Bangladesch

Wer sich selbst kennt, dem ist niemand fremd.
Rabindranath Thakur (Bengalischer Philosoph)

28.12.2013 – 21.01.2014

Dhaka – Sundarbans – Dhaka – Srimangal – Chittagong – Bandarban – Rangamati – Dhaka – Natore – Rajshahi – Parapur – Dhaka

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Eine Zusammenfassung:

Der Start in den Urlaub war vielversprechend. Noch vor der Landung in Dhaka erhielt ich von meinem Sitznachbarn eine Einladung nach Chittagong zu seiner Hochzeit.

Ich war jedoch schon verabredet, mit Iqubal einem Guide. Er holte mich vom Flughafen ab, wir fuhren zum Hotel und er teilte mir mit, dass er noch einen weiteren Gast hat.

Wir verbrachten eine Woche miteinander. Immerhin erhielt ich dadurch die Möglichkeit, sofort nach Ankunft noch etwas zu unternehmen. Wir wurden von Rafiqu, dem Fahrer, auf einen Markt gebracht, bummelten vorbei an Ständen mit riesigen Fischen, Hühnern, Ziegen und Geschlachtetem. Überall wurden wir zum Fotografieren eingeladen.

filmstreifen 1

Auf dem Weg zum Markt sahen wir eine Minidemonstration. Am 5. Januar sollten Wahlen stattfinden. Im Land gab es seit Wochen Generalstreiks „Hartal“, da Ministerpräsidentin Sheikh Hasina von der Awami-Liga die Bildung einer, sonst üblichen, Übergangsregierung verhindert hatte. Für den nächsten Tag war ein „Marsch für Demokratie“, von dem aus 18 Parteien bestehenden Oppositionsbündnis, angekündigt.

Nach dem Frühstück fuhren wir in die Innenstadt. Die Straßen waren leer, kaum Busse, ein paar Autos, ein paar mehr Rikschas, viel Polizei und Armee waren zu sehen, Zufahrtstraßen und Straßenkreuzungen waren abgeriegelt.

Erster Halt war am Parlamentsgebäude. Nach einer kurzen Diskussion zwischen Iqubal und einem Diensthabenden, sowie einem Telefonat, durften wir das Gebäude besichtigen.

Parlament

Weiter ging es. Auf der Gegenseite, getrennt durch den Mittelstreifen, sahen wir kurz ein paar Demonstranten vorbeiziehen. Plötzlich meinte Iqubal „Ein Protest“, Rafiqu fuhr links ran, wir schnappten unsere Kameras und stiegen aus.

Protest? Zu hören war Verkehrslärm, zu sehen ein paar Dutzend Männer, die im Halbkreis auf bunten Plastikstühlen saßen. Als sie uns mit den Kameras erblickten, winkten sie und freuten sich über die Fotos, die wir machten.

Weiter. Am Straßenrand saßen Protestler in Dreierreihe auf ihren Stühlen.

filmstreifen 2

Auf einem Hotelgelände parkte Rafiqu das Auto und wir stiegen auf Fahrradrikschas um. Überall stand Polizei. Wir kurvten um einen Wasserwerfer herum und hielten an einem kleinen Park, in dem sich Anhänger der Regierungspartei versammelt hatten.

Der nächste Halt war am Nationalen Presseclub. Der erste hörbare Protest. Ein paar Anhänger der Awami-Liga standen lärmend und Stöcke schwingend vor dem Gebäude, in das Anhänger der Opposition geflüchtet waren. Der stellvertretende Polizeikommissar von Dhaka, sowie der Medienberater der Regierungschefin, wurden gerade von der Presse interviewt. Wir mischten uns problemlos unter die Presseleute.

Mit den Rikschas fuhren wir nun durch eine Straße, in der wirklich alle Läden wegen des Hartals geschlossen hatten.

An der Straße, in der die größte Oppositionspartei, die Bangladesh Nationalist Party (BNP), ihre Parteizentrale hat, war Schluss. Hier hatte die Polizei alles abgeriegelt. Wir umfuhren die Sperre, unterhielten uns am anderen Ende ganz entspannt mit den Polizisten, machten ein paar Fotos und ließen uns zum Nationalmuseum bringen. Davor saß die Studentenliga, Reden wurden gehalten, wir hörten eine Weile zu. Eine halbe Stunde später war alles vorbei. Am nächsten Tag wollte das Oppositionsbündnis einen erneuten Demonstrationsversuch starten.

Wir reisten ab in die Sundarbans. Da es auf der Straße zu unsicher war, flogen wir bis Jessore. Dort wartete bereits ein Ambulanzfahrzeug auf uns und sechs weitere Gäste. So fuhren wir über die Dörfer nach Khulna. Wurde es etwas enger auf der Straße, schaltete der Fahrer die Sirenen an.

filmstreifen 3

Stopp. Der Ambulanzwagen hielt in einem kleinen Dorf. Ein paar Hundert Meter weiter waren Proteste zu hören. Ich zückte meinen Fotoapparat. Entsetzen auf den Gesichtern der Mitreisenden. Ich legte ihn wieder weg.

Am anderen Ende des Dorfes attackierten BNP-Anhänger, Lkw Fahrer, die den Aufruf zum Hartal ignoriert hatten. Ein Polizeifahrzeug rauschte vorbei. Dann kamen schon die ersten Lastwagen mit eingeschlagenen Scheiben. Ein weiteres Polizeifahrzeug wurde kurzzeitig zu unserer Eskorte. Nur die Glasscherben auf der Straße deuteten darauf hin, dass sich hier etwas ereignet hatte. Keine sich auflösende Menschenansammlung, einzig ein paar Frauen saßen am Straßenrand und verkauften Waren.

An einer Straßensperre wurden wir angehalten. Ein Blick in das Innere des Fahrzeugs vom Soldaten, die Bestätigung des Fahrers, dass wir ausländische Gäste sind und schon konnten wir weiterfahren.

In Khulna stiegen wir, wieder zu zweit, auf ein Holzboot um, das uns zu einem Schiff, unserem Quartier für die kommenden drei Tage, brachte. Das Schiff lag mitten im Fluss vor Anker.

filmstreifen 5

Die Nacht war kurz. Früh am Morgen kamen weitere Passagiere an Bord. Die Tour in das Delta mit seinen Mangrovenwäldern begann. In einem Dorf nahmen wir noch zwei Ranger an Bord. Zum Einbruch der Dunkelheit gingen wir dann vor Anker.

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