Tansania – Kilimanjaro

Eine schwere Belastung wird leichter, wenn du sie erträgst.
Swahili

27.12.2010 – 11.1. 2011

Moshi – Kilimanjaro (Rongai-Route und Nördlicher Rundweg) – Gipfelaufstieg –  Sansibar

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Eine Zusammenfassung:

Heißer Wüstenwind umhüllt uns am Flughafen von Moshi. Die Stadt liegt am Südhang des Kilimandscharo und ist für mich und acht weitere Reisende der Ausgangspunkt für die Besteigung des Kibo, des höchsten Berges Afrikas im Kilimanjaro-Massiv.

Das Hotel für eine Nacht liegt etwas außerhalb der Stadt in einer gepflegten Gartenanlage. Bis auf die notwendigen Utensilien für die zehntägige Wanderung lasse ich mein Gepäck dort zurück.

Drei Autostunden liegt das Eingangstor zum Kilimanjaro entfernt.  Nach Registrierung am Gate und einem Picknick geht es los.  Ein bequem zu laufender Pfad führt bergauf. Anfangs stehen viele Kiefern am Weg, später Erika-Bäume, dem folgt die Heidekrautzone. Kolobus Affen toben durch die Landschaft.

Kurz vor der Ankunft am Camp fängt es an zu schütten. Zum Glück stehen die Zelte schon und sind trocken. Frierend vor Nässe und Kälte krieche ich nach dem Abendessen in mein Zelt.

filmstreifen 1

Ein leises Rütteln am Zelt weckt mich. Der für mich zuständige Porter bringt Kaffee und Tee. Gefühlt habe ich nicht geschlafen und bin müde. Es regnet zwar nicht mehr, die Sachen sind jedoch nass, ebenso die Isomatte. 

Die Sonne kommt hinter den Wolken hervor, Jacke und Hose trocknen. Die nächsten fünf Stunden laufen wir gemächlich durch das Heidekraut bergauf.

Nach vier Stunden fängt es wieder an, zu regnen. Durchgeweicht erreichen wir das zweite Camp auf 3450 m Höhe. Von den Zelten fehlt jede Spur. Wegen eines Kommunikationsproblems sind die Porter schon zum nächsten Camp weiter gegangen. Bis sie zurück sind, hat der Regen an Intensität zugenommen. Isomatten und Zelte triefen nur so vor Nässe. Kaum stehen die Zelte, hört es auf zu regnen. Die Isomatten werden über dem Kochfeuer getrocknet. Ein herrlicher Sternenhimmel entschädigt für den feuchten Tag.

Langsam geht es weiter bergauf, die Vegetation verschwindet und die Gerölllandschaft beginnt. Auf 4150 m Höhe verlassen wir die Rongai Route und wechseln auf den nördlichen Rundweg. Leicht auf und ab geht es durch trockene Bachläufe hindurch. Kälte und Nebel behindern die Sicht. Trotz der Wolken, durch die wir laufen, regnet es wenigstens nicht. Geschlafen wird auf 3850 m Höhe, im Bofu Camp.

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Kopfschmerzen, Übelkeit, eine angeschwollene Gesichtshälfte und Hand sind die böse Überraschung beim morgendlichen Erwachen. Dafür scheint die Sonne, Kenia liegt uns sichtbar zu Füßen.

Auf dem nördlichen Rundweg bleibend, den Kibo im Blick, wandern wir weiter. Gesicht und Hand schwellen ab, die Kopfschmerzen bleiben. Eine Stunde vor dem Ziel gebe ich alles an Gepäck ab und torkele zum Camp. Zu allem Überfluss fängt es wieder zu regnen an.

Im Camp Moir Hut auf 4250 m Höhe ist es recht voll. Im letzten Zeltlager war unsere Gruppe alleine, hier zelten mehrere Gruppen.

Um Mitternacht wird es lebendig im Camp. Silvester! Mit trommeln auf Töpfen, Wunderkerzen und Ansprachen wird das neue Jahr begrüßt.

Topfit stehe ich am nächsten Morgen vor dem Zelt. Drei Stunden klettern wir über Geröllfelder. Der Mt. Meru, der zweithöchste Berg Afrikas, taucht aus den Wolken auf, der Wanderweg wird immer belebter.

Unser Weg kreuzt die Lemosho Route und folgt der Machame Route. Steil geht es bergauf und –ab, über matschigen Boden oder Geröll. Am Lava Tower auf 4600 m Höhe legen wir eine Picknick-Pause ein.

Riesenlobelien tauchen bizarr in der Landschaft stehend aus dem Nebel auf. Angenehme Temperaturen umgeben uns im Barranco Ta. Im Camp, das von der Barranco Wall geschützten wird, sind die Zelte mit Blick auf die südlichen Gletscher und Schneefelder des Kibo bereits aufgebaut.

filmstreifen 3

Noch 2000 Meter bis zum Gipfel. Über die Barranco Wall gibt es nur einen schmalen Pfad und zu viele Leute, die ihn gehen wollen. Im ersten Morgengrauen wandern wir los.

Steil schlängelt sich der Weg bergauf und bergab. Mittags erreichen wir das Karangatal, drei Stunden und 300 Höhenmeter weiter das Barafu Camp auf 4600 m Höhe und tollem Blick auf den Mawenzi.

Die Nacht ist kurz. Um 23.30 Uhr ist wecken für den Gipfelsturm.

Trotz der Anstrengung nach der Gipfeltour habe ich wenig geschlafen. Nach dem letzten Bergfrühstück sind noch der obligatorische Fototermin mit allen Beteiligten und die Trinkgeldübergabe. Die Crew singt das Kilimanjaro-Lied, zählt das Trinkgeld und moniert, dass es zu wenig sei. Dass ich und eine weitere Reisende vom Guide in einem kurzen Moment in dem die Tagesrucksäcke in seiner Obhut waren, bestohlen wurden, wird als „passiert eben“ abgetan.

Auf der Mweka-Route wandern wir 2000 Höhenmeter abwärts. Üppiger Regenwald prägt jetzt die Landschaft. Weg und Unterkünfte sind befestigt, Kioskbetreiber bieten Bier und Cola an – die Route ist unter dem Namen Cola-Route bekannt – Träger mit Liegen, die verstreut am Weg liegen, kommen uns entgegen. Sie sammeln Wanderer ein, die es nicht mehr bis zum Gate schaffen.

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Zurück in Moshi gibt es nur noch duschen, chillen, essen, schlafen.

Am nächsten Morgen reise ich, zum Füßekühlen im Indischen Ozean weiter nach Sansibar.

Vor dem Kühlen kommt erst mal schwitzen. Gefühlt bin ich in einem Heißluftföhn, der auf höchster Stufe läuft, gelandet. Erst am Ozean wird das Klima angenehm.

Für eine lang anhaltende Fußkühlung mache ich mich am Strand entlang auf den Weg nach Uroa, einem Fischerdorf. Und auch gleich wieder zurück. Die Zeit reicht noch für ein Bad im 28 Grad warmen Ozean, dann wird es dunkel.

Sansibar, die berühmte Sklaveninsel des 19. Jahrhunderts, ist ein Teil Tansanias mit teilautonomen Status. Neben Elfenbein und Sklaven war Sansibar auch Umschlagplatz für Gewürze.

Vanille, Pfeffer, Nelken und Muskatnüsse von den Gewürzplantagen Sansibars besitzen weltweit einen hervorragenden Ruf. Auf dem Weg zu einer der Plantagen wird das Auto von der Polizei angehalten. Allein reisende weiße Frauen erregen immer wieder Aufsehen. Ich muss viele Fragen beantworten, ehe er die Straße wieder freigibt.

Auf der Plantage bekomme ich einen Guide und einen Assistenzguide zur Seite gestellt – jeder will Geld verdienen. Zum Abschluss des Rundganges klettert er auf eine Palme, holt eine Kokosnuss und gibt sie mir. Natürlich nur gegen zusätzliches Bares und obwohl ich die Show abgelehnt habe. Wie Kokosnüsse geerntet werden, ist in den Hotelanlagen jederzeit kostenlos zu sehen.

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Ausgerechnet am nächsten Tag ist es windstill. Ich habe mir eine Fahrt mit Fischern und ihrer Dhau für den Nachmittag organisiert. Am Strand warte ich darauf, dass wenigstens ein kleines Lüftchen zu wehen beginnt. Die Fischerboote – ausgehöhlter Baumstamm, ein dicker Ast als Mast, ein Stück Stoff als Segel – sind so klein und leicht, dass sie auch bei wenig Wind segeln.

Tatsächlich beginnt, sich ein Lüftchen zu regen. Das Fischerboot ist sofort klar gemacht. Für mich ist der laue Luftzug ausreichend, so werde ich nicht seekrank. Den Swahili-Sprachkurs gibt es gratis dazu.

Die letzten Urlaubstage verbringe ich mit dem Erkunden der Altstadt Stone Town mit dem Geburtshaus von Freddie Mercury, Moscheen, Kirchen, Hindu Tempel, afrikanischen Märkten, Kolonialbauten und britischen Handelshäusern, einem Besuch des Nachtmarktes, auf dem es Obst, Gegrilltes und Süßigkeiten zum dreifachen Preis gibt und dem Besuch der Riesenschildkröten auf Prison Island.

 

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