Uhuru Peak – die Gipfelnacht

Wecken um 23.30 Uhr. Nur vier Stunden Schlaf – eine kurze Nacht.

Die Temperaturen liegen unter dem Gefrierpunkt. Zum Wärmen gibt es Tee, zum Kraft tanken Porridge. Ich trinke nur den Tee. Der Aufstieg beginnt. Wind, Kälte und ein sternenklarer Himmel sind die Begleiter.2011.01.02-84

Viel zu warm angezogen mache ich bereits nach der ersten halben Stunde schlapp.

Durst.

Im Gepäck ein Liter heißen Tee für den Aufstieg und ein Liter Wasser für den Abstieg.

Gelaufen werden soll eine Stunde, dann drei Minuten Teepause – fünf Stunden lang.

Die Fleecejacke verschwindet im Rucksack. Der wird von Trägern übernommen. Ich hole die Gruppe wieder ein. Nicht für lange. Weder Kopfschmerzen noch Übelkeit sind das Problem. Ich bin einfach nur schlapp. Ein Himmelreich für den verschmähten Porridge.

Im Rucksack sind noch Müsliriegel. Sie wandern alle in meinen Magen und ich weiter bergauf. Am Point of no Return werde ich gefragt, ob ich wirklich zum Gipfel will. Ab hier gibt es keine Umkehr mehr.

Ich will nicht und sage ja ich will.

Ohne Kohlenhydrate wird der Anstieg immer mühseliger. Die Sonne geht auf. Für die Augen ein herrlicher Anblick. Für die Beine kein schöner Ausblick. Der gefrorene sandige Untergrund taut auf. Statt festen Trittes, einsinken in den Sand.

Die ersten kleinen Schneefelder kommen in Sichtweite. Jetzt habe ich meinen Point of no Return. Motiviert versuche ich schneller aufzusteigen als die Sonne.

Fast geschafft. Der Stella Point auf 5745 m Höhe ist erreicht. Von dort führt der Weg am Krater entlang zum Gipfel, dem Uhuro Peak auf 5895 m Höhe. Vorbei am Rebmann Gletscher, einem großen beeindruckenden Gletscherfeld, stehe ich kurze Zeit später zufrieden unter dem Gipfelkreuz.

Kurze Pause. Munter gehe ich den Weg zurück am Kraterrand entlang. Der Blick geht in den Kraterboden, schweift über Gletscher und Schneefelder ins Tal.

Nach ein paar Metern Abstieg ist alle Munterkeit dahin. Der Boden ist aufgetaut. Eine dicke Schicht grauer Sand durchmischt mit Steinen ist jetzt der Weg. Mit jedem Schritt wirbelt der Dreck hoch. Mehr rutschend als laufend geht es abwärts. Höllische Schmerzen in den Füßen. Sollen die gut eingelaufenen Wanderschuhe doch im Sand zurückbleiben.

Sie bleiben an den Füßen. Zurück im Camp gibt es Lunch.  Da ich zu spät bin, ist mein Zelt abgebaut, bevor ich Sachen gepackt habe.

Zwei Stunden später und einige Höhenmeter tiefer, erreiche ich das Camp für die letzte Nacht am Kilimanjaro.

 

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