Äthiopien

Je kleiner die Eidechse, umso größer ist ihre Hoffnung, ein Krokodil zu werden.
Aus Äthiopien

01.04. – 12.04.2012

Addis Abeba – Awasa – Yabello – Konso – Turmi – Jinka – Arba Minch – Addis Abeba

Karte_Athiopien

Eine Zusammenfassung:

Es ist dunkel, als wir in Addis Abeba landen. Die Straßen sind noch nicht verstopft vom täglichen Verkehrschaos, einfache Lehm- und Wellblechhütten auf der einen Straßenseite stehen modernen Hochhäusern auf der anderen Straßenseite gegenüber, Baukräne ragen in den Himmel.

Wir beschließen, die Gegend zu Fuß zu erkunden. Nach ein paar Schritten hat bereits ein Taschendieb seine Finger in meinem Rucksack. Um einen Kugelschreiber erleichtert, laufen wir ein paar Meter weiter und schon hat der nächste seine Finger in meiner Jackentasche. Der hat Pech: In der Tasche ist nur ein Zettel. Vorbeigehende geben mir das Papier zurück.

Etwa zwei Drittel der Äthiopier sind Christen, die sich überwiegend zu einer der ältesten christlichen Kirchen, der äthiopisch-orthodoxen Kirche bekennen. In den Gotteshäusern ist gerade Gebetszeit. Wir schauen den Trommelnden und Rasseln – die Sanasel – schüttelnden Gläubigen zu, essen eine Kleinigkeit auf dem Gelände einer Haushaltswarenausstellung und beenden den Tag in einem Straßencafé.

280 Kilometer auf einer gut ausgebauten Straße sind es bis Awassa. In einem Nationalpark legen wir eine Kurzwanderpause ein: Inmitten großer Seen herrscht absolute Trockenheit. Kamelhirten leben an den 95 Grad heißen Quellen im Park. Als ich ein Foto von den Quellen mache, werden sie aggressiv. Dass die Leute angespannt reagieren, sowie ich die Kamera auf natürliche Ressourcen bzw. Rohstoffe halte, wird uns unterwegs noch öfter passieren.

03.04.2012-30

Ein wichtiger Erwerbszweig in Awassa ist die Fischerei. Direkt zum Sonnenaufgang kehren die Fischer mit ihrem Fang in kleinen Booten wieder zurück in den Hafen. Viel los ist an diesem Morgen nicht auf dem Fischmarkt am Awassasee. Die Fischer hatten in der Nacht kaum Glück, einige sind noch auf dem See unterwegs.

Die nächsten 270 Kilometer nach Yabello liegen vor uns. Um nicht nur zu sitzen, wollen wir ein Stück laufen. Tadei, der Fahrer, brummelt, wir steigen aus. Nicht lange und wir sitzen wieder im Auto. Die unfreundlichen Blicke, die uns begegnen, raten uns einzusteigen.

Yabelo ist eine geschäftige Stadt mit Krankenhaus, Schulen, Moschee und Kirchen und Ausgangspunkt für eine Tour zum Elsod Krater.

Der Krater liegt im Stammesgebiet der Borana, die bekannt sind für ihre „Singing Well“. Ihre Wasserquellen tragen diesen Namen, da die Menschen singen, während sie eine Kette die Treppe hinunter zum Brunnen bilden und die gefüllten Wasserbehälter nach oben reichen.

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel, Konso, biegt Tadei plötzlich von der Straße ab, fährt durch die Steppe und hält vor einem kleinen Dorf. Im Dorf leben Oromo, in deren Sprache er sich verständigen kann. Überrascht laufen Dorfbewohner, die nicht auf dem Feld arbeiten, zusammen. Unbehelligt dürfen wir durch das Dorf laufen und fotografieren. Unsere Anwesenheit hat sich schnell herumgesprochen und schon sind auch die Männer von der Feldarbeit zurück.

In einem Dorf der Borana trinken wir noch ein Glas leicht säuerlich schmeckenden Honig, besuchen den Viehmarkt und lehnen das Angebot für 300-400 USD ein Rind zu kaufen ab.

 

26.03.2013 - 45

In Konso ist gerade Wochenmarkt. Männer sitzen an Nähmaschinen, davor türmen sich selbst gewebte Stoffe, Frauen bieten gegerbtes Leder und Tongefäße an, Gemüse, Getreide, Hirse, Kaffee, Baumwolle und Tabak liegen auf dem Boden ausgebreitet.  

Die Pfade zwischen den Waren hindurch sind sehr schmal, oft gibt es nur die Möglichkeit über Angebotenes zu steigen. Selbst das Laufen durch die Nahrungsmittel ist kein Problem. Erst als ich ein Foto vom Getreide mache, werde ich mit Dreck beworfen und beschimpft.

Die Konso sind für ihre terrassenförmigen Felder, die ideal das Wasser speichern, bekannt. Ihre Dach an Dach gebauten Dörfer sind von massiven Steinwällen umgeben. Fröhlich lachende Kinder begleiten uns durch eines der Dörfer.

Unser Weg führt weiter nach Turmi mit einem Halt in einem Dorf der Erbore. Ab hier kostet Fotografieren Geld. Auch der „Eintritt“ in das Dorf wird bezahlt – eine Investition in die Infrastruktur.

04.04.2012-25

Turmi ist neben Dimeka die größte Siedlung der ethnischen Gruppe der Hamar. Da gerade kein Markttag in Turmi ist, fahren wir zum Markt der Hamer und Banna nach Dimeka weiter.

Auf dem Markt spricht uns ein Mann an: „Wollt ihr beim Bullenspringen zu sehen?“ „In einer Stunde in einem Dorf der Hamer, nicht weit von hier.“

Beim Bullenspringen müssen heiratswillige Männer über mehrere an den Hörnern zusammengebundene Rinder laufen. Meistern sie dieses Ritual nicht, dürfen sie nicht heiraten.

Vier Stunden sitzen und stehen wir in der glühenden Sonne, trinken lokales, erdfarben aussehendes Bier mit der Dorfjugend, sehen den Schminkkünsten der Männer zu und Frauen, die sich Schmucknarben zufügen lassen. Dazu fordern sie Männer auf, ihnen mit einem biegsamen Zweig auf den Körper zu schlagen. Die dabei entstandenen Wunden hinterlassen dicke Narben und gelten als Trophäen.

Nach Ausflügen zu den Völkern der Oromo, Erbore, Konso, Hamer, Banna besuchen wir noch ein Dorf der Karo.

Die Karo sind Bauern und bauen meist Sorghum, eine Hirseart, an. Ihr Dorf steht erhöht über dem Omo Fluss, der ganzjährig Wasser führt. Kinder spielen im Fluss, auch wir gehen baden, eine Abkühlung ist das Bad jedoch nicht.

Im Dorf verlangen die Frauen auf aggressive Art, fotografiert zu werden, um Geld zu bekommen. Einmal gebe ich nach. Danach lassen wir uns ordentlich beschimpfen und sehen uns in aller Ruhe das Dorf an.

26.03.2013 - 45

Nur die im Mago Nationalpark lebenden und für ihre Tellerlippen bekannten Mursi toppen das Geschäft Fotos gegen Geld noch. Ein Ranger, der mit der Sprache der Mursi vertraut ist, begleitet uns in eines ihrer Dörfer. Dort angekommen werden wir sofort umringt. Etliche der Mursi haben sich für ihren Stamm unüblich verkleidet, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Atmosphäre ist unangenehm angespannt, wir sollen schnell entscheiden, wen wir fotografieren möchten. Foto – Geld – zack, zack.

Ein paar Schritte wollen wir dennoch durch das Dorf gehen. Misstrauische Blicke folgen uns. Zum Glück kommen die Autos einer größeren Touristengruppe angefahren und lenken die Blicke dorthin. In einer Hütte werden wir auf Englisch begrüßt und zum Tee eingeladen. Die Familie beteiligt sich nicht an dem Rummel und wir sind herzlich willkommene Gäste.

Am Abend kommen wir in Arba Minch an. Die Universitätsstadt liegt an zwei Seen, dem Abaya See im Norden und dem Chamo See im Süden. Eine Hügelkette, die „Gottes Brücke“ genannt wird, trennt die Seen voneinander.

11.04.2012-18

Am Chamo See warten ein paar Motorboote auf Gäste. Die kleinen Boote mit Sonnendach werden erst betankt, wenn Gäste auftauchen.

Vor dem Bug tauchen prustend Nilpferde aus dem schlammigen Wasser auf, ein Krokodil schwimmt neben dem Boot her, eine Berührung mit der Hand und es verschwindet sofort, Pelikane treiben im Wasser, dazwischen tummeln sich meterlange Krokodile, zwischen Hippoohren steht ein Fischer auf seinem Floß, die Füße im Wasser.

Von Arba Minch fahren wir nach Addis Abeba zurück, rasten, umgeben von einer vielfältigen Vogelwelt, am Laganosee und essen Mittag am größten See des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, dem Ziway See.

In Addis Abeba verbummeln wir den Tag bei Lucy, der 3,2 Millionen Jahre alten Fossilien-Dame im Nationalmuseum und im Gassengewirr des Mercato, Afrikas größtem Freiluftmarkt.

Um ein Gefühl für die Größe der Stadt zu bekommen, bitten wir Tadei mit uns zum Stadtrand zu fahren. Er lächelt und fährt und fährt und fährt, immer geradeaus. Eine bewachte Wohnanlage löst die nächste ab, irgendwann dreht er um. Die Stadt hat kein Ende.

 

Print Friendly, PDF & Email
Share this:Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someonePin on Pinterest