Ruanda/ DR Kongo/ Uganda

Über den letzten Grund der Weisheit denkt man im Alter nach.
(Sprichwort aus Ruanda)

Der, der zwei Dingen nachgeht, verpasst sie alle beide.
(Sprichwort aus DR Kongo)

Reisen bedeutet Neues finden.
(Sprichwort aus Uganda)

07.2015 – 08.2015

Ruanda – Ostkongo – Ruanda Uganda

Kigali – (DR Kongo) Goma – Bukavu – Cyangugu – Huye – (Uganda) Buyonyi See – Kibale Forest – Murchison National Park – Kidepo National Park – Kampala

Uganda - Ruanda - DR Kongo

Eine Zusammenfassung:

Kigali um Mitternacht: Männer in schwarzen Anzügen und Lackschuhen standen im Flughafengebäude. Zwei sprachen uns an: „Taxi?“ Wir waren überrascht – alle Taxifahrer trugen Anzüge, die Autos waren in einem sehr guten Zustand.

Nach ein paar Stunden Schlaf starteten wir in den Tag. Ziel war die 30 km von Kigali entfernte Genozidgedenkstätte von Ntarama: Am Busbahnhof herrschte riesiges Gedränge. Natürlich hatten wir sofort einen Helfer an unserer Seite und binnen kürzester Zeit hielten wir Fahrkarten nach Ntarama und Fahrkarten für unsere morgige Weiterfahrt nach Gisenyi, der Grenze zur DR Kongo, in der Hand.

Zu meiner großen Überraschung waren die Matatus (Minibusse) pünktlich, sauber und nahmen nur so viele Personen mit, wie Plätze (einschließlich der Klappsitze), vorhanden waren.

Am Wegweiser nach Ntarama setzte uns der Busfahrer ab. Jugendliche warteten dort mit Fahrradtaxis: Fahrräder mit bequemen, weichen Polstern auf den Gepäckträgern. Die Kirche von Ntarama, in der sich die Gedenkstätte befand, war drei Kilometer entfernt und so wurden wir über die holprige Piste geradelt.

Ntarama: Im April 1994 wurden in der Kirche mehr als 5000 Menschen erschlagen. In den Mauern der Kirche waren die Durchbrüche, die die Angreifer mit Granaten hinein gesprengt hatten, zu sehen. Im Kirchenschiff standen auf den knapp über dem Boden liegenden Balken, Särge mit den sterblichen Überresten von 500 Opfern in jedem Einzelnen. Zwei Särge standen bereit, um weitere Opfer aufzunehmen. An den Wänden und auf Leinen, die quer durch den Raum gespannt waren, hingen die Kleidungsstücke der Getöteten. An der Stirnseite stand ein Regal in dem Bein- und Armknochen sowie Schädel – sortiert nach Todesart (Machete, Kugel, Speer, Spaten) – lagen. Wir gingen in die Nebengebäude. Auch dort waren die Spuren des Massakers deutlich zu sehen: ein riesiger Blutfleck an der Steinwand der Sonntagsschule, die Reste verkohlter Matratzen in der Pfarrküche.

Ntarama

Betroffen verließen wir das Gelände und ließen uns zur Hauptstraße zurück radeln. Der erste Minibus Richtung Kigali, der vorbei fuhr, war voll besetzt. Zehn Minuten später folgte der Nächste. Wir hatten Glück. Zwei Leute stiegen aus und wir konnten einsteigen. Allerdings blieben für uns nur die kaputten Klappsitze im Gang.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg in die DR Kongo. Am Busbahnhof war der hilfreiche Typ von gestern sofort zur Stelle. Immerhin organisierte er uns eine Doppelbank im Matatu.

Die von Maisfeldern, dünnen Bäumen und Lehmhäusern gesäumte Straße zur Grenzstadt Gisenyi war gut ausgebaut. Taxis warteten am Busbahnhof der Stadt. Die Grenze zur DR Kongo war nur zehn Autominuten entfernt. Ich schickte eine SMS an Sokrates, der uns – unsere Visa waren an der Grenze hinterlegt – abholen wollte. Er kam von Goma auf die ruandische Seite und gemeinsam liefen wir die wenigen Meter in die

DR Kongo.

Dort wurde ich als Erstes gefragt, ob ich französisch spreche – nein. Der Grenzer reagierte leicht pikiert: „Nur englisch.“ „Und deutsch.“, antwortete ich. Damit konnte ich ihm zumindest ein Lächeln abringen.

Die Visa lagen bereit. Da die Technik gerade versagt hatte, wurde alles zur Einreise Nötige per Hand geschrieben und so warteten wir eine Weile, genossen den Blick auf den Kivusee und wunderten uns über das sehr ruhige und übersichtliche Treiben an der Grenze: Es war der VIP-Übergang.

Unweit der Grenze bezogen wir ein Zimmer bei der Caritas mit Blick über den Kivusee, liefen noch ein wenig durch die Gegend, in der es nur Hotels und die bewachten Häuser der Wohlhabenden gab.

Goma

Quer durch Goma fuhren wir am nächsten Morgen auf der mit Löchern übersäten Nationalstraße 1, die von Goma nach Kinshasa führt, zum Gorillatrekking. Ein umgekippter Lkw lag am Straßenrand, die Spuren vergangener Kämpfe waren allerorts zu sehen – ein Denkmal für die gefallenen Belgier, die im Ersten Weltkrieg hier gegen die Deutschen kämpften, altes Kriegsgerät, auf dem Kinder spielten. Überall verteilt standen mal mehr, mal weniger viele Zelte, in denen Soldaten lebten, in der Landschaft. Die Posten ließen uns jedoch in Ruhe passieren.

Unterwegs

Die Gegend um Goma ist äußerst fruchtbar. Lkw mit  hoch aufgetürmter Ladung, auf der Mitfahrer saßen, und versuchten nicht herunterzufallen, schaukelten an uns vorbei. Mit allem, was es zu transportieren gibt, beladene Tshukudu kamen uns entgegen. Tshukudu sind aus Holz hergestellte Lastenroller mit gefedertem Lenker, Gummibereifung auf dem Holzrad und einem lang zwischen Vorder- und Hinterrad liegenden Brett. Meistens schwer beladen wurden sie von ihrem Besitzer zum Ziel geschoben. In Goma ist dem Tshukudu ein Denkmal im größten Kreisverkehr der DR Kongo gewidmet.

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