Katar – Libanon

Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der nie genug bekommen kann.
(Aus Arabien)

April 2018

Doha – Zekreet

KatarEine Zusammenfassung:

Die Einreise nach Katar ist – wie die Einreise in den Libanon – unkompliziert und kostenlos, jedoch ungleich zeitaufwendiger. 45 Einreiseschalter verheißen auf den ersten Blick eine schnelle Abfertigung. Die Warteschlange wird auf die real besetzten 20 Einreiseschalter aufgeteilt. Wir erwischen den effizientesten Beamten von allen: Gelangweiltes Abhängen, chatten mit Kollegen und ab und an Pässe bearbeiten.

Im Taxi zum Hotel sind wir von der Transparenz der Fahrt angetan. Über einen Bildschirm werden der Name des Fahrers, der Streckenverlauf und der Preis im Detail angezeigt. Nur die Verkehrsregelung ist gewöhnungsbedürftig: Linksabbieger stehen, wenn sie nicht die Poleposition an der Ampel haben, 15 Minuten, ehe sie abbiegen können.

Nichtraucherzimmer sind in den Hotels auf der arabischen Halbinsel nur schwer zu bekommen. Trotz Buchung eines solchen ist keines frei. Vorsichtig fragt die Rezeptionistin, ob wir statt des gebuchten Zimmers für 50 Euro/Nacht auch mit der Junior-Suite für 350 Euro/Nacht einverstanden wären. Ja, warum nicht.

Die meisten Touristen reisen für einen kurzen Zwischenstopp in das Land. Wir haben uns wider besseres Wissen für zwei volle Tage Aufenthalt entschieden.

In Doha scheint es die Spezies Fußgänger nur im Ausnahmefall zu geben. Fußgängerampeln werden selten grün, für einen Spaziergang durch Parkanlagen wird das Auto in mehrgeschossigen Parkhäusern unter der Grünanlage abgestellt.

Schemenhaft schimmert die Skyline Dohas durch die diesige Luft. Nur die leuchtend weißen Plakate mit dem stilisierten Porträt des Königs, die über mehrere Etagen an den Fassaden der Hochhäuser angebracht sind, leuchten durch den herumwirbelnden Staub. Autos und Restaurants sind ebenfalls mit diesem Aufkleber geschmückt. Ein Taxifahrer erklärt uns den Hintergrund: „Wir Katarer zeigen damit – seit dem Embargo der Länder Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain und Ägypten – unsere Verbundenheit zum Königshaus.“

Filmstreifen Katar 1

Irgendwo haben wir „Pearl“ aufgeschnappt. Klingt gut, denken wir, steigen in ein Taxi und landen auf einer künstlich angelegten Insel für VIPs, die dort in Hochhäusern, die im wenig originellen mediterranen Stil errichtet wurden, teuer leben.

Die Fahrt durch „Pearl“ nutzen wir, um das Leben der Katarer kennenzulernen und steigen an einer Shopping Mall aus. Über mehrere Etagen verteilt, glitzert es aus Läden mit Luxusmarken, Verkäuferinnen schieben Kleiderbügel hin und her, Kunden sehen wir nicht.

Es ist Mittagszeit. Die Bediensteten – allesamt vom Subkontinent – sind die Einzigen, die Leben in die Mall bringen. Katarer schauen erst am Abend zu Lichtshows und Familienprogramm vorbei.

Arbeiter vom Subkontinent sind auch die Einzigen, die überall jobben. Sie verdienen durchschnittlich 290 Euro/Monat, Unterkunft und Transport zur Arbeitsstelle sind kostenfrei. Abhängig vom Arbeitgeber leben sie zu dritt in kleinen Zimmern, bis zu zwei Stunden von der Arbeitsstelle entfernt. Die im Grunde guten Rahmenbedingungen die die Regierung vorgibt, werden von den Unternehmen meist unterlaufen.

Unser Höhepunkt in Doha ist der Besuch des Souq Waqif, ein traditioneller arabischer Markt mit vielen Restaurants und Shisha-Cafés in der westlich-konsumorientierten Hauptgasse, einem Haustiermarkt, auf dem vor allem Singvögel verkauft werden und dem Falkenmarkt.

In Katar ist der Falke Statussymbol und Teil der Familie. Die Läden sind echte Fachgeschäfte, im angeschlossenen Falkenkrankenhaus werden die Vögel für viel Geld behandelt. Während Frauen sich um die Gesundheit der Familienmitglieder kümmern, ist das Wohlbefinden der Falken Männersache.

Filmstreifen Katar 2

Trotz Bummel auf der Corniche (Uferpromenade) zum alten Dhau-Hafen, zur großen Moschee und dem Präsidentenpalast sind noch zehn Stunden übrig bis zum Abflug.

In der Nähe der Ortschaft Zekreet, 80 Kilometer von Doha entfernt, steht ein, für eine Filmserie nachgebautes, altes arabisches Dorf. Das könnte schön anzusehen sein, denken wir uns und winken einen Taxifahrer heran.

Kilometerlange Baustellen hüllen die Landschaft in dichten Staub. Neben Wohnblöcken und immer noch größeren Shopping Malls wird an Bahnhöfen und Gleisanlagen für eine Metro gebaut. Der Fahrer empfiehlt uns den Besuch der größten Shopping Mall der Welt: „Es ist so wunderbar dort.“ „Abends gibt es eine Lichtshow und viel Erlebnisprogramm.“ Wir lächeln höflich.

Er entschuldigt sich für den Fahrpreis: 12 Euro/Stunde. „Seit der Blockade ist Benzin so teuer wie Wasser (50 Cent), vor der Blockade war Wasser doppelt so teuer wie Benzin.“ „Auch die Preise für Lebensmittel, vor allem Gemüse, sind gestiegen.“ „Harte Zeiten, aber wenn die Blockade vorbei ist, wird alles, wie es war“, gibt er sich zuversichtlich.

Die Straße ist gut ausgebaut, wird etwas holprig als wir Richtung Zekreet abbiegen und verschwindet Richtung Filmset im Wüstensand. Dafür ist das Auto nicht geeignet. So wichtig ist uns das Filmset nicht, wir haben einiges vom Hinterland gesehen und sind zufrieden.

Katar ist Austragungsort der Fußball Weltmeisterschaft 2022. Auf dem Rückweg halten wir an einem 250 Hektar großen Sportkomplex zu dem unter anderem eines der weltweit größten Trainingszentren, das höchste Gebäude Katars – ein 318 Meter hoher Turm – und das Khalifa International Stadion gehören.

Filmstreifen Katar 3

Das Stadion wurde 1976 eröffnet, 2006 für die Asienspiele umfassend renoviert und für die WM 2022 modernisiert. An einem nicht vollständig geschlossenen Tor können wir einen Blick ins Innere des Stadions wagen. Ein Wachmann hindert uns jedoch am Betreten der Arena. „Die Kamera ist an“, sagt er leise und zeigt mit dem Kopf dezent hinter uns.

Ach ja, die Kameras. Polizei sieht man in Katar nicht, dafür ist der öffentliche Raum engmaschig videoüberwacht.

Wir haben immer noch Zeit übrig, lassen uns am Souq Waqif absetzen, essen, auf dem Sockel einer Werbetafel sitzend, ein paar Kastanien und schauen den Straßenkehrern zu, die uns permanent umkurven, in der Hoffnung etwas zusammenfegen zu können.

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