Mecklenburg-Vorpommern

All’t mit Måten un Schluck mit’n Schleif!
(Aus Mecklenburg)

Riether Winkel

Otto von Bismarck soll gesagt haben: „Wenn die Welt untergeht, so ziehe ich nach Mecklenburg, denn dort geschieht alles 50 Jahre später.“Haff

Sicher ist sicher, dachten wir und machten uns auf zu einer Zeitreise ans „Ende der Welt“.

Das Ende der Welt hat einen Namen: Altwarp, ein verträumtes Fischerdorf am Stettiner Haff. Dort, im nordöstlichsten Zipfel Deutschlands, gibt es statt Funkbalken auf dem Handy unberührte Natur, in der mehr Fischotter und Seeadler als Menschen leben.

Im angemieteten Zimmer in einem alten Kapitänshaus konnten wir zünftig, beim Beheizen des Kachelofens, in die Vergangenheit einsteigen. Jetzt fahr’n wir über’n See, beschlossen wir am nächsten Morgen. Ganzjährig sollten Fähren über den Neuwarper See ins polnische Schwesterdorf Neuwarp fahren. Von ein paar Fischern abgesehen, die gerade Reusen und Netze geleert hatten, gab es nur Stille am See. Der Fährverkehr war Ende Oktober längst eingestellt.

Also durchquerten wir die Weiten Vorpommerns, rutschten im feinsten Saharasand über die Altwarper Binnendünen, wanderten durch ein Wacholdertal und folgten einem Pfad durch den Wald bis zu einer Lichtung, auf der sich ein Sowjetischer Ehrenfriedhof  befand. Kaum hatten wir die Friedhofspforte geöffnet, wurden wir schon beobachtet – wachsame Augen folgten unserem Treiben von einem Polizeiauto aus. Aber nicht nur Geschichtsinteressierte kommen in dieser Gegend auf ihre Kosten. Für Freunde der Geografie gibt es den Ahlbecker Fenn, seines Zeichens größtes wachsendes Kalkschwingmoor Deutschlands, dessen Aussichtsturm den müden Wanderer zu einer Pause mit Weitblick einlädt. Zum Abschluss des Tages lässt es sich vorzüglich durch den fangfrischen Fischreichtum des Haffs – Zander, Barsche, Brassen, Dreifarbenfische – schlemmen.  

Begriffserklärung Dreifarbenfisch: in der DDR die Bezeichnung für Aal: grün gefangen, braun geräuchert, schwarz verkauft.

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