Marrakesch

Taxifahrer rufen, Tourvermittler wedeln mit ihren Angeboten, von allen Seiten werden mir preiswerte Zimmer angeboten. Willkommen in der Stadt der Geschichtenerzähler.

Der Taxifahrer nennt einen unverschämten Preis. Kopfschütteln meinerseits. Der Preis sinkt, ich steige ein, der Fahrer telefoniert.

Am Eingang zur Medina steige ich aus. Der Übergang zum nächsten Helfer ist nahtlos. Ich zücke meinen Stadtplan und zeige ihm, dass ich den Weg alleine finden werde. Er folgt mir bis zum Riad, klopft an die Tür und hält die Hand auf. Genervt gebe ich ihm 10 Dirham. Zu wenig. Noch ein Zehner. Er geht.

„No Guide.“ In den Gassen wimmelt es von Helfern für den Touristen. Beim Blick auf den Stadtplan, um die Ecke, auf ein Gebäude – sie sind sofort da und betonen, dass sie 2013-01-11 - 15keine Guides sind, nur Freunde, die einem Fremden gerne die Medina zeigen. Und immer wieder stehe ich gerade vor DEM Haus mit Terrasse, von der man den schönsten Blick über Marrakesch hat.

Entnervt flüchte ich in die Souks. Vor den vielen kleinen Läden mit ihren handwerklichen Produkten, den Gewürzläden mit den fremden Gerüchen und den Läden mit Stoffen und traditionellen Kleidern, sitzen die Händler. Erst wenn der Blick einen Lidschlag zu lange auf den Waren ruht, werden sie aktiv.

Djemaa el-Fna, der Platz der Gehenkten, ist der Mittelpunkt von Marrakesch und mein nächstes Ziel. In der Mitte des Platzes leuchtet es bunt. An mobilen Ständen wird frisch gepresster Saft aus Zitrusfrüchten angeboten. Ausgepreist ist bei den meisten jedoch nur der Orangensaft. Ich entscheide mich für einen Mix aus Orangen und Grapefruit. Zu spät bemerke ich, dass dieser Mix keinen ausgewiesenen Preis hat. Selten habe ich so einen teuren Saft getrunken.

2013-01-11 - 9Auf dem Platz ist nicht viel los. Äffchen turnen auf Holzkisten, Meerschweinchen rennen im Kreis, Kobras liegen in geflochtenen Körben. Das Minarett der Kutubiya Moschee, dem Wahrzeichen der Stadt, ist zu sehen.2013-01-12 - 15

Um den „No-Guides“ zu entkommen, laufe ich zu den Saadir Gräbern. An einer Straße biege ich falsch ab. Der kürzeste Weg ist nun der Weg durch das Haus eines Teppichhändlers. In meinem Innern stöhne ich auf. Der zuvorkommende Teppichhändler führt mich jedoch nur durch sein Haus, direkt zu den Gräbern.

Der Hunger zieht mich zurück in die Medina. Es ist 14 Uhr und die Garküchen haben noch geschlossen. Ein etwas abseits liegender Imbiss hat geöffnet.

2013-01-12 - 24Satt und leicht schläfrig lasse ich mich von einem Berber in seinen Laden mit Gewürzen und Kosmetik locken. Ein Blick genügt ihm und schon weiß er, wo bei mir der Schuh drückt. Ich bekomme eine Massage mit Arganöl, schnuppere an Gewürzen, nehme Proben von Naturprodukten und stehe eine halbe Stunde später, um einige Verspannungen und Dirham ärmer, wieder im Souk.

In einer Nische sitzt eine junge Frau. Vor ihr, auf einem kleinen Tischchen, stehen Schüssel, Topf und Kanne. Mein Blick geht zur Kanne – Kaffee? Sie lächelt und schiebt mir einen Plastehocker zu. Der Kaffee ist perfekt gewürzt. Schon steht ihr Bruder da und preist die Kichererbsen-Bohnen-Suppe, die im Topf blubbert, an. Gut, ein wenig Suppe geht noch. Vorsichtig schlägt die junge Frau das Tuch, das über der Schüssel liegt, zurück. Neugierig sehe ich hinein und halte auch schon ein gekochtes Ei in der Hand.

Inzwischen sind die Gassen der Medina voller Menschen und Mopeds. Um sich Platz zu verschaffen, geben die Mopedfahrer Gas. Smog wabert durch die Gassen. Ich biege ab in einen Souk. Dort gibt es ein Mopedfahrverbot.

1001 Nacht? – denke ich.

Über dem Platz der Gehenkten liegt der Dunst von Garküchen, es riecht nach frisch Gebratenem. Wenn es dunkel wird, beginnt das bunte Treiben auf dem Platz. Schlangenbeschwörer und Wahrsager, Märchenerzähler, Gaukler sowie Musiker und Künstler zeigen ihr Können.

Ich stehe im Kreis zwischen Männern, Frauen und Kindern, die einem Märchenerzähler lauschen. Gemeinsam mit ihnen erlebe ich seine Erzählung, und obwohl ich die Sprache nicht verstehe, nimmt er mich mit in die Welt von 1001 Nacht.

 

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