Israel/ Westjordanland/ Jordanien

Bücher sind Zisternen; aus ihnen zu trinken muss jeder Mensch erst lernen.
(Israelisches Sprichwort)

Das beste Wissen ist das, was du kennst, wenn du es brauchst.
(Arabisches Sprichwort)

Israel – Westjordanland – Jordanien

12.2015 – 01.2016

Tiberias – Jerusalem mit Ramallah – Bethlehem mit Hebron – Jericho – Amman – Wadi Musa (Petra) – Tel Aviv

Reisekarte

Eine Zusammenfassung:

Das Einreiseprozedere dauerte keine 5 Minuten. Die Bestätigung, dass ich niemanden in Israel kenne und als Tourist durch das Land reisen möchte, reichte dem mürrisch fragenden Grenzer aus. Dann saß ich auch schon im Zug nach Nahariya, einer Mittelmeer-Stadt im Norden Israels.

Der Doppelstockzug zuckelte durch die Nacht. Ab und an verliefen Straßen mit sehr wenig Fahrzeugverkehr parallel zu den Gleisen, von Ortschaften keine Spur. Einzige Lichtpunkte waren verwaiste Haltestellen, an denen die Bahn hielt. Erst als sich der Zug der Stadt Akko näherte, wurde aus Trostlosigkeit lebhaftes Treiben.

In Nahariya traf ich meinen Gefährten und wir fuhren mit dem Mietwagen in die 20 Minuten entfernte, ehemalige Kreuzritterstadt Akko. Zu Fuß erkundeten wir die imposante Zitadelle, liefen durch unterirdische Templer-Tunnel, gingen in die Moschee, zum Hafen, bummelten auf der Stadtmauer entlang und feilschten um den Preis von frisch gepressten Orangensäften. Nach einem leckeren Meeresfrüchteeintopf, an den wir, wegen seines ausgezeichneten Geschmackes, noch bis ans Ende der Reise wehmütig denken sollten, fuhren wir in den Kibbuz Lavi am See Genezareth.

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Kibbuz Lavi wurde 1949 von Mitgliedern der britischen Bnei Akiva, einem Verband dessen Mitglieder zum national-religiösen Spektrum gehören, gegründet. Das Hotel, in dem wir übernachteten, war ein Teil des religiösen Kibbuz.

Das traditionelle Kibbuzgefühl lernten wir am nächsten Morgen kennen: Gefrühstückt wurde gemeinsam mit den Kibbuzmitgliedern im großen Speisesaal des Hotels in fröhlicher Atmosphäre und einem Büfett voller, im Kibbuz hergestellter, Köstlichkeiten.

Ein wenig träge vom opulenten Frühstück brachen wir auf in den Yehudiya Nationalpark, wanderten dort drei Stunden auf dem Zavitan-Trail – steinige, von Disteln gesäumte Wege, die quer durch eine Herde Kühe führten, vorbei an zwei Wasserbecken bis zu einem schmalen Wasserfall. Um zu unserem eigentlichen Ziel im Nationalpark, dem Meshushim-Pool, zu gelangen, mussten wir jedoch wieder ins Auto steigen. In der Winterzeit sind die Öffnungszeiten des Nationalparks kurz und die Wanderwege zu lang.

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Eine kurze Autofahrt und 20 Minuten Weg abwärts standen wir am, von achteckigen Basaltsäulen gesäumten, Wasserbecken. Wir genossen die uns umgebende Idylle und bereiteten uns mental auf den steil bergauf führenden Rückweg vor.

Weiter ging die Fahrt auf dem Golan. Unterhalb des Gipfels des Vulkans Har Avital stoppten wir an einem Aussichtspunkt. Der Gipfel des Vulkans ist gespickt mit israelischer Spähtechnik. Während uns ein Audioguide die Geschichte des Jom-Kippur-Krieges von 1973 erzählte – Ägypten und Syrien strebten eine Rückgewinnung der im Sechstagekrieg 1967 verlorenen Gebiete auf der Sinai-Halbinsel und den Golanhöhen an – blickten wir weit in das friedlich wirkende Syrien hinein.

Eine Ahnung, was sich während des Jom-Kippur-Krieges abspielte, erhielten wir bei unserem Stopp auf dem Gipfel des inaktiven Vulkans Bental, auf dem sich eine ehemalige syrische Befestigungsanlage mit Schützengräben, Bunkern und Maschinengewehrtürmen befindet: Eisiger Wind schlug uns entgegen. Der Weg zum Bunker ist von rostigen Figuren, die aus dem Schrott syrischer Panzer gefertigt wurden, gesäumt. Aus Schrott geformte Soldaten knien, bereit zum Gefecht, auf dem Bunker. Wirkliche Soldatinnen standen im Halbkreis und hörten, offensichtlich seit Stunden, einem Vortrag zu, einige posierten für Fotos mit Touristen. Lange hielten wir es in dem eisigen Wind nicht aus. Nach einem Zwischenstopp in einem Brauhaus zum Aufwärmen fuhren wir zurück in den Kibbuz.

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Vor unserer Weiterreise am nächsten Morgen durchstreiften wir den Kibbuz. Nur wenige Häuser waren alte Holzhäuser aus der Gründungszeit. Überraschend war die Eindeutigkeit der Grundstücke, obwohl es keine Gartenzäune gab. An einem Vorgarten blieben wir amüsiert etwas länger stehen: Auf jedem Quadratzentimeter standen Gartenzwerge. Erheitert erkundeten wir weiter das Gelände. Hier und da gab es lauschige Plätzchen, eine Synagoge – ein funktionaler Bau, den wir beinahe nicht als Synagoge wahrgenommen hätten – sowie Gemeinschaftshaus, Schule und Kindergarten, die allesamt in die Jahre gekommen aussahen. Der Schornstein der Möbelfabrik pustete weißen Rauch in den Himmel, von den Stallungen aus hatten wir einen unverstellten Blick auf die Hörner von Hattin: Hier verloren die Kreuzfahrer 1187 weite Teile ihres „Königreiches Jerusalem“ und Jerusalem selbst.

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Nach der Tour machten wir uns auf den Weg nach Tel Aviv, um das Auto zurückzugeben. Unterwegs besuchten wir am See Genezareth die Brotvermehrungskirche in Tabgha – in der die wundersame Brot- und Fischvermehrung bei der Speisung der Fünftausend stattfand – die daneben liegende Primatskapelle (Tisch des Herrn), fuhren nach Kapernaum, einem Ort in dem Jesus lebte, predigte und Petrus kennenlernte und weiter auf den – gut vermarkteten – Berg der Seligpreisung, wo Jesus die Bergpredigt hielt.

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In Yardenit, einer Taufstelle im Jordan, an der der Fluss den See Genezareth verlässt, nahmen wir als Zuschauer an einer Taufzeremonie teil. Ungefähr an dieser Stelle soll Johannes der Täufer Jesus getauft haben. Eine Gruppe Asiaten in weißen Gewändern saß im Halbkreis am Taufbecken. Ihr Priester, ebenfalls im weißen Gewand, jedoch mit Neoprenanzug darunter, betete und sang und die Gruppe sang zähneklappernd vor Kälte mit. Dann folgte eine kurze Einweisung in das Taufritual: Nase zu halten, Augen zu und sich kurz und widerstandslos unter Wasser drücken lassen. Um einen besonders stämmigen Mann taufen zu können, musste ein Gehilfe geholt werden. Priester und Gehilfe schafften es mit viel Kraft, den Täufling unter Wasser zu drücken. Strahlend vor Glück tauchte der frisch Getaufte wieder auf, weinend vor Freude umarmten die meisten Getauften ihren Priester.

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Nach der Rückgabe des Autos am Flughafen von Tel Aviv brachte uns ein Shuttlebus nach Jerusalem. Unser Zimmer in einem Hospiz war im verkehrsfreien Ostjerusalem und so wurden wir am Jaffa-Tor abgesetzt. Von dort liefen wir noch wenige Hundert Meter durch Marktgassen und enge Seitengassen bis zur Unterkunft. Zu unserer großen Freude hatten wir vom Hospiz einen direkten Blick auf den Felsendom.

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