Eastleigh

Klein Mogadischu in Nairobi

Das Eastleigh-Viertel in Kenias Hauptstadt Nairobi wird mehrheitlich von Einwanderern aus Somalia bewohnt und trägt daher den Namen „Klein Mogadischu“. Die Somalis sind Händler und haben Eastleigh zu einem quirligen Handelszentrum gemacht. In der 1st Avenue, der Hauptstraße des Handelszentrums von Eastleigh, reiht sich Geschäft an Geschäft. Die Kunden kommen teilweise aus Zentralafrika angereist, um sich mit Importprodukten aus aller Welt einzudecken. Selbst Boutiquen aus der Innenstadt kaufen ihre Waren in Eastleigh.

EastleighVerlässt man das Handelszentrum, werden aus teuren Geschäften einfache Läden in enger werdenden Straßen. Aus Designerwaren werden Second Hand Artikel, neben Weihrauch gibt es Khat. Die stark vernachlässigte Infrastruktur macht sich immer deutlicher bemerkbar. Autos und Minibusse schieben sich Stoßstange an Stoßstange, zentimeterweise durch die Straßen. Für Fußgänger ist es fast unmöglich, sich hier durchzuquetschen.

Hinter dem Marktviertel wird es ruhiger. Der Verkehr lässt nach. Die Leute haben es nicht mehr so eilig. Die Straße ist, jetzt in der Regenzeit, eine Schlammpiste. Sie führt in den sich an den Markt anschließenden Slum.

Zwischen Markt und Wohnviertel liegt ein gepflegter kleiner Park an einem Fluss, der eine vermüllte Brühe ist. Auffallend, die vielen Abfallbehälter, die hier stehen. Das frische Grün des Rasens leuchtet surreal.

Die dominierenden Farben des Viertels sind schwarz und grau. Einzig die farbenfrohen Kleider der Frauen leuchten bunt. Ein Blick in die von der Hauptstraße abzweigenden Gassen geht ebenfalls ins Graue und Schwarze.Little Mogadishu

Die Blicke, die unsere kreuzen, sind misstrauisch oder erstaunt.

Die Hütten sind schief und stützen sich gegenseitig. Dazwischen gibt es schmale Durchgänge zur Hütte dahinter. Davor waschen Frauen Wäsche, wird Fisch oder Teig in Fett gebacken und verkauft.

Hunger – an der Hauptstraße stehen wenige kleine Restaurants. Drinnen sitzen ausschließlich Männer. Zum Glück wird die Straße gesäumt von Grillständen, an denen es Fleisch, Mais und mit Chilipulver bestreute Süßkartoffeln gibt. Bevor wir sie kaufen, sollen wir unbedingt probieren. Eine Unterhaltung beginnt. Das lockert die düstere Atmosphäre und die Mienen auf. Kinder schütteln unsere Hände, Erwachsene grüßen kurz.

Mit Beginn der Dämmerung wird das Viertel immer unsichtbarer. Offene Feuer leuchten in der Dunkelheit.

Fehlende Infrastruktur, eine Ansammlung von Wellblech- und Holzhütten – die Bewohner von Eastleigh sind die größten Gewerbesteuerzahler Nairobis.

zurück zur Zusammenfassung
Print Friendly, PDF & Email
Share this:Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someonePin on Pinterest