns noch eine Weile.

Monrovia

Kurz darauf erreichen wir Monrovia, legen das Gepäck in einem Hotel in Congo Town ab und fahren in die City, vorbei an Läden, die hauptsächlich von Libanesen betrieben werden und einer endlos scheinenden Mauer mit vielen Wachtürmen, dem UN-Gelände.

Wir sind auf dem Weg zum Mamba Point, dem höchsten Hügel der Stadt. Umgeben ist er von einem sehr großzügigen Areal, das den Amerikanern gehört. Dort krönt Stacheldraht die Mauern der vornehmen Anwesen.

Auf einem Hügel befindet sich das Denkmal für Joseph Jenkins Roberts, dem ersten Präsidenten Liberias. Ein paar Schritte weiter steht die Ruine des Luxushotels Ducor Hotel. Die Ruine ist begehbar und von der Dachterrasse geht der Blick über die Stadt, die Atlantikküste und den Hafen von Monrovia.

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Gebäude der Freimaurerloge
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Relief am Denkmal für Joseph Jenkins Roberts
Monrovia-in-Liberia
Monrovia

Boureima hat noch etwas zu erledigen und so schlendern wir in der Zwischenzeit durch breitere und engere Gassen, die lückenlos von Geschäften gesäumt werden. Junge Männer erwarten, dass ich sie fotografiere, die Frauen reagieren beim Anblick der Kamera verärgert: „Ihr kommt nach Afrika, um zu fotografieren, und bekommt dafür Geld.“

Vom Markt ziehen wir weiter zum Centennial Pavilion und zur Insel Providence. Am Centennial Pavilion gibt es eine Diskussion mit dem Herrn der Schlüssel. In seinen Augen haben wir dort nichts zu suchen, wir sollen gehen, dann schließt er doch noch die Tür zur „Ruhmeshalle“ auf.

Die Insel Providence, der Ort an dem die ersten Siedler anlandeten, liegt im Mesurado River. Ein Feuerwerk von Trommelklängen lockt uns an die Spitze der Insel: Eine Theatergruppe übt traditionelle Tänze und lädt uns zum Zuschauen ein.

Um nicht in den morgendlichen Stau von Monrovia zu geraten, brechen wir am nächsten Tag früh auf. Wenige Kilometer vor der Grenze zu Sierra Leone durchfahren wir ein sehr großes Gelände: die chinesische Firestone-Variante. Statt Gummibäumen wachsen dort – nach Abholzung des Regenwaldes – Ölpalmen. Dazwischen stehen Arbeitersiedlungen und Schulen. Der Qualm von Brandrodungen reizt die Augen.

An der Grenze geben wir die Pässe ab und gehen frühstücken. Da wir vor den Pässen fertig sind, lungern wir noch ein wenig im Schatten herum.

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