Marokko

Marokko ist ein Land, das sein Wesen nur jenen offenbart, die sich die Zeit nehmen, Wasser zu schöpfen und eine Kanne Tee aufzugießen.
Aus Marokko

Spanien – Marokko

Jahreswechsel 2012 / 2013

Tanger – Chefchouan – Fes – Meknes – Rabat – Essaouira – Marrakesch – Aid-Ben-Haddou – Sahara – Zagora – Tafraoute – Agadir

DSCF4319Eine Zusammenfassung:

Am Neujahrsmorgen verlassen wir Spanien um 9 Uhr mit der Fähre nach Tanger. Um 9 Uhr erreichen wir Tanger – reisen ohne Zeitverlust. Ein Riad, in der Medina (Altstadt) gelegen, ist unser Quartier. Sie liegt in Hafennähe und soll fußläufig erreichbar sein.

Wir fragen nach dem Weg. „Nehmt ein Taxi, der Weg ist viel zu lang“, ist die einzige Antwort, die wir erhalten. Hartnäckig lehnen wir das Angebot ab und werden daraufhin in die falsche Richtung geschickt. Wir geben auf. Ein Taxi bringt uns in das, drei Autominuten entfernte, Riad.

Durch eine wunderschöne alte Tür betreten wir ein Palastartiges Gebäude. Das Haus ist liebevoll im alten Stil rekonstruiert. Im überdachten Innenhof spendet ein kleiner Springbrunnen Kühle. Das mit Fliesen dekorierte Zimmer ist geräumig, von der Dachterrasse bietet sich ein wundervoller Blick über den Hafen.

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Den Tag verbringen wir in der Medina und der Kasbah. Die Händler sind viel zurückhaltender als erwartet. Es gibt eine Einladung mal zu schauen, ein Nein wird sofort akzeptiert. Am Ende des Tages kennen wir jede Gasse.

Von Tanger fahren wir in die blaue Stadt Chefchouan mit einem modernen Bus ab und kommen, nach Umsteigen in Tetouan, in Chefchouan mit einem alten klapprigen Bus an. Die Serpentinenreiche Anfahrt bekommt nicht jedem Passagier und wir sind froh, endlich aussteigen zu können.

Chefchouan liegt in einem hügeligen grünen Tal im Rifgebirge. Blau und weiß gestrichene Häuser leuchten in der Sonne. In den verwinkelten engen Gassen wird an jeder Ecke Cannabis angeboten, das im Gebirge profitabel angebaut wird.

„Paranoia“, schallt es beständig um uns herum. Es sind Händler, die vergeblich versuchen uns in ihre Läden zu locken.

Ein kalter Wind weht durch die Gassen. Ein Tuch für den Kopf wäre sinnvoll. Bei einem Händler, der uns nicht gleich wahnhafte Züge unterstellt, suchen wir aus seinem großen Angebot Tücher aus. Eine Vorführung, wie die Tücher gewickelt werden, gibt er dazu: „Ich zeige euch, wie so ein Tuch gewickelt wird.“ „Aber keine Angst, ich bin kein Taliban, ich trage nur so Bart.“

2013-01-03 - 29

Die Nächte sind bitterkalt, die Zimmer im Riad ohne Heizung. Dicke Decken sorgen für wohlige Nachtwärme, verhindern jedoch die Lust aufs Aufstehen am frühen Morgen.

Der Uhrzeiger rückt immer weiter Richtung Abfahrt des Busses nach Fes. Erst in letzter Minute springen wir aus dem Bett, packen schnell unsere Sachen zusammen und nehmen ein Taxi zum Busbahnhof.

„Fes, Fes“, rufen Ticketverkäufer, schon haben wir Tickets in der Hand. Das Fahrtziel stimmt, die Buslinie nicht. Statt in dem schnelleren und besser gewarteten Bus von CTM, sitzen wir in einem alten klapprigen Modell.

Der Busbahnhof von Fes liegt am Rand der Stadt, Taxis sind das schnellste Verkehrsmittel in die Medina.  

Ganz selbstverständlich wollen wir einsteigen. Der Taxifahrer wehrt ab. Der Nächste und der Übernächste ebenfalls – keine Rucksäcke. Ein Mann, der die Szene beobachtet, fragt nach unserem Ziel und schleppt uns zu einem teuren Grand-Taxi, das uns wenigstens bis zum Eingang der Medina befördert. Unterwegs ruft er im gebuchten Riad an und bestellt jemanden zum Eingangstor in die Medina.

Begeistert sind wir von der Aktion nicht. Erst auf dem Weg zur Unterkunft wird uns die Sinnhaftigkeit klar. Nie hätten wir das Haus in der 9000-Gassen-Medina gefunden.

Die Häuser in der Medina sind mal schmal und unscheinbar, bei manchen ist der Reichtum der Eigentümer schon von außen zu erkennen. Wie viele Familien ein Haus bewohnen, ist an der Anzahl der Türklopfer, die an den schweren, kunstvoll verzierten Türen hängen, zu erkennen: Die unterschiedliche Höhe der Klopfer erzeugt verschieden Töne beim Klopfen auf das Türholz.

In einer kleinen Seitengasse, hinter einem großen schmiedeeisernen Tor, steht das 400 Jahre alte Haus, in dem wir ein Zimmer beziehen. Alle Fliesen, die typisch weißen Schnitzereien aus Kalkputz und die Holzarbeiten im Haus sind original, der Blick von der Terrasse über die Stadt fantastisch. Ankunft in 1001 Nacht.

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Es ist später Nachmittag. Die Souks in der mittelalterlichen Altstadt haben zum größten Teil bereits geschlossen. In den Gassen mit ihren verrammelten Läden brennt nur spärlich Licht. Männer, die die spitzen Kapuzen ihrer langen Mäntel tief ins Gesicht gezogen haben, eilen vorbei. Um aus dem Gassengewirr zu unserem Riad zu finden, verlassen wir die Medina durch das nächste Stadttor und betreten sie, zwei Tore weiter, wieder.

In der größten Gerberei Marokkos stehen Männer wie vor Jahrhunderten knietief in steinernen Farbbottichen und walken mit nackten Beinen die Tierhäute. Ein paar Straßen weiter, werden Mosaike in traditioneller Handarbeit hergestellt und gebrannt.  

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Frauen und Kinder mit Backblechen eilen durch die Gassen, um den zu Hause zubereiteten Teig in den Gemeinschaftsöfen backen zu lassen. Wir sollen mitgehen und dem Bäcker über die Schulter schauen.

Männer strömen in einen Hamam. Wir müssen draußen bleiben – Frauen und Männer nutzen einen Hamam halbtägig im Wechsel. Der Heizer lässt uns ein paar Holzscheite in den Ofen werfen.

Den Nachmittagstee wollen wir im Café Clock trinken. Das wollen offensichtlich alle Touristen. Wir gehen weiter. Vor einem Café, in dem ausschließlich Männer sitzen, winkt uns ein Mann heran: „ Mir gehört das Café, trinkt einen Minztee hier.“

Neben dem Café lockt ein Souk mit Textilien. Kaum haben wir die belebten Gassen betreten, sind sie menschenleer. Die Händler schließen, und nicht nur ihre Läden, der ganze Souk ist von abschließbaren Türen umgeben und wir stehen mittendrin. Nach ein wenig suchen, finden wir eine offene Tür.

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