Mongolei – Gobi

Wenn du vor etwas Angst hast, dann tu es nicht. Und wenn du etwas tust, dann darfst du keine Angst davor haben.
Mongolisches Sprichwort

10.07.2006 –07.08.2006

Ulaanbataar – Baga Gazriin Chuluu – Erdenedalai – Delgerkhangay – Geierschlucht – Bajandsag – Khongorin Els – Nemengt – Tsulganaj Oasis (Gobi) – Bayan Onbor – Altai – Uliastai – Tsonontsengel – Terkhiin Tsagaan Nuur – Tsetserleg – Karakorum – Ogi nuur – Hogno Han – Ulaanbataar

Mongolei

Eine Zusammenfassung:

Am Flughafen in Ulaanbataar wartete Ariuna auf uns. Sie brachte uns zu unserem Quartier, ein Zimmer in einer Wohnung im Zentrum der Stadt. Jetlag geplagt, legten wir uns für ein paar Stunden hin, ehe wir am Nachmittag das Stadtzentrum besichtigten.

Am nächsten Tag fand die Eröffnungszeremonie des Naadam-Festes statt, dem Nationalfest der Mongolen. Bevor es ins Stadion ging, liefen wir zum Süchbataar Platz. Dort schauten wir uns die Parade von Athleten, Mönchen und Soldaten, die in der Kriegertracht aus den Zeiten Dschingis Khans kostümiert waren, auf ihrem Weg ins Stadion an. Nach der mehrere Stunden dauernden Zeremonie im Stadion gingen wir zum Bogenschießen. Hier wurde nicht auf Scheiben gezielt, sondern auf am Boden stehende Ziele aus Leder, nicht größer als eine Coladose. In einer Spielhalle sahen wir uns anschließend, die Meisterschaften in Schagai (Schafknöchelspiele) an, einer sportlichen Nebenveranstaltung des Naadam-Festes. Abends gab es noch eine große Party in der Stadt und ein Bier im Khan-Bräu.

filmstreifen 1

Am zweiten Tag des Naadam-Festes fand das Reitturnier statt. Über eine Distanz von 30 km traten Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, darunter viele Mädchen, gegeneinander an. Geritten wurde meist ohne Sattel. Die Zuschauer saßen im Familienverband auf den Wiesen und picknickten.

Auf in die Gobi.
Dass Mongolei Abenteuer begann mit einer Zeremonie. Ein Lama segnete blaue Schals, die dem Reisenden Glück auf seinen Wegen bringen sollen. Zum Abschluss der Zeremonie gab es hochprozentiges Heilwasser zum Trinken auf die linke Hand.

Nach einer langen Fahrt durch die Steppe hielten wir an einem Ger. Die Hausherrin lud uns ein und bewirtete uns mit einer kräftigen Suppe. Am frühen Abend erreichten wir Baga Gazriin Chuluu – alte Felsformationen, an denen wir unser Zelt aufstellten.

Noch vor dem Frühstück kletterten wir über die Felsen zu einer Höhle. Hier lebten einst mongolische Robin Hood, die den Reichen die Pferde nahmen, um sie den Armen zu geben. Auf der Weiterfahrt veränderte sich die Landschaft schnell. Das Grün verschwand und wir fuhren durch eine Kies-Geröll-Wüste. An einem Hof (Ger und Holzhütte) hielten wir an und wurden zum Tee eingeladen. Die Kinder bekamen Äpfel und Kekse von uns, dafür erhielten wir getrockneten Quark.

filmstreifen 2

Die ersten Kamele tauchten auf, die Gere wurden seltener, in der Hitze streikte das Auto. Zeit für eine Pause mit Tee und Brot.

Wieder streikte das Auto, diesmal an einem Ger. Die Familie lud uns zum Essen ein – Ziegenfleisch am Knochen. In der Ferne weinten Kamele.

Ein Stück weit fuhren wir noch, dann bauten wir die Zelte, auf einer nach Schnittlauch duftenden Wiese, auf.

Die Nacht war sehr stürmisch, keiner hatte geschlafen. Die sich stetig verändernde Landschaft der Gobi hielt uns munter, obwohl wir bequem im Auto saßen. Wir fuhren durch Wüstensand, in dem wir einmal stecken blieben, vorbei an sattem Grün und Quellen – dort wurde Gemüse angebaut – und Gebiete mit roten Felsen und Saxaul-Wäldern.

Halt an einer kleinen Düne. Unser Fahrer fegte eine dünne Sandschicht beiseite, Skelettteile eines Dinos kamen zum Vorschein. Nur kurz durften wir sie ansehen, dann fegte er den Sand wieder über die Knochen.

filmstreifen 3

Wir waren auf dem Weg zur „Singenden Düne“. Unterwegs hielten wir an der Geierschlucht und durchwanderten sie. Geier bekamen wir keine zu sehen. Dafür schlitterten wir über Minigletscher und krochen unter ihnen durch.

Mit dem Auto durchquerten wir Schluchten und rutschten über Wege, die durch den starken Regen sehr glitschig waren, an Felsen vorbei die so dicht am Weg standen, dass das Auto auf den Zentimeter genau hindurchpasste. Später wurde die Landschaft wieder wüstenhafter.

In Regen und Sturm blieb das Auto liegen. Zufällig kam ein anderes Auto vorbei und beide Fahrer bekamen unseres wieder flott. Da das Unwetter nicht nachließ, zelteten wir nicht an der Düne, sondern übernachteten bei einer Familie, die dort zwei Gere stehen hatte. Obwohl bei Gewitter keine Ziegen gemolken werden, melkte die Gastgeberin extra eine Ziege, damit wir Milch für den Tee hatten. Der Sohn besorgte eine Autobatterie – die Lichtquelle in jedem Ger.

Der Geruch, den das zum Trocknen aufgehängte Ziegenfleisch verströmte, ließ uns nicht schlafen. Dafür hatte der Regen gegen Morgen aufgehört.

Die Singende Düne lag vor uns. Der feine Dünensand klebte, dank des vielen Regens, fest aneinander. Auf dem festen Sand erreichten wir schnell den Dünengrat. Wieder aufkommender Sturm und Regen, erschwerten uns den Abstieg. Sechs Stunden, nachdem wir losgezogen waren, kamen wir zurück.

Für den Abend hatten sich Gäste angekündigt. Wir waren Glücksbringer, da wir den Regen mitbrachten. Dabei hatte jede Familie in der Nacht ein Tier verloren. Eine Kamelstute war auch darunter, wir hatten ihr Baby weinen gehört.

Die Weiterfahrt begann mit einer Durchquerung der Singenden Düne. Unser Gastgeber fuhr mit dem Motorrad vor. Im Sand schleudernd kamen wir jedoch gut durch. Aufatmen.

Zum Mittagessen hielten wir bei einer Familie, die an einem Salzsee lebte. Wir wurden mit Nudeln und Schaffleisch bewirtet. Der 60-jährige Familienvater war gerade als Ninja – Bergarbeiter ohne Lizenz und ohne Schutzausrüstung – auf dem Weg zum Gold schürfen. Der viele Regen und die Überschwemmungen hatten die Salzgewinnung unmöglich gemacht und der Familie ihr Einkommen genommen.

Überall waren Löcher im Boden, gerade so breit, damit ein schmaler Mensch hineinklettern konnte – ein verlassenes Goldgräberfeld. Vorsichtig bewegten wir uns vorwärts. Niemand weiß, in welche Richtung gegraben wurde.

Von Weitem waren weiße Haufen im grauen Gobisand zu sehen. Unser Fahrer fuhr hin, wir bekamen einen Tee und er half einer Familie beim Schafescheren.

Unser Nachtlager schlugen wir an den „Flammenden Bergen“ auf.

filmstreifen 4

Zum Sonnenaufgang sahen die Berge tatsächlich wie in Flammen stehend aus. Die Sonne schien als große, apfelsinenfarbene Scheibe, direkt auf dem Boden zu stehen, der Himmel war voller Sterne.

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