Türkei (Ostanatolien)/ Iran

Wer nichts weiss, der kann auch nichts vergessen.
Kurdisches Sprichwort

 

Türkei (Ostanatolien)Iran

Sommer 2014

Malatya – Karadut – Van – Diyabarkir – Iran – Van – Malatya

 

Ankunft in Malatya um Mitternacht: Der Zubringerbus vom Flughafen in die Stadt hält extra vor meinem Hotel. „Du sollst sicher ankommen“, meint der Fahrer.

Mit dem ersten Bus am nächsten Morgen geht es gleich weiter in die Provinz Adıyaman, zum Berg Nemrut mit Halt an den sehenswertesten archäologischen Stätten der Provinz – der Nekropole von Perrhe, der antiken Chabinas-Brücke, dem Grabhügel Karakuş und der Grabstätte Arsameia.

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Unterwegs passieren wir zwei Checkpoints. Zu meinem Erstaunen erklärt der Fahrer: „Seit dem Friedensprozess zwischen Kurden und Türken ist Schluss mit dem Terror.“ „Ich bin zufrieden, es gibt jetzt mehr Arbeit und es wird in die Infrastruktur investiert.“

Am Nachmittag erreiche ich Karadut, mache eine Pause in einer Pension und fahre zum Sonnenuntergang zum Berg Nemrut, der die letzte Ruhestätte von Antiochos, Herrscher des Lokalreiches Kommange aus dem ersten Jahrhundert vor Christus ist. Vor dem Grabhügel stehen riesige Götterstatuen, die Köpfe neben dem Rumpf platziert. Die letzten Sonnenstrahlen lassen sie in spektakulären Farben leuchten.

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Früh am Morgen bringt mich der Sohn des Hausherrn mit dem Auto zum Dolmuş (Minibus) Richtung Diyarbakır. Er nutzt die Gelegenheit und kauft – es ist Ramadan – Zigaretten, Wasser und Süßes. An einer Tankstelle im Nirgendwo hält er. Warten.

Im Minibus ist die Sitzordnung getrennt nach Frauen und Männern. Von den Männern, die einsteigen, sammelt jeder als Erstes die Visitenkarte des Fahrers ein.

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Die Landschaft verändert sich. Nun gibt es nur noch das endlose Asphaltband in einer flachen trockenen Umgebung zu sehen. Ich schlafe ein. Ein festes Rütteln an der Schulter weckt mich. „Du wolltest doch an den Busbahnhof in Diyarbakır“, meint meine Sitznachbarin. „Wir sind da.“ „Ich habe dem Busfahrer gesagt, dass er halten soll.“

In Diyarbakır steige ich in einen anderen Minibus um, fahre sechs Stunden bis Van weiter, bleibe dort eine Nacht und reise am nächsten Morgen mit einem größeren Minibus nach Doğubeyazıt im äußersten Osten der Türkei. Die Besichtigung der Orte plane ich für den Rückweg.

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Die Plätze im Bus sind reserviert. Ich habe einen Fensterplatz neben einem Mann, der sofort aufgefordert wird, sich einen anderen Platz zu suchen.

Doğubeyazıt erinnert an eine öde Grenzstadt. In einem Laden fängt der Verkäufer ein Gespräch an. Schnell sind wir bei den üblichen Fragen – Mann, Kinder …. Auf die Frage, ob er Kinder hat, bekomme ich die Antwort: „Ich weiß nicht so genau, vielleicht 10, mit meiner Frau vier.“ Ich muss lächeln. Bisher hatte jeder Verkäufer in jedem Laden die Anzahl seiner Kinder auf 10 aufgestockt.

Die Bewohner der Stadt sind sehr konservativ. Junge und alte Frauen tragen Kopftuch und knöchellange Mäntel, manche den Tschador.

Für den Iran brauche ich noch einen Mantel. Nach ein wenig suchen finde ich einen Laden, in dem es neben den bodenlangen Mänteln auch knielange gibt. Der Besitzer fragt sofort: „Iran?“ Nach zehn Minuten habe ich mir den einzig erträglichen schön geguckt und kaufe ihn.

An meinem letzten Tag in der Türkei unternehme ich mit drei Belgiern eine Tour in die Umgebung: Ishak-Pascha-Palast, Dörfer in den Bergen, Arche Noah, Meteoritenkrater an der Grenze zum Iran – den Ararat immer im Blick.

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In den Iran: Gleich nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg. Ich bin die Erste am Minibus, der zum Grenzübergang fährt. Der Fahrer holt einen Hocker aus dem Bus und die nächste Stunde beobachte ich das Treiben auf der Straße. Dann ist der Bus voll – 17 Männer, die versuchen, den Sitzplatz neben mir so lange wie möglich frei zu halten. Erst als kein Platz mehr zum Stehen ist, setzt sich einer neben mich. Verschämt lächelt er mich an, wenn es rumpelig wird und er ein winziges Stück in meine Richtung rutscht. An der Grenze zum Iran verabschiedet er sich von mir.

Vier spannende Wochen später bin ich zurück in Ostanatolien.

Wenige Kilometer hinter der Grenze stoppt der Bus. Gendarmerie. Im barschen Ton werden alle aufgefordert auszusteigen und das Gepäck zu öffnen.

Den Abend in Van verbringe ich auf der Burg von Van. Den nächsten Tag bei den Van-Katzen, auf der Insel Akdamar mit der armenischen Kirche, bade im klaren Salzwasser des Van-Sees, besichtige einen Seldschukenfriedhof, eine von der EU geförderte Teppichknüpfwerkstatt und die Ruine einer weiteren Armenischen Kirche in den Bergen.

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Der letzte Tag. Der Startpunkt ist auch der Endpunkt meiner Reise – Malatya für eine Nacht.

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