Grönland – Island (Landmannalaugar)
Reisejahr 2022 | Lesezeit 3 Minuten

Wir sind zurück aus Grönland, haben aber anscheinend einfach kein Glück mit den Reisevorhaben auf Island. Bereits vor der Reise nach Grönland waren wir zwei Tage in Reykjavik und der in diesem Zeitraum geplante, wegen des schlechten Wetters verschobene Trip nach Landmannalaugar ist nun wieder abgesagt. Wir gehen zur Touristeninformation in der Hoffnung, noch eine Unternehmung in den drei Tagen, die wir in der Stadt sind, arrangieren zu können.
„Am Samstag gibt es noch zwei freie Plätze in einem Superjeep nach Landmannalaugar. Kostenpunkt sind 300 Euro pro Person“, erfahren wir dort. Der Preis ist happig. Aber der Gedanke, in Reykjavik festzusitzen, ist schmerzhafter. Wir buchen den Trip, auch wenn dieser vom Zeitpunkt her ungünstig ist: Es ist eine zehnstündige Tour und wir fliegen am Folgetag in aller Frühe nach Deutschland.
Landmannalaugar
Nach zwei verbummelten Tagen starten wir nach Landmannalaugar. Als wir am Fuße des Vulkans Hekla halten, erreicht mich eine SMS vom Zivilschutz: „Sie befinden sich in der Nähe von Hekla, einem aktiven Vulkan, der ohne Vorwarnung ausbrechen kann. Aufpassen!“
Der rund 6600 Jahre alte, zu den aktivsten Vulkanen Islands zählende Hekla bricht seit der Mitte des 20. Jahrhunderts mit ziemlicher Regelmäßigkeit etwa alle zehn Jahre aus. Der letzte Ausbruch war im Jahr 2000, und da er trotz aller Messungen als unberechenbar gilt, wird sein Ausbrechen jederzeit erwartet.
Wir biegen ab auf eine F-Piste (nur mit 4×4 befahrbar). Grauer Schotter und Sand überziehen die Landschaft, die Berge dagegen sind mit einem grünen Teppich bezogen. Nach 25 Kilometern Fahrt und der Querung von drei Flüssen kommen wir in Landmannalaugar an. Etliche Reisebusse und viele Pkw stehen auf den Parkplätzen; Gletscherabflüsse schlängeln sich durch das weite Tal.
Leider haben wir nur drei Stunden Zeit und so können wir nur dem orange markierten Pfad folgen. Nach einem sehr steilen, schmalen Anstieg windet sich der Weg durch ein imposantes Lavafeld. Von Mineralien bunt gefärbte Berge und dampfende Erdlöcher säumen den Steig, der die ersten 2,5 Kilometer identisch ist mit dem Laugavegur-Wanderweg (Landmannalaugar-Thorsmörk). Teilweise geht es nur im Gänsemarsch voran. Mütter mit Babys in Tragegurten und Hunde, die Gassi geführt werden, gehören ebenso zu den Wanderern wie eine alte Frau mit schickem Hut, Halskette und Krückstock, die von einem jungen Mann die steilen Passagen hochgezogen wird.



Aber nicht nur wegen der Massen überzeugt uns der Weg nicht. Orte wie Kerlingarfjöll im Hochland (2019) fanden wir weitaus atemberaubender und auch eine Wanderung auf dem Fimmvördurhals ist landschaftlich reizvoller.
Für die Rückfahrt schlägt der Fahrer einen anderen Weg ein, stoppt an einem schönen Kratersee und an einer tiefen, imposanten Schlucht, aus deren Felswand wild tosend Wasser in einen Fluss sprudelt. Aber auch hier ist viel los. „Island ist in diesem Jahr faktisch ausgebucht. Wir erwarten in der kurzen Saison 4,7 Millionen Besucher. 2019 waren es noch 2,2 Millionen. Und es fehlt überall an Personal“, erklärt der Fahrer. Der Massentourismus ist also endgültig auf Island angekommen.