Vietnam

Hundert Wege – Tausend Irrwege.
Aus Vietnam

15.07. – 14.08.2007

Ho-Chi-Minh-Stadt– Mekongdelta – Dalat – Na Thrang – Palmeninsel – Na Thrang – Hoi An – Hué – Hanoi – Halong-Bucht – Hanoi – Sapa – Dien-Bien-Phu – Son La – Mai Chau – Hanoi

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Eine Zusammenfassung:

Löcher im Dach des Flughafengebäudes von Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) sorgen für ein feuchtes Willkommen. Eimer umkurvend, gelangen wir zur Passkontrolle. Nach Klärung einiger Unstimmigkeiten betreten wir die Ankunftshalle, nachdem alle anderen Fluggäste sie bereits verlassen haben.

Der überraschendste Teil der Reise geschieht.

Am nächsten Morgen sind wir wieder fit. Ein Boot bringt uns zu den 60 Kilometer von Saigon entfernten Cu-Chi-Tunneln: In dem Tunnelsystem versteckten sich vietnamesische Partisanen während des Vietnamkrieges (1960-1975).

Auf drei Ebenen befinden sich Wohnräume, Waffenlager, Krankenhäuser und Kommandozentralen. 80 Zentimeter hohe und 60 Zentimeter breite Tunnel verbinden die einzelnen Bereiche. Mit Laub getarnte Klapptüren dienen als Eingänge in die engen Tunnel. Einige Öffnungen sind durch Fallen, wie Bambusspieße, gesichert. Auf allen vieren kriechen wir durch ein Teilstück eines Tunnels, das extra für Touristen auf 1,20 Meter Höhe und 0,80 Meter Breite vergrößert wurde.

Am nächsten Morgen verlassen wir die quirlige Stadt Richtung Mekongdelta, besteigen dort ein Boot und lassen uns den Fluss hinabfahren.

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An dicht bebauten Ufern stehen einfache Häuser neben Villen, dazwischen liegen Reste von Hütten, die der Regen weggerissen hat. Händlerboote, vor allem mit Obst und Gemüse beladen, tauchen auf – ein schwimmender Markt. Dazwischen kreuzen kleine Fährboote, die Käufer zu den Händlern und wieder zurück an Land bringen. Bei einem Ananasverkäufer legen wir an und erwerben eine Ananas, die er gleich mit schnellen Buschmesserschnitten mundgerecht zerlegt.

Vom größeren motorgetriebenen Boot steigen wir um in ein Ruderboot, werden durch kleine Kanäle gerudert, legen an einem Steg an, steigen auf Fahrräder um und radeln auf gut ausgebauten Wegen und typisch vietnamesischen Fahrrädern durch riesige Papayaplantagen.

Vom Fahrrad wechseln wir auf ein kleines Motorboot, mit dem wir bis zum späten Nachmittag das Delta durchqueren, besichtigen eine Süßwarenmanufaktur, lassen uns dort Kaffee und Süßes aus Reis schmecken, ehe wir in einem weiteren Dorf von Bord gehen, um dort in einem kleinen Hotel zu übernachten.

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Mit dem Boot und zu Fuß durchqueren wir am folgenden Tag weiter das Delta. Bei einer Wanderung an einem Kanal entlang kommen wir an einer Farm vorbei, auf der man sein Essen selber fischt oder fängt und es sich von der Hausherrin anschließend zubereiten lässt. Da wir nicht so fit sind im Fischen und Hühner fangen, entscheiden wir uns für ein Abendbrot im Hotel in Ho-Chi-Minh-Stadt.

Ein Linienbus bringt uns nach Dalat im zentralen Bergland. Der etwas klapprige Bus quält sich langsam die Berge hoch und fährt sie rasant herunter. Trotz der zügigen Talfahrten braucht er zwei Stunden länger als geplant. Dalat erreichen wir erst am späten Nachmittag. So bleibt nur noch Zeit für einen kurzen Spaziergang am See.

Auch nach dem Frühstück haben wir noch nicht entschieden, was wir unternehmen wollen. Ein Schritt aus dem Hotel reicht jedoch und schon sitzen wir auf Mopeds – überall warten Ortskundige mit ihren Maschinen auf Touristen. Wir fahren zum Sommerpalast des letzten vietnamesischen Kaisers, besichtigen das „Verrückte Haus“, atmen tief durch an den Wasserfällen, bummeln über eine Plantage, in der alles angebaut wird, was in Vietnam auf den Tisch kommt und durchqueren den großen Blumengarten, in dem nicht eine Blüte zu sehen ist.

Vom Bergland reisen wir weiter nach Na Thrang am Meer. An der Bushaltestelle in Dalat herrscht großes Gedränge. Wer nicht mit dem Bus mitfahren kann, muss sein Glück am nächsten Tag erneut versuchen. Wir sind, dank eines Tipps, rechtzeitig losgegangen und können einsteigen.

Die Straße durch das Gebirge ist zum Teil noch im Bau, Regen hat die Piste aufgeweicht. An manchen Abschnitten ist der Schlamm so tief, dass alle Männer aus dem Bus aussteigen müssen, um zu Fuß die Baustelle zu durchqueren. Um ein paar Kilo leichter, kommt der Bus dann an diesen Straßenabschnitten weiter.

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Na Thrang, das die französischen Kolonialherren als das ‚Nizza des Ostens‘ bezeichneten, ist eine Tourismushochburg und hat, außer einer erstaunlich großen Rattenpopulation an ihren Müllecken, nicht viel zum Ansehen. Wir vertreiben uns den Nachmittag auf dem Markt und beobachten im Fischerhafen die Fischer wie sie mit geflochtenen Körben, die einen Durchmesser von zwei Metern haben, zwischen ihren Booten und ihren Pfahlbauten aus Wellblech hin und her paddeln.

Die Inseln, die vor Na Thrang im Südchinesischen Meer liegen, locken uns. Zwei Stunden Autofahrt und 15 Minuten Bootsfahrt später liegen wir auf einer der Inseln im warmen, klaren Meer und im weißen Sand vor unserer Hütte.

In der morgendlichen Wärme des nächsten Tages machen wir uns auf den Weg quer über die kleine Insel. Trotz Regenzeit sind die Sträucher nur trockenes Gestrüpp. Von der Sonne gut durchgeröstet, sind wir mittags zurück und bleiben zur Abkühlung den Rest des Tages im Wasser.

Dort verbringen wir auch den Anfang des nächsten Tages. Ein Boot fährt uns zum Schnorcheln Richtung offenes Meer. Bis zum Mittag schwimmen wir mit den Fischen zwischen den bunten Korallenriffen, am Nachmittag wieder mit Seeigeln in Strandnähe.

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Relaxt kehren wir nach Na Thrang zurück. Der Bus nach Hoi An fährt erst am Abend, die Sonne brennt, wir gehen zum Strand, den wir erst in letzter Minute wieder verlassen. Im Wasser begegnen uns Schwärme fliegender Fische. Das Tempo, in dem sie auf einen zukommen, ist beeindruckend. Bemerkenswert ist auch der Müll, den die stärker werdenden Wellen am Nachmittag anspülen.

Die Kaiserstadt Hoi An gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO. In den schmalen Gassen mit den Cafés, in denen die Zeit stehen geblieben ist, fühlen wir uns in eine vergangene Epoche zurückversetzt. Wir bummeln über den Markt, lassen uns in einer der zahlreichen Schneidereien etwas nähen und besichtigten das japanische und das chinesische Viertel.

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Eine kurze Busfahrt weiter und wir sind in der Kaiserstadt Hue angekommen. Dort liegt, umgeben von einer zehn Kilometer langen und zwei Meter dicken Mauer, die Zitadelle mit der Verbotenen Stadt. Vorbild bei ihrem Aufbau war die Verbotene Stadt in Peking. Durch die kriegerische Vergangenheit Vietnams – Erster Indochinakrieg (1946 bis 1954) sowie Zweiter Indochinakrieg (Vietnamkrieg 1955 bis 1975) – wurde jedoch ein großer Teil des Gebäudekomplexes zerstört.

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Rikschafahrer warten am Eingang zur Zitadelle und radeln uns nach deren Besichtigung durch Hue zum Parfümfluss. Ungefähr 400 kleine mit Wellblech abgedeckte Boote schaukeln im Wasser. Sie sind das zu Hause der Ärmsten der Armen, neun bis zehn Menschen auf einem Boot, ohne Aussicht auf Bildung und die Chance auf einen Verdienst.

Ein Stück flussaufwärts liegen Passagierboote, auf denen 50 Leute Platz haben, am Ufer. Der Rikschafahrer hält und vermittelt uns seinen Bruder für eine Flussfahrt am nächsten Tag.

Sicher ist sicher. Überpünktlich steht der Rikschafahrer vor unserem Hotel.

Am Ufer warten bereits der Bootsbesitzer und seine Frau und begrüßen uns herzlich. Wir sind die einzigen Gäste.

Mit vielen Gesten werden wir gefragt, was wir essen möchten. Mit ebenso vielen Gesten antworten wir. Eine wirkliche Verständigung kommt nicht zustande und so kauft die Frau des Bootsbesitzers während eines kurzen Halts an der Markthalle frisches Gemüse, Fisch, Reis und Nudeln.

Ruhig gleitet das Boot über den kaum befahrenen Fluss. Am Ufer taucht das Wahrzeichen der Thien Mu Pagode – der siebenstöckige, achteckige Phuoc Duyen Turm – auf. In einer Garage in der Nähe der Mönchsunterkünfte steht ein blauer Austin Sedan, hinter seiner Windschutzscheibe ist ein Foto zu sehen, das 1963 durch die internationale Presse ging: Der Mönch Thích Quảng Đức hatte sich neben diesem Auto am 11.06.1963 aus Protest gegen anti-buddhistische Angriffe des damaligen Diktators Ngô Đình Diệm in Saigon mit Benzin übergießen und anzünden lassen.

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