Rumänien/ Moldawien

Moldawien

Der Zug nach Chisinau fährt erst am Abend. So ziehen wir noch mal durch Bukarest: Alte Karawanserei, ehemaliger Fürstenhof, Markthalle, Athenäum.

Ein wenig erinnert der Zug nach Moldawien, mit seinen Vorhängen an den Fenstern und den Läufern in den Gängen, an die Transsib. Jedoch ist das Zugpersonal sehr unfreundlich, der Teppich riecht muffig, der Zug sieht etwas in die Jahre gekommen aus. Die Männer, die in den Zug einsteigen, tragen meist nur Badehose oder Shorts. Der Anblick ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Nach einer ruhigen Nacht mit einem zyprisch-russischen Paar im Abteil, umspuren an der Grenze und freundlichen Grenzern, kommen wir in Chisinau an. Ein Student, froh darüber seine Englischkenntnisse ausprobieren zu können, bringt uns zum Hostel.

Das Hostel liegt nicht zentral, einen Stadtplan besitzen wir nicht, also setzen wir uns in einen Bus, der Richtung Innenstadt fährt. Im Bus fährt eine Kassiererin mit, die, nachdem wir umgerechnet 2 Cent Fahrgeld bezahlt haben, die sehenswerten Orte erklärt, die am Fenster vorbeiziehen.

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Im Zentrum der Stadt gibt es nur wenige repräsentative Gebäude, dafür viele Kultureinrichtungen und noch mehr Grün. Große Bäume säumen die Straßen, die vielen Parkanlagen sind gepflegt. Auf den Straßen handeln Bauern mit ihren Produkten, Künstler stellen ihre Werke aus, Taxifahrer liegen schlafend in ihren Autos. Auffallend sind die sehr gut gekleideten Hauptstädter und Bettler.

Quer durchs Land gibt es etliche Busverbindungen. Eine Busverbindung zum 20 Kilometer entfernten Weingut Milesti Mici gibt es jedoch nicht. Noch während wir darüber nachdenken, ein Auto zu mieten, bietet ein Mitarbeiter vom Hostel seine Hilfe und sein Auto an.

Die Wiege der moldauischen Zivilisation entdecken, ist das Ziel für die nächsten drei Tage. Erst mal heißt es jedoch, den Busbahnhof finden. Mit unseren Rucksäcken quetschen wir uns, sehr zur Freude des Fahrers, in einen Minibus.

Am Busbahnhof steht der Bus, der uns nach Trebujeni bringen soll, schon bereit. 75 Minuten später steigen wir in einem idyllischen moldawischen Dorf aus. 

Im Schatten großer Bäume steht ein gepflegtes Bauernhaus, unsere Gastgeber empfangen uns sehr herzlich mit selbst gemachtem Landwein.

In der Abenddämmerung unternehmen wir noch einen Spaziergang am Fluss entlang und durch das Dorf. An vielen Häusern im Dorf wird gewerkelt. Jede Familie hat ein Feld, auf dem sie das wichtigste anbaut. Da es kein fließendes Wasser gibt, stehen unzählige Brunnen im Ort.  Ausnahme sind die Pensionen, die zum Teil für ihre Gäste fließend Wasser haben.

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Nach einem ausgiebigen Frühstück wandern wir mehrere Stunden den Fluss Raut entlang. In den Hügeln am Fluss gibt es viele geräumige Höhlen, die heute gerne als Liebesnester genutzt werden. In einem Höhlenkloster laden uns Mönche zu Kartoffelpuffer und Wasser ein. Die Verständigung mit Händen und Füßen geht sehr gut und so bekommen wir einen Einblick in ihr Leben.

Kaum haben wir die Terrasse unseres Feriendomizils betreten, steht das Essen auf dem Tisch. Unsere Gastgeberin hat Angst, wir könnten nach so langer Zeit am Hungern sein.

Bewegungsunfähig fallen wir nach dem köstlichen Essen auf das Bett, halten es jedoch nicht lange aus. Ein kurzer Spaziergang bringt dem vollen Bau doch mehr Linderung und das Auenhaus, ein Lehmhaus aus dem Mittelalter, ist nicht weit.

Gehaltvoll geht es zum Frühstück weiter. Sich zum Wandern zu überwinden wird mit jedem Tag anstrengender.

Die Mauern von Orheiul Vechi, einem historischen Komplex, sind von Trebujeni aus zu sehen. Am Flussufer entlang sitzen Angler, Frauen waschen Wäsche, ein Volkslieder singender Mädchenchor ist zu hören. Der richtige Ort um die Seele baumeln zu lassen.

60 Kilometer von Chisinau entfernt steht das Kloster Hincu. Eine direkte Busverbindung dorthin gibt es nicht. Ein Minibus setzt uns an einer Kreuzung ab, die restlichen zwei Kilometer zum Kloster wandern wir.

Das Kloster ist Nationalheiligtum und bei Brautpaaren sehr beliebt. Obwohl die Trauungen im fliegenden Wechsel stattfinden, können wir das Kloster besichtigen. Neben dem Kloster stehen die Glocken und der Rohbau einer orthodoxen Kirche.

filmstreifen1Auf dem Rückweg nach Chisinau wollen wir trampen. Das ist in Moldawien kein Problem. Wer Platz im Auto hat, nimmt einen auch mit. Da jedoch Sonntag ist, sind alle Autos voll besetzt mit Familien. Letztendlich nimmt uns ein Minibus mit.

Auf dem Zentralmarkt in Chisinau herrscht hektischer Betrieb. Käse aus Holland und der Ukraine, Süßes aus Russland, Fleisch, Milch und Sauerrahm von Bauern aus den umliegenden Dörfern verkaufen sich gut. Wir decken uns ein letztes Mal mit frischen Leckereien ein und lassen den Tag und den Urlaub auf der Dachterrasse des Hostels ausklingen.

 

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