Indien (Norden)/ Bangladesch

Wer viel spricht hat weniger Zeit zum Denken.
(Aus Indien)

Allein sein zu müssen, ist schwer – allein sein zu können, ist schön.
(Rabindranath Tagore)

Indien (Norden) – Bangladesch

10. 05. – 25. 05. 2015

Delhi – Varanasi – Kalkutta – Dhaka – Kuakata – Khulna – Faridpur – Dhaka

Indien

Eine Zusammenfassung:

Mit zwei Stunden Verspätung landete ich in Istanbul. Zu spät – der Anschlussflieger nach Delhi hatte bereits abgehoben. Zu meinem Leidwesen erfuhr ich, dass der nächste Flug nach Delhi 24 Stunden später starten würde. Um mich eher nach Delhi zu bringen, erhielt ich das Angebot nach Dubai zu fliegen und dort in einen Flieger von Emirates zu wechseln, der nach Delhi fliegen sollte. Gesagt, getan. Fünfzehn Stunden später als geplant stand ich im Flughafen von Delhi am Gepäckband und wartete geduldig, bis auch das letzte Gepäckstück seinen Besitzer gefunden hatte. Mein Rucksack war nicht dabei.

Das übliche Prozedere begann – Verlustmeldung, das Versprechen dass das Gepäck im nächsten Flieger sein und ins Hotel gebracht würde.

Das Hotel war in Karol Bagh, mitten im alten Teil Delhis. Vor dem Flughafen warteten Prepaid-Taxis. Mit dem Taxifahrer vereinbarte ich einen Preis. Als er losfuhr, stieg ein zweiter Typ ein – mir war nicht ganz wohl dabei. In Karol Bagh fuhren wir immer wieder im Kreis, Rikschafahrer wussten nicht, wo das Hotel sein soll, ein Typ meinte, es sei seit Kurzem geschlossen und ich solle doch in dem – recht teuer aussehenden – Hotel, vor dem wir gerade standen, übernachten. Nach langem Einreden auf den Beifahrer rief er endlich die Telefonnummer auf meiner Buchungsbestätigung an. Das Hotel gab es, und obwohl der Fahrer die Lage beschrieben bekommen hatte, fuhr er noch eine Weile im Kreis und erzählte mir, dass genau der Bereich von Karol Bagh, in dem wir unterwegs waren, für Taxis viel teurer sei als die anderen Bereiche.

Ich entdeckte das Hotel und zwang die Typen anzuhalten, drückte ihnen den vereinbarten Fahrpreis in die Hand und ließ sie fluchend stehen.

Nach einer kurzen Pause bummelte ich durch die engen Gassen, in denen es, von Autos, Rikschas, Läden und Menschen, wimmelte. Ein junger Mann sprach mich an. Er war erstaunt, dass ich in dieser als sehr unsicher geltenden Gegend alleine unterwegs war und lud mich zu einem Bier und zu einer Massage ein. Ich ging auf dem kürzesten Weg ins Hotel zurück.

Am nächsten Morgen brach ich früh auf zum Flughafen, führte noch ein Telefonat mit Emirates – mein Rucksack war nicht angekommen – und gab die Adresse meines Hotels in Varanasi durch.

Das Hotel in Varanasi lag direkt am Haupt-Ghat, und da das Taxi nur bis zur autofreien Zone fahren konnte, und ich den Rest des Weges zu Fuß zurücklegte, kaufte ich nebenbei die am dringendsten benötigten Dinge ein.

Mein Zimmer war mit Blick auf den Ganges. Durch die sehr eng beieinanderstehenden Gitterstäbe war jedoch kaum etwas zu sehen. Nur ein Affe guckte mir neugierig, direkt in die Augen.

Ich machte mich auf den Weg durch den autofreien Teil der Altstadt. Ein junger Mann sprach mich an. Er ließ sich nicht, wie alle anderen vorher, abwimmeln. Ich sagte ihm mit Nachdruck, dass er von mir kein Geld bekommen würde. „Das brauche ich auch nicht. Ich kann für mich selbst sorgen. Mein Name ist Rajiv.“

filmstreifen  1

Wir liefen zu den Burning Ghats. Meterhoch stapelte sich das Holz, das zum Verbrennen genutzt wird. Es ist ein spezielles Holz, das auch im Regen entflammbar ist. Rajiv brachte mich zu einem Haus, von dessen Terrasse ich einen tollen Blick auf die Burning Ghats hatte: Mehrere Holzstöße brannten. Ein Toter, eingehüllt in das traditionelle orangefarbene Tuch, wurde zum Fluss getragen und gewaschen. Einer der Arbeiter, die, nachdem sie die Asche der Scheiterhaufen nach Schmuck durchsiebt und anschließend die Ascheberge im Fluss verteilt haben, warf Beckenknochen – diese verbrennen meistens nicht – in den Ganges.

filmstreifen  2

Als ich die Terrasse verlassen wollte, musste ich mir den Segen einer alten Frau, die am Eingang hockte, geben lassen. Dafür wollte sie natürlich Geld haben. 4000 Rupien (58 Euro) hielt sie für angemessen. Ich drückte ihr 150 Rupien (2 Euro) in die Hand. Ihre Mundwinkel und ihre Augen zuckten zornig. Stumm schluckte sie ihre Wut hinunter. Derweil gab es eine Rangelei zwischen Rajiv und einem Typen, der mit der alten Frau „zusammenarbeitete“. Das Geld, das angeblich eine Feuerholzspende für die Armen sein sollte, wird ausschließlich für Drogen ausgegeben.

Wir schlenderten am Ganges entlang zurück zum Hostel und verabredeten uns für den Abend. Rajiv besorgte ein Boot und ruderte uns zum benachbarten Dashaswamedh Ghat. Dort fand die allabendliche Aarti Zeremonie statt. Priester und Pilger beten jede Nacht zu Mutter Ganga. Es werden Lieder gesungen, Lampen und Fackeln entzündet und kleine mit Blumen gefüllte Schalen ins Wasser gesetzt.

filmstreifen  3

Vor dem Ghat schaukelten unzählige Boote mit Touristen. Rajiv drängelte sich dazwischen. Es war sehr laut und so wirklich gut, war die Zeremonie vom Boot aus nicht zu verfolgen. Rajiv paddelte zurück, wir gingen etwas Essen und er erreichte es anschließend doch noch mich in den Laden, in dem er arbeitete, zu lotsen.

Wir setzten uns auf einen Teppich, sein Chef versuchte ein Gespräch anzufangen. Ich ärgerte mich und schaffte es, das beginnende Gespräch abzuwürgen und zu gehen.

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