Zentralafrikanische Republik

„Das Gesetz ist ein Spinnennetz; nur die kleinen Insekten werden darin gefangen.“
(Sprichwort Zentralafrikanische Republik (ZAR))

Reisejahr 2026 | Lesezeit 7 Minuten

Bangui – Dzanga-Sangha-SchutzgebietGbadolite (DR Kongo)

„Champagner?“ Die Frage der Stewardess kommt völlig unerwartet. Wir sind auf dem Weg in die Zentralafrikanische Republik, ein Land im Herzen Afrikas, das in den Nachrichten vor allem in Verbindung mit Instabilität, Gewalt und Korruption auftaucht.

Schon bei der Einreise zeigt sich, was uns erwartet. Obwohl am Flughafen kaum Betrieb herrscht und wir ein Message Porté, das für den Erhalt eines „Visa on arrival“ notwendig ist, vorweisen können, warten wir eine geschlagene Stunde auf unsere Visa. Alles geht sehr langsam voran und grundlegende Französischkenntnisse sind ein Muss. Als wir endlich im Taxi sitzen, ist die Sonne längst untergegangen. Die Straßen der Hauptstadt sind für afrikanische Verhältnisse auffallend leer. „Morgen sind Wahlen, es gilt eine Ausgangssperre“, erklärt der Taxifahrer knapp.

Wahlsonntag in Bangui

Am Wahltag selbst steht das Land still. Der Luftraum ist gesperrt, alle Straßen sind blockiert, die Grenzen geschlossen. Wir sitzen in Bangui fest und nutzen die Zeit für einen Spaziergang zu den wenigen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Militär- und Polizeieinheiten dominieren das Straßenbild. Die Stimmung ist angespannt, aber nicht aggressiv. Selbst als wir unerwünschte Fotos machen, bleiben die Uniformierten höflich.

Eines davon zeigt die Statue des Chefs der paramilitärischen „Gruppe Wagner“, heute das russische Afrikakorps: Jewgeni Prigoschin in Schutzweste mit Walkie-Talkie, sowie Kommandeur Dmitri Utkin mit einer AK-47.

Am Ende einer leicht ansteigenden Straße zieht uns ein weithin sichtbarer Obelisk an. Dass er direkt zwischen Präsidentenpalast und dem Sitz des Generalstabs der Armee liegt, wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der zweiteilige Obelisk, verbunden durch einen Sowjetstern und das Lothringer Kreuz, wirkt monumental. Kaum haben wir unbemerkt ein Foto gemacht, fordert uns ein Soldat auf, die Sperrzone zu verlassen. Mit der Frage nach einem Taxi können wir die unangenehme Situation allerdings entschärfen.

Entlang der Mauern des Präsidentenpalastes gehen wir weiter. Vor einem Wahllokal ist die Präsenz von Polizei und Militär besonders dicht. Wähler sind hingegen keine zu sehen. Mit dem Taxi fahren wir zur Kathedrale Notre Dame. Obwohl Weihnachten längst vorbei ist, erklingen aus der Kirche noch Weihnachtslieder, die in kraftvollen, rhythmischen Kirchengesang übergehen.

Viel mehr gibt es in Bangui nicht zu entdecken, und so kehren wir ins Hotel zurück. Vor uns liegen Tage voller Ungewissheit: Am nächsten Morgen wollen wir nach Gbadolite in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) aufbrechen, doch noch immer halten wir keine Flugtickets in den Händen. Die Verbindung wird lediglich einmal pro Woche von einer Maschine des Humanitären Flugdienstes der Vereinten Nationen (UNHAS) bedient, was die Nervosität zusätzlich steigert. Die Verunsicherung begleitet uns bis in den Abend, ehe endlich die erlösende Nachricht eintrifft: Die Tickets sind da. Allerdings stimmt das Rückflugdatum nicht. Für die geplante Weiterreise in der Zentralafrikanischen Republik sind wir auf einen Flug innerhalb des Landes angewiesen, der nur unregelmäßig verkehrt. Für Zweifel bleibt jedoch keine Zeit, wir beschließen, das Risiko nicht rechtzeitig zurück zu sein einzugehen und beginnen, unsere Sachen für den Abstecher in das Nachbarland zu packen.

Rückkehr mit offenem Ausgang

Nach fünf abenteuerlichen Tagen in der DR Kongo reisen wir bei offiziell geschlossener Grenze wieder in die ZAR ein. Die Anlegestelle am Fluss Ubangi wird zwar von zwei Soldaten bewacht, doch sie sehen sich unsere Pässe nicht einmal an. „Geht morgen zur Polizei und lasst euch einen Einreisestempel geben“, meint einer lakonisch.

Die Situation wirkt entspannt. Wir sind es hingegen weniger. In aller Frühe soll am nächsten Morgen unser Flug ins Dzanga-Sangha-Schutzgebiet abheben, und niemand kann uns sagen, wann das Immigrationsbüro öffnen wird.

Mit dem WWF in das Dzanga-Sangha-Schutzgebiet

Entgegen unseren Erwartungen läuft am nächsten Morgen alles reibungslos. Das Büro öffnet bereits um sieben Uhr, wir erhalten unsere Stempel, fahren direkt zum Flughafen und fliegen mit einer Cessna nach Bayanga. Das kleine Dorf liegt im äußersten Südwesten der Zentralafrikanischen Republik, mitten im Dzanga-Sangha-Schutzgebiet. Das Areal gilt in dem politisch unruhigen Land als relativ stabile Region.

Hier arbeitet der World Wide Fund for Nature (WWF) gemeinsam mit der Republik Kongo und Kamerun an einem trinationalen Schutzprojekt. Wir beziehen Quartier in der am Sangha-Fluss gelegenen Doli Lodge, die ebenfalls Teil dieses Projekts ist, und verbringen den Rest des Tages entspannt in unserem grünen Refugium.

Ausflug zur Dzanga Bai

Am nächsten Morgen brechen wir zur Dzanga Bai auf, einer Waldlichtung, auf der sich die scheuen Waldelefanten sammeln. Weit kommen wir allerdings nicht. Nach nur zehn Kilometern bleibt unser Fahrzeug im Sand stecken und springt nicht mehr an. Das neue Jahr ist gerade einmal vier Tage alt, und wir erleben bereits den zweiten Totalausfall eines Autos.

„In einer Stunde wird ein weiterer Pkw hier vorbeifahren“, meint unser Guide Ayo optimistisch. Wir warten, lernen nebenbei von Ayo noch ein paar französische Vokabeln, doch niemand kommt. Schließlich laufen wir die zehn Kilometer zurück zur Lodge.

Gorillatrekking im Dzanga-Ndoki-Nationalpark

Der folgende Tag soll unser persönlicher Höhepunkt werden: Gorillatrekking im Dzanga-Ndoki-Nationalpark. Zwar erlag der Silberrücken einer habituierten Gruppe 2024 nach dem Kampf mit einem Artgenossen seinen Verletzungen, doch wurde inzwischen eine neue Familie an die Gegenwart von Menschen gewöhnt.

Eine Stunde fahren wir tief in den Regenwald und laufen anschließend drei schweißtreibende Stunden durch dichtes Gestrüpp auf der Suche nach dem Silberrücken. Er ist nicht aufzufinden. Nur kurz entdecken wir eine schwangere Gorilladame, die in einem Baum herumklettert und eine weitere, die mit ihrem Jungtier auf dem Rücken durch das Unterholz streift. Sie sind nur schwer zu erkennen und sehr scheu.

Erst als wir wieder die Straße erreichen, setzt sich ein Jungtier wenige Meter entfernt nieder und knabbert seelenruhig an ein paar Zweigen.

Waldelefanten in der Dzanga Bai

Am letzten Tag im Schutzgebiet wagen wir einen neuen Versuch zur Dzanga Bai zu gelangen – diesmal mit Erfolg. Nach der Autofahrt sowie einem kurzen Marsch durch Wasser, Schlamm und Wald öffnet sich die Lichtung. Am Waldrand steht eine hölzerne, drei Meter hohe Plattform, von der aus wir die Tiere beobachten.

Die von Pfützen und Schlamm durchzogene Bai ist von Bäumen mit rötlichem Laub gesäumt. Waldbüffel und Riesenwaldschweine suhlen sich im Matsch.

Um sie herum tummeln sich rund hundert Elefanten. Mit ihren Rüsseln graben sie in den Pfützen nach Mineralien, trompeten laut und rangeln um die ertragreichsten Plätze.

Weiterreise in die Republik Kongo

Früh am nächsten Morgen fahren wir mit einem Motorboot den Fluss Sangha, einem Nebenfluss des Kongo, hinab in Richtung der Republik Kongo. Wie bei einer Schnitzeljagd halten wir unterwegs an mehreren Kontrollpunkten. Bereits nach einer Stunde legen wir an. Ein Stempel kommt gegen ein geringes Entgelt in den Pass. Zehn Minuten später folgt der nächste Halt, diesmal zur Kontrolle der Bootspapiere.

In Bomassa, einem kleinen Ort im Dreiländereck von Zentralafrikanischer Republik, Republik Kongo und Kamerun, legen wir erneut kurz an, zeigen ein paar Soldaten unsere Pässe und fahren weiter. Ab hier befinden wir uns zwar offiziell in der Republik Kongo, doch die eigentlichen Grenzformalitäten erwarten uns erst ein paar Kilometer weiter im Dorf Kabo. (Bericht folgt)