Sudan

Zwei Könige fahren nicht in einem Kahn.
Sudanesisches Sprichwort

27.12.2009 – 10.01.2010

Khartum – Meroe – El Kurru – Argo – Soleb – Argo – Old Dongola – Khartum und viel Wüste

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Eine Zusammenfassung:

Irritierte Blicke bei der Landung in Khartum: Obwohl Präsident Omar Al-Bashir – unmittelbar nach der Ausstellung eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag am 4. März aufgrund vorgeworfener Kriegsverbrechen in Darfur – internationale humanitäre Organisationen des Landes verwiesen, sowie die Schließung von einigen nationalen Menschenrechtsorganisationen und Organisationen der humanitären Hilfe angewiesen hatte, standen etliche UN-Flieger in den Parkbuchten.

Nach einem einfachen Frühstück im Hotel besucht die kleine Gruppe, mit der ich unterwegs bin, die Universität Khartum: Das ehemalige College aus der britischen Kolonialzeit erhielt nach der Unabhängigkeit 1956 den Status als Universität.

Die meisten Universitätsgebäude, des am Ufer des Blauen Nil gelegenen weitläufigen Geländes, wurden Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut. Das Gebäude der naturwissenschaftlichen Fakultät dürfen wir besichtigen: Hörsaal und Bibliothek sind in kleinen Räumen untergebracht.  Die Bibliothek besteht aus Sammlungen, die ausscheidende Professoren hinterlassen haben.

Wir bummeln über das Gelände, auf dem auffallend mehr Studentinnen als Studenten unterwegs sind: 55 Prozent der Studierenden sind weiblich.

filmstreifen I

Auf der anderen Seite des Nils liegt Omdurman, das mit der Hauptstadt Khartum und der Stadt al-Chartum Bahri eine Dreistadt bildet. Wir besuchen das Grab von Mahdi Muhammad Ahmad, des Gründers von Omdurman.

Mahdi Muhammad Ahmad war Anführer des nach ihm benannten Mahdi-Aufstandes (1881-1899) gegen die anglo-ägyptische Herrschaft, der zur Bildung des „Kalifats von Omdurman“ führte. Heute ist die Stadt religiöses Zentrum des Landes, beherbergt unter anderem die Islamische Universität Omdurman und ist Heimat verschiedener Sufi-Bruderschaften.

Am nächsten Morgen verlassen wir die Stadt Richtung Musawwarat. Nach einigen Kilometern auf der sehr gut ausgebauten Straße biegen wir auf eine im Wüstensand kaum erkennbare Piste ab.

Bei einer Kamelherde, die sich um ein Wasserloch gruppiert hat, stoppen wir für eine kurze Pause. Die Kameltreiber blicken verärgert: „Ihr bekommt viel Geld für Fotos.“ Dabei haben wir die Kameras noch gar nicht gezückt.

Wir beschliessen sofort weiter zu fahren, als ein Kamel mit Reiter im schnellen Tempo auf uns zukommt. Zögernd bleiben wir stehen. Der Reiter bittet jedoch nur um Wasser und Essen. Wir reichen ihm Wasser und Brot. Nach der Wasserflasche greift er, das Brot lehnt er verächtlich ab. Es ist nicht belegt.

In der untergehenden Sonne leuchtend, tauchen die Ruinen des Tempelkomplexes von Musawwarat al Sufra auf. Im Schutz der Ruinen lassen wir uns für die Nacht nieder.

filmstreifen 2

Am nächsten Morgen führen Tierspuren um die Zelte – Hyänen.

Wir durchstreifen die Ruinen und reisen durch die Wüste – mit einem Stopp an einem Trümmerberg, der in voriger Zeit die Royal City war – weiter nach Meroe.

Meroe war die Hauptstadt des Reiches von Kusch, nachdem ab 300 v. Chr. die Verlagerung des Reichszentrums von Napata nach Meroe stattfand. Mehrere Hundert über kleine Hügel verteilte Pyramiden stehen in den Sanddünen, in deren Schutz wir die Zelte aufstellen.

Von Meroe reisen wir weiter zum Berg Barkal, der Teil der antiken Hauptstadt Napata war. In einem Gästehaus am Fuß des Berges werden wir bereits erwartet und geniessen es, zu duschen und sandfrei zu schlafen.

filmstreifen 3

Die angenehmen Morgentemperaturen nutzend, wandern wir auf den Berg. Belohnt wird der kurze Aufstieg mit einem fantastischen Blick über die Landschaft und auf die unterhalb des Berges liegenden Ruinen des größten ägyptischen Tempels in Nubien, den Amuntempel.

Nachdem wir noch die Klosterruinen von Ghazali besichtigt haben, verbringen wir in den kühlen Zimmern des Gästehauses die heißesten Stunden des Tages, ehe wir zu den Grabkammern von al Kurru aufbrechen. Die Pyramiden und Grabanlagen von al Kurru sind der älteste Teil des Friedhofes um die antike Hauptstadt Napata.

Auf meist befestigter Straße geht es weiter in Richtung Norden bis Karima. Dort stürzen wir uns wieder einmal in das Markttreiben, trinken Kaffee und werden an jedem Stand zum Fotografieren aufgefordert: Ein Fleischverkäufer winkt mich zu seiner Herde. Die Tiere sollen unbedingt in die Kamera blicken und er versucht mit einem Helfer zusammen, sie in die richtige Position zu bringen. Nur, die Ziegen wollen nicht. Letztendlich ist er mit dem Foto jedoch zufrieden und ich versichere, die Bilder in Deutschland Freunden und Bekannten zu zeigen. Ein Versprechen, das ich auf der Reise noch öfter geben werde.

Gestärkt fahren wir weiter durch die Nubische Wüste. Eine Rast gibt es nur mittags zum Picknick unter Palmen. In Kerma, dem nächsten Ziel, angekommen, besichtigen wir die Defuffa (Backsteinruine). Dieser große massive Lehmziegelbau bildet in der Antike die zentrale Anlage der Stadt.

Die Nacht verbringen wir in einer ehemaligen Karawanserei in Argo. Die Lieblingsfrau des Hausherrn begrüßt uns, eine andere kocht, die Dritte ist gerade nicht da. Ich ziehe ein in ein geräumiges Zimmer mit großem bequemen Bett, Tisch und Stühlen sowie schweren Vorhängen, auf denen der Staub der vergangenen Jahrhunderte liegt.

filmstreifen 4

Am Morgen zeigt uns der Gastgeber die alte Koranschule und das halbe Dorf – die Besitztümer der Großfamilie.

Durch die Dörfer zum Nil. Schmale Streifen fruchtbaren Bodens ziehen sich am Ufer entlang. Mit einem alten Kahn setzen wir auf die Westseite des Flusses über und durchqueren weiter die unendliche, menschenleere Wüste.

Mitten im Nichts taucht eine Reparaturwerkstatt für Autos auf – mit Kaffeeausschank. Was für eine Wohltat.

Die Wüste verändert sich. Kamelskelette liegen verstreut im Sand.

Bis zu den Tempelruinen von Soleb, unserem Ziel, ist es nicht mehr weit. In der Nähe der Ruinen beziehen wir Quartier auf einem Grundstück, auf dem sich mehrere Wohnhäuser und ein Gästehaus befinden. In den Zimmern stehen auf dem festgetretenen Lehmboden zwei Betten. Was für ein Luxus – ein Bett in einem Einzelzimmer. Auf dieser Seite des Nils gibt es keinen Strom und kein fließend Wasser. Ein Generator, der auf der Straße steht, liefert abends kurzzeitig Strom für das Dorf. Dafür ist der Sternenhimmel umso schöner.

Über Pisten und durch Dörfer fahren wir am nächsten Tag zum Nil, setzen zur Insel Sai über und besichtigen Ruinen aus fast allen Epochen nubischer Geschichte und Nilkrokodile der Gegenwart.

filmstreifen 5

Zurück auf der anderen Nilseite durchqueren wir endlose Wüstenlandschaften, betrachten prähistorische Felsmalereien in Sebu und Parolen in den Dörfern gegen den Ausbau des 4. Nilkatarakts: Mit chinesischer Hilfe ließ die Regierung am 4. Katarakt den Merowe-Staudamm errichten. Dafür wurden 170 Kilometer Flusstal und viele nubische Altertümer überflutet.

Am Ende des Tages ist noch Zeit übrig. Ich setze mich an einen Feldrain, lese in einem Buch und schüttele viele Hände: Bauern, die ihre Arbeit auf den Feldern beendet hatten, waren einen kleinen Umweg gegangen, um mich zu begrüßen.

Um 4 Uhr beendet der Hahn des Hauses die Nachtruhe. Wir reisen, unterbrochen von Dorfspaziergängen, zurück nach Argo.

Ein typischer Dorfspaziergang: An staubigen Straßen stehen aus erdfarbenen Lehmziegeln gebaute Häuser mit – von den Besitzern – kunstvoll bemalten Eingangstüren. Uns gegenüber sehr aufgeschlossene Frauen in farbenfrohen Saris, von denen jeder ein anderes Muster hat, versuchen Kontakt zu knüpfen, während uns die Männer in ihren weißen Thobes zurückhaltend beobachten.

Zwangspause in einem Dorf: Bretter in Radabstandbreite liegen über dem Dorfgraben. Das rechte Hinterrad des Autos rutscht von den Brettern. Vorsichtig steigen wir aus. Die ersten Männer sind bereits im Graben und beratschlagen sich. Kurze Zeit später stehen alle Männer des Dorfes fachsimpelnd im ausgetrockneten Flussbett.

Zwei Frauen kommen auf uns zu, wir sollen ihnen folgen. In ihrem Haus bewirten sie uns mit Tee und Gebäck.

Das Auto steht wieder auf der Straße, die Männer sitzen Tee trinkend im Kreis und besprechen die Aktion noch einmal. Wir dürfen uns dazu setzen und einen Tee mittrinken.

Von Argo starten wir nach al Kawa, einem antiken religiösen Zentrum und bauen die Zelte an Sanddünen zwischen Dongola und Alt Dongola auf.

filmstreifen 6

Alt Dongola liegt am Nil und war bis ins 14. Jahrhundert die Hauptstadt des nubisch-christlichen Reiches von Makuria. Die Pyramiden sind begehbar und natürlich gehe ich hinein. Ein Blick die Wände entlang nach oben und ich flüchte sofort – riesige Fledermauskolonien bewohnen die Gräber.

250 Kilometer vor Khartum bauen wir letztmalig die Zelte auf, jedenfalls das, was von ihnen übrig ist. Die abendlichen Stürme haben sie größtenteils unbenutzbar gemacht.

Khartum erreichen wir im Sandsturm. Im Stadtzentrum ist es windstill. Vor dem Abflug schlendere ich nochmal durch die lauten, stickigen Straßen und zum Markt.

 

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