Albanien

Die Sprache wird nur dort gepflegt, wo man sie schreibt.
Albanisches Sprichwort

24.08. – 05.09.2011

Tirana – Albanische Alpen (Theth) – Shkodra – Koman Stausee –  Bajram Curri – Permeti – Gjirokaster – Sarande – Berat – Tirana

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Eine  Zusammenfassung:

Vor dem Flughafengebäude in Tirana empfing uns sengende Augustsonne. Zum Glück stand der Bus, der uns in die Stadt bringen sollte, schon bereit. Die zugezogenen roten Vorhänge ließen das Innere des Busses kühler wirken.

Von der Bushaltestelle in Tirana war es nicht weit bis zu unserem Quartier – ein Zimmer in einer Plattenbauwohnung.

Unweit der Wohnung lag der Skanderbeg Platz, eine große Baustelle, über die wir uns den Weg zu den Wahrzeichen der Stadt – den Uhrturm, die Et’hem-Bey-Moschee und die Skanderbegstatue – bahnten.

Der Uhrturm hatte geöffnet. In seinem Innern war es angenehm kühl, von seiner Plattform hatten wir einen wunderbaren Blick über die Stadt. Wegen der Hitze gingen wir anschließend in den nächsten Park und blieben bis zum Abend dort.

Um der Hitze in der Stadt zu entfliehen, fuhren wir in die Albanischen Alpen, in das Tal von Theth. Ein Furgon (Minibus) brachte uns bis Shkodra. Von dort gab es die einzige Möglichkeit der Weiterreise – eine Mitfahrgelegenheit mit einem Talbewohner. Wir hatten uns bereits mit einem jungen Mann verabredet, der uns in der Stadt einsammelte.

Die Piste über den 1.630 m hohen Terthorja-Pass, die bis ins späte Frühjahr schneebedeckt und dann unpassierbar ist, war unwesentlicher breiter als das Auto. Trotz allem kamen wir sicher an entgegenkommenden W 50 und anderen größeren Fahrzeugen vorbei.

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Theth ist eine Streusiedlung, die sich lang durch das Tal zieht. Im Zentrum gibt es ein Café, eine Schule, eine Kirche und den Kulla, einen Turm, in dem sich früher von der Blutrache bedrohte Männer einschlossen.

Der Ort liegt so entlegen, dass der Kanun, ein umfassender Lebens- und Moralkodex aus dem Mittelalter, der das Zusammenleben, die soziale Ordnung, die Rituale, die Feste, die Familienhierarchie, aber auch die Sühne – die Blutrache einschließt,  bis heute das Leben regelt.

Frauen spielen im Kanun eine marginale Rolle, sind jedoch, wie auch Kinder, vor Verfolgung geschützt. Werden durch die Blutrache alle männlichen erwachsenen Mitglieder einer Familie ausgerottet, sind Frauen und Kinder schutzlos und die Familie hat keinen Sitz im Rat der Gemeinde mehr. Um ein Leben wie ein Mann und Familienoberhaupt zu führen, können Frauen das Versprechen geben, bis zum Ende ihres Seins als eingeschworene Jungfrau zu leben. 

Eingeschworene Jungfrauen gibt es auch heute noch in Albanien. Mehrere Tausend Familien sind in Blutrachekonflikte verwickelt, wobei die Regel, die Frauen und Kinder schützt, nicht eingehalten wird. Aus Angst und ohne Schulbildung für die Kinder leben die betroffenen Familien eingeschlossen in ihren Häusern oder verstecken sich in den Bergen Nord-Albaniens.

In Theth bezogen wir ein Zimmer in einem der traditionellen aus Naturstein gemauerten und mit Schindeln gedeckten Häuser: Einfach eingerichtete Zimmer, ein Kamin als einziger Ofen im Wohn-/Esszimmer im Erdgeschoss, ein extra angebautes Bad. In der ersten Etage befand sich eine Tür nach draußen, ohne Treppe – der Winterausgang.

Die atemberaubende Landschaft lud zum Wandern ein. Wir beschlossen, in die Berge zu gehen. Kaum hatten wir das Dorf verlassen, hörten wir Pferdegetrappel hinter uns. Wir gingen zur Seite. „Wohin wollt ihr?“ „Nur ein Stück den Berg hinauf.“ Der Reiter machte eine Handbewegung – wir sollten ihm folgen.

Wir schlossen uns dem Reiter, dem elfjährigen Valentin, der gerade auf dem Weg zu seinen Eltern war, die im Sommer in den Bergen bei ihren Tieren leben, an. Nach ein paar Minuten gesellte sich noch seine über siebzigjährige Großmutter zu uns. Bei ihrem Tempo die Pfade hoch, querfeldein, konnten wir kaum mithalten.

So richtig wussten wir nicht, wohin die beiden mit uns liefen. Plötzlich standen wir vor der Hütte von Valentins Familie: Eine einfache Unterkunft aus Baumstämmen, ein paar Matratzen darin, für die Alten ein Bett, die Küche eine Feuerstelle unter freiem Himmel, Wasser vom Fluss.

 

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Der Vater lud uns zu einem Raki ein. Wir entschieden uns für Kaffee und Tee. Kaum hatten wir ausgetrunken, zogen Valentin und seine Großmutter mit uns weiter. Es ging steil bergauf, bis wir vor einer Höhle standen. Laut Reiseführer hätte man für diese Tour einen knappen Tag einplanen sollen. Wir waren in zwei Stunden da. Nach einer kurzen Rast liefen die beiden mit uns zu einem verwandten Familienclan.

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Auch dort wurden wir herzlich von einer Runde fröhlicher Menschen willkommen geheißen. Auch hier lehnten wir den Raki ab. Schließlich mussten wir noch zurück ins Tal, die Sonne brannte, die Pfade waren schmal und steil. Die angebotene Milch und den Käse ließen wir uns jedoch schmecken.

Auf dem Weg aus dem Tal von Theth zum Komani-Stausee machten wir für eine Nacht Halt in Shkodra, der 2400 Jahre alten Stadt am Skutarisee. Shkodra war eine typisch albanische Stadt, voll morbidem Charme und sehr lebendig. Überall gab es Cafés, in denen meistens Männer saßen. Wir wurden großzügig toleriert. Später, ab 18 Uhr, waren dann auch die Restaurants voll, auf der Hauptstraße wurde flaniert – sehen und gesehen werden.

Über den Komani-Stausee, auf dem wir unser ganzes Gepäck inklusive Fotoausrüstung verloren, reisten wir nach Gjirokaster, dem Geburtsort des ehemaligen Diktators Enver Hoxha, weiter.

Wir kamen bis Permeti. Ein Bus nach Gjirokaster fuhr erst am frühen Morgen wieder.  Zu früh für das Frühstück im Hotel.  Also gab es an der Bushaltestelle einen Kaffee. Plötzlich stand ein Angestellter des Hotels an unserem Tisch, bezahlte den Kaffee, drückte uns das Geld für das entgangene Frühstück in die Hand und verschwand.

Die Bushaltestelle in Gjirokaster lag außerhalb der Altstadt. Unser Quartier war jedoch in einem der  kleinen Trutzburgen ähnelnden Häusern, die entlang der steilen Hänge stehen. Vor dem Aufstieg durch die engen, gepflasterten Gassen kehrten wir ein in ein Café. Dort scheiterten wir bei dem Versuch die Rechnung zu bezahlen: Der Caféhausbesitzer wollte das partout nicht, – „Aus Achtung vor Deutschland“, wie er sagte.

Gjirokaster hat den Beinamen „Stadt der Steine“.  Die Burg beherbergt neben dem Nationalen Museum für Waffen einen Uhrturm und einige charakteristische Häuser. Auf der Burg hoch über der Stadt ist auch eine 1957 zur Landung gezwungene US-amerikanische Lockheed T-33 ausgestellt. An der Stelle des abgebrannten Geburtshauses von Enver Hoxha befindet sich der Nachbau eines typischen Bürgerhauses, in dem das interessante ethnographische Museum untergebracht ist.

Hungrig vom Auf und Ab durch die steilen Gassen der Altstadt, kauften wir uns eine Melone. Als wir vor dem Laden standen und nicht so recht wussten, wie wir diese nun am besten essen, winkte uns ein alter Mann zu sich, brachte uns Teller und schnitt die Melone auf. Wir saßen im Garten vor seinem Haus und ließen es uns schmecken.

Von Gjirokaster ging es weiter an die Küste, nach Sarande, eine mit Hotels zugepflasterte Stadt. Die Straße entlang standen viele gesprengte Rohbauten – hat der Bauherr keine Baugenehmigung und nicht genügend Schmiergeld, wird gesprengt.

Dazwischen ragten Betonpilze mit Sehschlitz im Hut aus dem Boden – Einmannbunker aus Envar Hoxhas Zeiten. 700.000 ließ Hodscha überall in Albanien für den Partisanenkampf gegen eingebildete Feinde aufstellen.

Unweit von Sarande befinden sich die Ruinen von Butrint. Um dorthin zu gelangen, nahmen wir den Linienbus. Kurz vor dem Ziel platzte einer der Hinterreifen und beschädigte den Radkasten. Alles kein Problem, fuhr er eben langsamer die Serpentinen hinunter.

Aus Sarande reisten wir schnell wieder ab, mit dem Ziel Berat. Um nach Berat zu kommen, entschieden wir uns für eine Fahrt über Himara nach Vlora, auf der kurvenreichen, landschaftlich sehr schönen Passstraße entlang der Küste.

Nach einer langen Fahrt erreichten wir Berat, die Stadt der tausend Fenster. Den Namen verdankt sie dem Viertel, das sich den Hügel zur Burg hinauf zieht und dessen sehr dicht stehende Häuser große Fenster zum Tal als Fassade haben.

Zurück in Tirana logierten wir wieder in der Wohnung. Diesmal bekamen wir das Zimmer mit Dusche und Toilette auf dem Balkon. Da es aber kein Wasser gab, hatten wir nichts davon.

 

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