Die Honigburg in Honigberg

IMGP1658Der Zug hält an einem kleinen Bahnhof in Transsylvanien. In zwei Kilometer Entfernung leuchtet der Kirchturm von Honigberg in der flirrenden Hitze. In Honigberg steht eine der größten Kirchenburgen Siebenbürgens – die Honigburg.

Massive Mauern und Wehrtürme, dahinter leuchtet ein Kirchturm hell in der Sonne. Vor mir liegt die Honigburg, eine Anlage aus dem 13. Jahrhundert. Ein fünf Meter hoher ovaler Mauerring ist durch sieben Wehrtürme mit der zwölf Meter hohen Ringmauer verbunden.

Dunkel ist der überdachte Gang, der über den Burggraben zur Kirche führt. Am Ende des Ganges steht das schmiedeeiserne Tor offen. Als ich durch das Tor gehe, beißt das Sonnenlicht in meinen Augen. Den Blick zur Kirchturmspitze hebe ich mir für später auf.

Die Burg sieht bewohnt aus. Rasen, Sträucher und Pflanztöpfe mit Blumen und Kräutern stehen vor den doppelstöckigen Häuschen, die an der Mauer kleben. In den Häuschen befindet sich nur ein Raum. Zu den oben gelegenen Wohnungen führt eine steile Leiter mit Handlauf. Zwischen den Häuschen liegen die Vorratsspeicher. Der Schwingbaum eines Ziehbrunnens ragt in den Himmel.

Hinter der verschlossenen Tür einer der Wehrtürme ist eine mit Wandmalereien ausgestaltete Kapelle aus dem 15. Jahrhundert.

Die mittelalterliche Stimmung nimmt mich gefangen.

Mein Blick geht zur Kirchturmspitze. Der Glockenturm ist 56 Meter hoch. Seine vier Stockwerke sind mit Schießscharten ausgerüstet. An der Südseite der Kirche kleben Vorratsspeicher wie Schwalbennester unter dem Dach des Mittelschiffes. An den Galerien lehnen steile Leitern.

Das Erdgeschoss des Turmes ist der Eingang zur Kirche. Der niedrige Zugang öffnet sich mit spitzen Bögen zum Kirchenschiff. Kissen liegen verstreut auf jahrhundertalten groben Holzbalken – dem Gestühl für Frauen. Die Sitzbalken sind ohne Lehnen, damit Frauen die bestickten Rückenbänder ihrer Trachten schonen konnten. Um die Frauen zu beschützen, saßen sie immer in der Mitte.

Über den Bänken, die im quadratischen Chor stehen, hängen orientalische Teppiche. Es war Brauch, der Kirche aus Dankbarkeit für die glückliche Rückkehr der Kaufleute Teppiche zu spenden.

Nach einer Pause auf einem Sitzbalken kehre ich zurück in die Gegenwart.

 

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