Brasilien

Nur wer an die Zukunft glaubt, glaubt an die Gegenwart.
Aus Brasilien

Sommer 2012

Brasilia – Manaus – Santarem – Belem – Olinda – Salvador de Bahia – Lencois (Chiapada Diamantina) – Belo Horizonte – Rio de Janeiro

Erdfarben liegt die „ideale“, auf dem Reißbrett entworfene Hauptstadt Brasilia zu unseren Füßen. Von der auf 72 Meter Höhe gelegenen Plattform des Fernsehturmes schweift der Blick über grauen Beton, rote Erde, braunen Rasen und leere Raumkilometer. Außerhalb der Hauptachse stehen Wohnblöcke, Hotels und Einkaufszentren.

Brasilia: Die Stadt vom Reißbrett

Lucio Costa und Oscar Niemeyer haben in vier Jahren Bauzeit eine Stadtlandschaft mit Flugzeugstruktur geschaffen. In der Mitte der Zentralachse liegt der alte Busbahnhof. Dahinter steht ein Meisterwerk Oscar Niemeyers, die Kathedrale – kreisrund, schlicht und dennoch beeindruckend – das Nationalmuseum mit seiner weißen Kuppel sowie die Plattenbauten der Ministerien mit grünlichen Glasfensterfassaden. Nur für Justiz- und Außenministerium haben sich die Erbauer eine besondere Ansicht einfallen lassen. Künstliche Wasserfälle fließen an der Fassade des Justizministeriums herab; aus dem Wasser auftauchende zierliche Bogenkolonnen gestalten die Fassade des Außenministeriums.

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Stadtansicht; Regierungsgebäude; Nationalmuseum; Kathedrale

Hinter den Ministerien stehen die Zwillingstürme des Nationalkongresses, die von zwei Gebäuden flankiert werden – dem Abgeordnetenhaus mit einer Kuppel auf dem Dach und dem Senatsgebäude mit einer Schale als Gebäudeabschluss.

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Die Achse endet am „Platz der drei Gewalten“: Präsidentenpalast, oberstes Bundesgericht und Kongress stehen hier. Ebenfalls am Platz befindet sich das Pantheon des Vaterlandes, darüber weht an einem 100 Meter hohen Fahnenmast die 290 m² große Nationalfahne im Wind.

Senat und Kongress sind für Besucher zugänglich. Zahlreiche Kunstwerke und Sitzmöbel von Le Corbusier gibt es in den Gebäuden zu besichtigen; in den Plenarsälen testen wir die Sitzmöbel der Abgeordneten.

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Pantheon; Nationalkongress; Sitzungssäle

Nach einem langen Tag im fast menschenleeren Brasilia – die Stadt wurde für Regierungsangestellte gebaut, die jedoch anstatt dort zu wohnen lieber spätestens am Donnerstagabend in ihre Heimatorte fliehen – wollen wir am See den Sonnenuntergang genießen.

Der See liegt zwar in Sichtweite, da es jedoch keinen öffentlichen Nahverkehr gibt, laufen wir. Aber auch die Spezies Fußgänger scheinen die Architekten der Stadt vergessen zu haben. Wie Hasen rennen wir im Zickzack über die Straßen. Es gibt keine Unterführungen und keine Zebrastreifen, nur viele schnell fahrende Autos.

Manaus: die Metropole im tiefen Dschungel

Vor dem Flughafengelände in Manaus warten Tourenverkäufer auf potenzielle Kundschaft. Wir versuchen, ihnen auszuweichen, einer heftet sich jedoch an unsere Fersen. Immerhin hilft er bei der Suche nach einem Bus, der in Richtung Stadt fährt.

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Manaus vom Wasser aus gesehen; Uhrenturm; Opernhaus

Manaus ist eine quirlige Stadt. Dass sie mitten im größten Urwald der Erde liegt, braucht schon einiges an Vorstellungskraft.

Am Hafen wollen wir Tickets für die Fahrt nach Belem kaufen. Tickets gibt es, aber die Schiffe haben andere Abfahrtzeiten, als unsere Recherchen im Internet ergeben haben. „Ein Schiff nach Belem legt erst in vier Tagen ab. In zwei Tagen fährt aber eines nach Santarém. Dort könnt ihr dann sofort auf ein Schiff nach Belem umsteigen“, erfahren wir von einem Ticketverkäufer. Er mustert uns: „Kauft Tickets für eine abschließbare Kabine. Aus Sicherheitsgründen.“ Unsere Furcht hält sich jedoch sehr in Grenzen und wir kaufen Hängemattenplätze.

Alte Kolonialhäuser und Gassen gibt es kaum noch in Manaus. Dafür umso mehr Geschäftsbauten. Aus der Kathedrale klingen die Töne von „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ mitten im Juli.

Ausflug in das Delta

Mit einem Touristenboot unternehmen wir einen Ausflug in die Umgebung der Stadt. Die teuerste Brücke Brasiliens, die Ponte Rio Negro, verbindet die Flussufer. Unter ihr fließen das blaue Wasser des Rio Negro und das braune Wasser des Rio Solimoes – die beiden Hauptflüsse, die den Amazonas bilden, – nebeneinander hindurch. Die Flüsse haben unterschiedliche Temperaturen und selbst einige Fischarten machen an der Wassergrenze Halt und kehren wieder um. Erst nach zehn Kilometern haben sich die beiden Ströme zum Amazonas vereinigt.

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Rio Negro und Rio Solimoes fließen nebeneinander; Ponte Rio Negro; im Delta

Das Boot fährt in das Delta hinein. Wer möchte, kann ein Bad im wohltemperierten Wasser nehmen. „Hier leben Flussdelfine. Wer ins Wasser geht, muss einen Schwimmgürtel tragen“, wird allen Badewilligen nahegelegt.

Ein junger Mann mit ein paar Fischen in der Hand steht im Wasser und versucht Flussdelfine anzulocken. Das Wasser bleibt ruhig. Plötzlich spüre ich die warme, glatte Haut eines Delfins an meinen Beinen. Er schnappt sich den Fisch und verpasst mir bei einer Kehrtwendung mit seiner Flosse einen harten Schlag in die Rippen.

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Delfine anlocken; im Delta

Tief im Delta werden wir von einem Gewitter überrascht. Der heftige Regen zwingt den Bootsführer, anzuhalten. Als alle klitschnass sind, hört es auf zu regnen. Jugendliche aus den umliegenden Dörfern docken mit schmalen Holzbooten an unser Boot an. Neben Süßigkeiten haben sie auch ein Baby-Krokodil im Angebot.

Sonntags in Manaus

Es ist Sonntag. An diesem Tag geht es in Manaus gemächlich zu. Bequem würden wir es uns auch gerne in unserem Zimmer machen, halten es aber dort nicht aus: Die Raumtemperatur liegt irgendwo zwischen 30 und 40 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und die Klimaanlage funktioniert erst ab 21 Uhr. Als Alternative bietet sich ein Spaziergang zum Opernplatz an.

Das Opernhaus, ein prächtiges Gebäude mit imposanter Fassade, entstand, als der Kautschukboom die Region reich machte. 15 Jahre dauerte es von der Grundsteinlegung bis zur Eröffnung.

Das bisher wegen der Sommerpause geschlossene Opernhaus hat geöffnet. Familien mit Kleinkindern, Jugendliche und Alte strömen ins Haus. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Wir nutzen die Gelegenheit ebenfalls, setzen uns auf Plätze im ersten Rang und sehen den Proben zu einer modernen Inszenierung bis zum Ende zu.

Auf dem Opernplatz spielt mittlerweile eine Band. An den Ecken des Platzes stehen Leinwände, bespielt mit einem Film aus den 50er-Jahren und einem Musikfilm. Wir verweilen noch eine Zeit lang in der entspannten, fröhlichen Atmosphäre.

Auf einem Verkehrsboot verlassen wir Manaus am folgenden Tag.

Santarem: Karibikflair im Amazonas

Die Strömung meint es gut mit uns und wir erreichen Santarém schneller als gedacht. Am Hafen erfahren wir, dass das nächste Schiff nach Belem erst in zwei Tagen abfährt. Ich bin froh darüber, da ich durch das verdorbene Trinkwasser an Bord gesundheitliche Probleme habe. „Die Bootsbesitzer befüllen die Trinkwasserkanister mit Leitungswasser. Davon darf man nichts trinken“, erfahren wir von einem Mitreisenden.

Unterkünfte gibt es ausreichend in Santarém. Mithilfe unserer Hängemattennachbarn vom Schiff finden wir ein Zimmer mit Warmwasserdusche.

Santarém liegt an der Mündung des Rio Tapajós, der sich hier mit seinem grünlichen Wasser in das braune Wasser des Amazonas ergießt. Kilometerlange Sandstrände liegen etwas außerhalb der Stadt. Für meinen kaputten Magen sind sie zu weit entfernt.

So bleibt uns nur ein Bummel über die Uferpromenade, ein Besuch der Kathedrale und des alten Rathauses mit inliegendem Gefängnis.

Auch für einen Weiterfahrt mit einem Boot auf dem Amazonas bin ich nicht fit genug. Wir beschliessen mit dem Flieger nach Belem zu reisen. Tickets gibt es nur noch für einen Nachtflug. Innerlich seufzend buchen wir sie.

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altes Rathaus; Stadtansicht; Uferpromenade
Belem: das Tor zum Amazonas

Um 1 Uhr in der Nacht holt uns das Flughafentaxi ab. Früh am Morgen landen wir in Belém. Die Stadt ist 500 Jahre alt. Ihr ehemaliger Reichtum ist noch an Kirchen und trotz der verrottenden Fassaden an den Häusern im Kolonialstil zu erkennen.

Die Altstadt gruppiert sich um Fort, Konvent und der strahlend weißen Kathedrale da Sé. Zierliche Balkongitter und geflieste Fassaden aus handbemalten Kacheln verzieren die Häuser der Altstadt.

Das schönste Schauspiel von Belém findet auf dem 1625 gegründeten Markt „Ver-o-Peso“ („Achte auf das Gewicht“) statt. Unzählige Marktstände bilden ein Labyrinth, in dem es Fleisch, Fisch, tropische Früchte, Gewürze, Schlangenhäute, Amulette und vieles mehr gibt. Frauen kochen unter freiem Himmel und auch wir bekommen Appetit und probieren von den Köstlichkeiten.

Am Hafen soll es laut Reiseführer viele Touranbieter für Tagesausflüge ins Delta geben. Die Büros haben jedoch alle geschlossen. Erst an der letzten angegebenen Adresse finden wir tatsächlich ein geöffnetes Büro. Die verlangten Preise sind jedoch völlig überzogen und wir bleiben in der Stadt.

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Zur Erfrischung holen wir uns Eis aus den Amazonas Früchten Açaí und Umbu. Ein Brasilianer spricht uns an: „Wollt ihr den Abend mit mir und Freunden verbringen?“

Die halbe Stadt ist ab Sonnenuntergang bis weit nach Mitternacht auf den Beinen. Den Abend verbringen wir in einer Eckbar, in der bei viel Bier jeder mit jedem über Gott und die Welt diskutiert.

Zum Glück können wir bis mittags ausschlafen. Der Flieger nach Recife hebt zwar erst um 16 Uhr ab, wir machen uns jedoch schon um 12 Uhr auf den Weg zur Bushaltestelle. Busse müssen per Handzeichen angehalten werden. Da sie aber zu sechst und in Zweierreihen an die Haltestelle heranfahren, kann das ein langwieriges Unterfangen werden.

Ein Regenschauer. Wir flüchten unter ein Vordach. In diesem Moment fährt der Bus zum Flughafen vorbei. Weiter warten. Der nächste Bus zum Flughafen naht in der zweiten Reihe, wir winken, der Bus rollt weiter. Im letzten Moment sehen wir, dass der Busfahrer doch noch in der ersten Reihe hält. Dank schneller Beine und eingesetzter Ellenbogen schaffen wir es, einzusteigen.

Olinda: Stadt der Klöster

In Recife werden wir schon erwartet und nach Olinda in eine hübsche Posada gefahren. Olinda, gegründet 1535 in einer hügeligen Tropenlandschaft, liegt nur unweit der Millionenstadt Recife. Von der höchsten Stelle, dem Alto da Sé sind die historische Altstadt, die Bucht und Recife sehr schön zu überblicken.  

Aus einem dichten Blätterwald lugen Bauten aus der Kolonialzeit hervor. In den steilen kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt stehen viele Kirchen und Kapellen, Museen und Kunstgalerien. Die bunten Häuser haben maurische Balkone; Erdnüsse, Kokosstückchen und Maracujasaft gibt es überall an kleinen Ständen. Die Luft ist angenehm klar, das Wandern über die grünen Hügel der Stadt angenehm, trotz der Temperaturen.

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Von Olinda soll es eine regelmäßige Verbindung mit dem Nachtbus nach Salvador de Bahia geben. Wir gehen den Tag entsprechend gemütlich an und widmen uns dem Kauf von Briefmarken bei der Post, einem sehr zeitaufwendigen Unterfangen.

Erst dann machen wir uns auf den Weg zum Ticketkauf. Dort, wo es hätte Tickets geben müssen, ist eine Werkstatt. Der Automechaniker kennt sich zum Glück mit den Busverbindungen aus: „Die Busse fahren nur vom Busbahnhof in Recife ab.“

Der Busbahnhof liegt 1,5 Stunden von Olinda entfernt. Wir haben zwar noch genug Zeit, müssen aber viel eher aufbrechen als gedacht.

Nach einer langen Fahrt mit Bus und Metro durch Recife mit seinen schmutzigen Fassaden und den verarmten Vororten erreichen wir den Busbahnhof, der von Wald umgeben, in einer in der Dämmerung unheimlich wirkenden Gegend liegt.

Salvador de Bahia: Villen und Adelspaläste im Kolonialstil
 

Zur Frühstückszeit treffen wir im Hostel in Pelourinho, dem historischen Zentrum von Salvador de Bahia, ein. In farbenfrohen Pastelltönen leuchten Häuser und Kirchen in den Gassen. Einige Straßen sind nur für Anwohner zugänglich: „Zu gefährlich für Touristen“, erklären die Wache habenden Polizisten.

Kreuz und quer bummeln wir durch die bunte Altstadt, besichtigen Kirchen, die Kathedrale und probieren uns mit Acarajé, Suppe, Carurú durch die afrikanisch beeinflusste Küche.

Am Abend wird auf dem Praça da Sé eine Bühne aufgebaut, Musikgruppen spielen Samba Reggae, am Rand des Platzes tanzen Jugendliche Capoeira, mobile Essensstände säumen das Areal.

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Nach der stimmungsvollen Nacht fahren wir zum Entspannen an den Strand Praia do Flamengo, eine Stunde Busfahrt von Pelourinho entfernt. Kühlender Wind, weißer Strand, türkisfarbenes, angenehm temperiertes Atlantik-Wasser und Kokospalmen empfangen uns.

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Dem Ruhetag folgt ein Wandertag. Von Pelourinho aus laufen wir durch die Wohngebiete der oberen Mittelschicht. Vorbei an alten Villen und modernen Apartmenthäusern zum Farol da Barra, dem ältesten Leuchtturm Südamerikas und weiter die Avenida Oceânica entlang zum Morro do Cristo, der kleinen Variante der Christus-Statue von Rio de Janeiro.

Chapada Diamantina: Tafelberge und Wasserfälle

Sieben Stunden Busfahrt bis Lençois (Chapada Diamantina) liegen vor uns. Anfangs ähnelt die Landschaft Orten, wie sie in Afrika zu finden sind, später prägen Zuckerrohrplantagen das Bild. Die Straße ist gut befahrbar, erst auf den den letzten Kilometern bis Lençois rumpelt es wegen der vielen Schlaglöcher im Bus.

Den Namen Lençois (portugiesisch Laken) hat der Ort Gold- und Diamantensuchern zu verdanken, die in behelfsmäßigen Zelten lebten. Von den umliegenden Bergen sahen sie wie zum Trocknen ausgebreitete Leinentücher aus. Heute hat das Städtchen schmale kopfsteingepflasterte Gassen, die teilweise 150 Jahre alten Häuser haben bunte Fassaden, Agenturen bieten Touren in den Naturpark Chapada Diamantina an.

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Wir buchen Touren zum Fumaça Wasserfall und zu drei der zahlreichen Höhlen und Grotten der Chapada Diamantina.

Steil geht es bergauf zum Wasserfall. Die Felsen sind glatt geschliffen vom Wasser und bieten wenig Halt. Auf 1300 Meter Höhe angekommen, führt der Weg geradeaus bis zur Oberkante des Fumaça Wasserfalls.

Wasser sprüht uns ins Gesicht. Wer den zweithöchsten Wasserfall Brasiliens sehen möchte, legt sich flach auf einen leicht abwärts neigenden Felsvorsprung und zieht sich langsam nach vorne. Zu sehen ist ein Rinnsal. Der Wasserfall hat keine Quelle, und nur wenn es regnet, rauscht das Wasser 340 Meter in die Tiefe.

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In den kleinen Dörfern im Tal haben sich brasilianische und europäische Aussteiger niedergelassen. Pfade winden sich an Wasserfällen und Wasserbecken vorbei. Zur Abkühlung nehmen wir ein Bad im kalten, eisenhaltigen, braunen Wasser.

Zahlreiche Höhlen und Grotten durchziehen die Chapada Diamantina. In dunklen Höhlen umrunden wir riesige Stalaktiten und Stalagmiten, rutschen dabei beinahe in azurblaues, kaum sichtbares kristallklares Wasser und gehen in einer weiteren Höhle dann tatsächlich baden – freiwillig.

Mit Schwimmweste, Schnorchel, wasserdichter Taschenlampe und Guide schwimmen wir durch ein System von Gängen in eine Grotte hinein. Still und ein wenig unheimlich ist es. „Macht das Licht der Taschenlampen aus.“ Beklemmend wirken Dunkelheit und Stille auf uns, die Kälte des Wassers ist noch stärker zu spüren.

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Kalt und nass ist es auch am Berg Pai Inácio. Im Nieselregen wandern wir zum Gipfel des Tafelberges. Auf dem Plateau, das an eine Mondlandschaft mit tropischem Pflanzenwuchs erinnert, scheint jedoch wohltuend die Sonne.

Unterwegs nach Rio de Janeiro

Der Nachtbus von Lencois nach Salvador de Bahia hat Anschluss an den Flieger nach Belo Horizonte. Wir bleiben nur für eine Nacht in der Stadt, die sich bereits für die Fußballweltmeisterschaft 2014 rüstet.

Die Straße von Belo Horizonte nach Rio de Janeiro schlängelt sich in Serpentinen bergauf und bergab durch Bergarbeiterdörfer und aktive Minen, das Grün am Straßenrand ist erdfarben vom Staub, die Bremsen des Busses klingen wir Kreissägen.

Rio de Janeiro: Stadt der ikonischen Wahrzeichen

Das Viertel am Busbahnhof von Rio de Janeiro wirkt nicht sehr einladend. Häuser stehen leer und fensterlos da, hinter dem Busbahnhof brennen kleine Feuer, an dem sich Obdachlose wärmen. Wir sehen zu, so schnell wie möglich den Bus nach Leme zu finden.

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Leme liegt am Strand von Leme, dem Ende der Copacabana. Unser Quartier, ein von Oscar Niemeyer erbautes Haus, befindet sich in der Favela Babilonia, 500 Meter die Hügel hinauf mit Blick auf den Strand von Leme und die Copacabana.

An der Straße hinauf zur Favela stehen Motorradtaxis und Polizei. Wir überlegen, ob wir mit den Rucksäcken mit einem Moto-Taxi mitfahren können. Bevor wir zu einem Entschluss kommen, haben wir einen Helm auf dem Kopf und sind oben angekommen.

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Stadtbummel

Der breite Strand von Leme ist fast menschenleer. Ein paar fliegende Händler bauen ihre Sonnenschirme auf. Das nutzen wir für einen Spaziergang zum anderen Ende der Copacabana.

Ein Bus auf dem Central steht, hält in unserer Nähe. Wir steigen auf gut Glück ein und zentral in der Innenstadt wieder aus.

Die nächsten Stunden erobern wir Rio zu Fuß, besuchen die achtgrößte Nationalbibliothek der Welt, sehen im Theater Municipal, das der Pariser Oper nachempfunden ist, kurz einer Probenvorstellung zu und besichtigen den Betonklotz Catedral Metropolitan mit außenstehendem Glockenturm, jedoch beeindruckendem Inneren.

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Im „Kabinett für portugiesische Literatur“ endet der Tag. Die königliche Bibliothek aus dem Jahr 1887 ist ein Geschenk Portugals an Brasilien. 350.000 alte Ausgaben portugiesischer Literatur stehen über zwei Galerien verteilt in meterhohen Regalen.

Die Sonne scheint, die Sicht ist klar, vom Corcovado grüßt einladend Christus. Vor der Ankunft auf dem Berg, stehen wir 75 Minuten an der Zahnradbahn, bis wir einen Platz im Zug haben.

Die 30 Meter hohe Christus-Statue ist ein Nationalheiligtum. Um den Rundumblick auf die Stadt genießen zu können, bedarf es einiger Geduld. Auf Schritt und Tritt wird posiert, gedrängelt und geschubst.

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Der Zuckerhut liegt, dank Militärpräsenz im sichersten Viertel von Rio. Eine Schwebebahn bringt uns in zwei Etappen auf den 396 Meter hohen Berg. Auf der Aussichtsplattform sind nur wenige Besucher; jetzt können wir den Blick über die Stadt auch genießen.

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Abreise mit Hindernissen

Der Abflugtag ist da. Wir haben genügend Zeit, um mit dem Bus zum Flughafen zu fahren. Zu unserer Überraschung sind wir bereits eine halbe Stunde später dort. In aller Ruhe suchen wir auf der Anzeigetafel nach unserem Flug. Verunsicherung. Auf den Anzeigetafeln stehen nur Inlandsflüge. Wir sind am falschen Flughafen. Nun wird die Zeit knapp. Es ist Freitagabend, Stau auf den Straßen und das Reißverschlussprinzip unbekannt.

Am Flughafen für internationale Flüge gibt es mehrere Haltestellen. Beim ersten Halt springen wir aus dem Bus. In großer Eile studieren wir die Anzeigetafeln. Falsches Terminal. Sehr zügig laufen wir zur angezeigten Abfertigungshalle. Der Check-in verläuft zügig, sodass wir mit brasilianischer Gelassenheit auf den Abflug warten.

 

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