Hundeschlittenfahrt

Zuerst ein Loch in den gefrorenen Boden graben. Eine kleine Mauer aus Schnee als Sichtschutz, fertig ist die Toilette.

SONY DSCEin Stück entfernt wird für jedes Zelt ein kleiner Graben ausgehoben, die Schlafkabine des Zeltes an diese Vertiefung gestellt, das Vordach darüber. So lässt es sich bequem im Zelt sitzen und die Kleidung wechseln– Komfort im Eis.

Behaglichkeit im Zelt. Mit Skiunterwäsche, Innenstiefel an den Füßen, Balaklava auf dem Kopf, eingerollt in einen dicken Schlafsack, schlafen wir wohlig-warm und entspannt.

In der Nacht kommt Wind auf, der immer heftiger wird. Am Morgen ist der Reißverschluss des Zeltes gefroren, lässt sich nur schwer öffnen. Die Hunde liegen verschneit in ihren selbst gegrabenen Kuhlen.

Frühstück, Thermoskannen mit Tee befüllen, Zelte abbauen. Im Sturm werden die Zelte zu Gleitschirmen. Es braucht alle Hände um sie einzupacken.

Alles ist auf den Schlitten verstaut. Die Hunde werden unruhig. Sowie sie das Geschirr anhaben, fangen sie an zu jaulen und zu zerren. Sie wollen rennen. Das Kommando GO, zum Loslaufen, brauchen sie nicht.

Die Fahrt geht durch unberührten Schnee. Gletscher und Berge ziehen vorbei. Ein Fuchs taucht kurz auf.

Pause im  Eis. Die Krallen der Bremse fest in den Boden drücken, Schneeanker setzen. Im Gepäck sind ein Travellunch und als Höhepunkt etwas Süßes. Der Tee wärmt wohltuend von innen.

Die Hunde sind ungeduldig. Trotz gesetzter Schneeanker schafft es mein Gespann, sich loszureißen. Wir können sie gerade noch aufhalten. Dabei gerät einer der Anker unter die Kufen des Schlittens. Das Losfahren wird zur Zitterpartie – Schlitten festhalten, Schneeanker unter den Kufen hervorholen, aufspringen. Geschafft.

Meine Skibrille ist liegen geblieben. Um etwas sehen zu können, halte ich meine Haare vom Kopf weg in den eisigen Wind. Sie sind sofort gefroren. Meine Augen haben wieder einen Schutz.

Der Sturm wird stärker. Das Gespann, das vor meinem fährt, taucht ab und an aus dem Weiß auf. Erleichterung. Verschwindet es, macht sich Beklemmung breit.

Vertrauen.

Vertrauen in mein Gespann, in Ausdauer und Navigationssinn der Huskies.

Es geht bergauf. Auffordernd blicken mich die Hunde an. Sie wollen Hilfe. Das Gespann zieht, ich schiebe und laufe dabei neben dem Schlitten. Die Hunde sind natürlich vor mir auf dem Berg und rennen sofort los. Nur nicht loslassen. Mit Mühe springe ich auf den Schlitten auf.

Der Sturm lässt nach. Die Sicht wird klar. Am Himmel über Spitzbergen zeichnen sich helle Streifen ab.

 

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