Inseln im Kaptai Lake

Rot leuchten die Pfeiler der Hängebrücke am Kaptai-Stausee aus dem dichten Nebel. Die motorisierten Boote am Ufer sind nur schemenhaft zu erkennen. Eines der Boote soll uns zu den Minderheiten, die auf den Inseln im See leben, bringen.

Wir stehen zu fünft auf der Hängebrücke. Zu Iqubal und Rafiqu sind noch zwei Polizisten als Begleitung hinzugekommen.

Der Bootsführer läuft unentschlossen vorbei. Abwarten.

Er holt das Boot, wir steigen ein. Langsam steuert er in den Nebel.

Vier aneinander liegende Fischerboote tauchen auf, dann ist wieder Leere auf dem See.

IMGP2127Eine Insel wird sichtbar. Fröhliche Kinderstimmen sind zu hören. Wir schließen uns den Kindern, die auf dem Weg zur Schule sind, an. Ein Teil der Schüler steht in einer Ecke des eingezäunten Geländes und sieht neugierig-lachend zu unserer kleinen Gruppe herüber. Zwei Mädchen sind auf einen Baum geklettert und machen von oben auf sich aufmerksam.

Eine Lehrerin lädt uns zu Tee und Keksen ein. In der Schule werden 200 Kinder von drei Lehrern unterrichtet. Dennoch strahlen sie Ruhe und Gelassenheit aus.

Der Nebel lichtet sich. Größere Fährboote kreuzen unsere Fahrspur.DSCF5122

Halt an einer kleineren Insel. Das Dorf wirkt ausgestorben. Ein paar Schweine suchen nach Futter. Stille. Die Bewohner stehen am Rand des Dorfes, mit dem Rücken zu uns. Als wir ablegen, gehen sie wieder ihren Tätigkeiten nach.

Ein kleines Schiff mit Boxen, aus denen laut Partymusik tönt, rauscht vorbei.

Wir legen an. Ein kurzer steiler Anstieg. Der Weg läuft direkt auf eine Hütte zu. Davor sitzt ein junges Mädchen an ihrem Webrahmen. Ein malerisches Bild. Weiter zu gehen fällt allen schwer.

Der Weg führt weiter aufwärts, wird zu einem schmalen waagerechten Pfad durch Felder, führt wieder abwärts. Die Häuser vor uns stehen wie auf eine Perlenkette gefädelt den Hang hinab.

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Zwei Männer sitzen vor einem Haus und rauchen aus einer wassergefüllten Bambuspfeife. Nur das leise blubbern des Wassers ist zu hören. Eine Frau schaut vorsichtig aus der Tür des Hauses, in das sie gelaufen ist, als wir kamen.

Vor dem nächsten Haus erwartet uns schon ein Vater mit seinem Sohn auf dem Arm. Stolz und Glück mit seinem Jungen sind ihm anzusehen.

Das letzte Haus. Ein alter Mann sitzt davor und ignoriert uns demonstrativ.

Jetzt kreuzen viele Schiffe auf dem See.

Das Boot legt an der bisher größten Insel an. In die Erde gehauene Stufen führen nach oben. Ich bemerke nicht, wie die anderen am Dorfrand stehen bleiben. Gedankenverloren laufe ich auf ein Haus zu. Ein scharfer Ton ist zu hören. Erschrocken drehe ich mich um. Außer dem einen Polizisten, der immer stumm hinter mir bleibt, ist niemand zu sehen.

Wir gehen zu den anderen. In einer Hütte aus blau gefärbtem Bambus hat der Hausherr zum Tee eingeladen. Der alte Mann ist sehr mitteilsam. Schnell sind er und Iqubal in ein Gespräch vertieft.

Geräusche spielender Kinder sind zu hören. Iqubal geht. Ich signalisiere, dass ich ebenfalls gehen möchte. Der Polizist steht auf. Als alle aus der Hütte gegangen sind, sagt der Mann leise: „Überall auf der Welt werden Minderheiten unterdrückt, aber nirgendwo so stark wie in den Hill Tracts.“

Auf dem Hügel, an dem wir vorbeifahren, steht ein einzelnes Haus.

Die nächste Insel, an der wir anlegen, ist unbewohnt. Ich gehe schwimmen. Das Wasser des Sees ist angenehm kühl. Ich schwimme und schwimme – zu weit. Rafiqu muss hinterher. Wir schwimmen zurück. Die letzten vier Meter starten wir ein Wettschwimmen, das er mit drei Meter Vorsprung gewinnt.

Hungrig legen wir an der gegenüberliegenden Restaurantinsel an. Das Partyboot kommt vorbei.

Quer über den See fahren wir zurück, entlang an Rangamatis Hütten, die auf Stelzen hoch über dem See stehen.

Friedliche Orte, ruhige Dörfer, stille Botschaften – ein eindrucksvoller Tag ist vergangen.

 

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