Äthiopien/ Dschibuti/ Äthiopien

Kaffee und die Liebe schmecken am besten heiß.
(Aus Äthiopien)

Bevor er dieses Land durchquert, macht selbst der Schakal sein Testament.
(Aus Dschibuti)

Äthiopien  –  DschibutiÄthiopien

27.12.2014 – 18.01.2015

Addis Abeba – Lalibela – Axum – Mekelle – Logia – Dschibuti-Stadt – Grenzübergang Gelille – Harar – Addis Abeba

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Eine Zusammenfassung:

Die „neue Blume“, so die wörtliche Übersetzung von Addis Abeba, zeigt sich in morgendlichen Smog gehüllt. Blau-weiße, zerbeulte Toyota-Busse sammeln Fahrgäste am Straßenrand ein. Kräne, Bagger und Baugerüste prägen das Stadtbild, die neu gebauten Häuser mit Glasfassaden machen die Stadt nicht attraktiver.

3,2 Millionen Jahre alt und einen Meter groß: Lucy, benannt nach dem Beatles Song „Lucy in the sky with diamonds“, der bei ihrer Entdeckung gerade auf einem Kassettenrekorder abgespielt wurde, lockt uns in das Nationalmuseum, ebenso wie der Thron von Kaiser Haile Selassi, dem „König der Könige“, dessen Grab sich in der Dreieinigkeitskathedrale befindet.

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Äthiopien ist neben Liberia das einzige Land Afrikas, das nie kolonisiert wurde. Versuche das Land zu erobern, gab es mehrere. 1936 marschierten zwar Mussolinis Truppen, ausgehend von der italienischen Kolonie Eritrea, in das Kaiserreich Äthiopien ein, schafften es aber nicht, das gesamte Land zu kontrollieren. Dennoch machte die italienische Kolonialverwaltung Äthiopien zu einem Teil Italienisch-Ostafrikas.

Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte der „König der Könige“ Kaiser Haile Selassie nach Addis Abeba zurück. Dürrekatastrophen, die Abgabenlast der Bauern an die Großgrundbesitzer, Korruption und eine hohe Inflation führten zu seinem Sturz im September 1974. Der Derg (provisorischer Militärverwaltungsrat) unter Vorsitz von Major Mengistu Haile Mariam übernahm die Macht.

Aus dem Kaiserreich wurde eine sozialistische Volksrepublik, das Land brachial vom Feudalismus in den Sozialismus überführt. Landwirtschaft, Handel und Industrie wurden verstaatlicht, Dissidenten deportiert, gefoltert oder exekutiert. 1991 wurde das Regime gestürzt, Mengistu floh nach Simbabwe.

Dem „Roten Terror“ fielen mindestens 500.000 Menschen zum Opfer. Begleitet von einem Zeitzeugen und seinen beeindruckenden Berichten sehen wir uns die sehr interessante Ausstellung im „Rote Terror Museum“ an.

Ein junger Mann beschwatzt uns, ihm zu einer Kirche, die in einer der noch existierenden Siedlungen liegt, zu folgen.

Auf dem Kirchengelände üben Kinder Kirchenlieder ein. In der Kirche findet ein äthiopisch-orthodoxer Gottesdienst teil, an dem wir, die Sanasel – eine Rassel – schüttelnd teilnehmen. In einem unscheinbaren Gebäude ist ein kleines Museum mit Gewändern und Kronen aus der Kaiserzeit untergebracht.

30 Euro – angeblich für ein Lehrbuch – verlangt unser Begleiter von uns. Die Masche mit dem Lehrbuch ist noch relativ neu. Sein Verlangen geht bei uns jedoch zu einem Ohr rein und zum anderen wieder heraus.

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Am nächsten Morgen fliegen wir nach Lalibela weiter. Lalibela, auf 2600 Meter Höhe inmitten des Hochlands gelegen, ist bekannt für seine mit größter Präzision aus einem einzigen Felsblock roter Basaltlava gehauenen Felsenkirchen: elf gut erhaltene Kirchen aus dem späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert, zum Teil durch ein System von Tunneln verbunden.

Wieder haben wir permanent Begleiter an unserer Seite, die Geld für ein Lehrbuch brauchen, Kleingeld sammeln oder ungefragt auf uns einreden, um dann Geld für ihre Leistung als Guide zu verlangen. Genervt gehen wir in ein Café, das auf dem Balkon eines der Wohnhäuser ist.

Die Besitzerin empfängt uns mit einem herzlichen Hallo, entfacht ein kleines Holzkohlenfeuer, röstet Kaffeebohnen in einer Minipfanne, lässt uns am frisch gemahlenen Kaffeepulver riechen und bereitet den Kaffee in einer Kaffeezeremonie zu.

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Bevor der Kaffee in die Schalen gegossen wird, werden sie noch einmal abgewaschen. Anschließend folgt ein kurzer Warnruf an die Passanten auf der Straße und das Wasser fliegt in hohem Bogen über die Balkonbrüstung.

Nach einer fröhlichen Stunde auf dem Balkon ziehen wir weiter zum zentralen Ticketschalter. Tagestickets für die Besichtigung der Kirchen gibt es nicht, nur 5-Tage-Tickets für 50 USD.

Um die Kirchen herum wimmelt es von selbst ernannten Fremdenführern. „Einige Kirchen werdet ihr nicht finden.“ „Sie sind in der Umgebung nur schwer zu erkennen.“ Wir geben uns unbeeindruckt.

filmstreifen  3Cremefarbene Planen, von gewaltigen Stahlsäulen gestützt, ragen aus dem Erdreich.  Das Schutzdach spannt sich über die größte monolithische Kirche der Welt, der Bete Medhane Alem. Drinnen zeigt der Priester das aus sieben Kilogramm Gold gefertigte Lalibela-Kreuz. Nur kurz, dann verschwindet er hinter dem Altarvorhang.

Der Gebetsraum einer kleineren Kirche ist mit Teppichen und zwei großen farbenfrohen Marienbildern ausgestattet. Männer sitzen zusammen und plaudern. Eine kleine Gruppe Touristen kommt herein. Schnell werfen sich die Männer ihre weißen Gewänder über, trommeln, tanzen und verlangen einen Obolus.

Die in Form eines Kreuzes gebaute Sankt Georg Kirche wurde tief in die Erde hinein gebaut und ist auch auf den zweiten Blick nicht sofort zu sehen. Wer den Abstieg zur Kirche nicht rechtzeitig bis zur Schließzeit um 17 Uhr schafft, kniet am Rand der Vertiefung nieder und betet mit dem Blick auf das Kreuz.  

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Zentrum des äthiopisch-orthodoxen Glaubens ist die Stadt Axum. Nach einer Legende brachte König Menelik I, Sohn der Königin von Saba und von König Salomon, die Heilige Bundeslade mit den Tafeln der Zehn Gebote von Jerusalem nach Axum. Aufbewahrt wird sie seitdem in einer Kapelle der Kirche der Heiligen Maria von Zion.

Etwas außerhalb der Stadt stehen die Überreste des Palastes der Königin von Saba. Viel gibt es davon nicht zu sehen, die Überbleibsel einiger Räume können wir besichtigen. Die Grenze zu Eritrea ist beim Blick über die Hirsefelder in 62 Kilometer Entfernung zu erkennen.

Wichtige Persönlichkeiten des Reiches von Axum liegen auf einem Stelenfeld in der Stadt begraben. 33 Meter misst die größte, der aus einem einzigen Stück Granit gehauenen Stelen, die wohl nie aufrecht stand und zerbrochen auf dem Feld liegt. Die zweithöchste Stele (24 Meter) wurde im Auftrag Mussolinis 1937 nach dem Abessinienkrieg als Kriegsbeute nach Rom gebracht und vor dem Kolonialministerium aufgestellt.

Erst 2005 wurde sie, zerlegt in drei Blöcke, mit russischen Antonow Maschinen nach Äthiopien zurückgebracht, restauriert und 2008 wieder aufgestellt.

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In den Bergen von Gheralta, abgelegen von ausgebauten Straßen, stehen in den Sandstein gebaute Felsenkirchen. Die Fahrt dorthin mit Minibussen ist sehr zeitaufwendig und wir organisieren uns einen Fahrer, um nach Gheralta zu gelangen.

Die meisten Felsenkirchen sind über schmale Pfade an einem Abgrund entlang, an Seilen hangelnd oder einfach nur steil bergauf wandernd zu erreichen.

Wir lassen es gemütlich angehen und beginnen mit der Besichtigung der Felsenkirche Medham Alem Adkesho. Der Aufstieg ist kurz und steil, in den Fels getretene Fußabdrücke bieten Halt.

Die Kirche ist komplett in einen Felsen gebaut, der Eingang bunt bemalt, gerade findet eine Messe statt. Langsam gewöhnen sich die Augen an das Dunkel in der Kirche. Betende liegen, kaum sichtbar, regungslos am Boden. Vorsichtig bewegen wir uns an den Wandmalereien entlang, die für uns durch das Licht einer kleinen Fackel erhellt werden.

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Die Kirche Abrha we Atsbha ist von außen nicht so attraktiv, hat jedoch gut erhaltene Wandmalereien. Als wir gehen wollen, gibt es Streit mit dem Priester über das Eintrittsgeld. Er greift sich meine Schuhe, um sie als Pfand zu behalten. Jeder zerrt an einem Ende der Schnürsenkel. Eine kurze Rangelei löst das Problem. Die Schuhe sind wieder an meinen Füßen, ohne das überhöhte Eintrittsgeld zu zahlen.

Die Wanderung zur Felsenkirche Mariam Korkor dürfen wir nur mit Guide und einem Scout unternehmen. Ein junger Mann läuft ungefragt mit.

Sechs Meter durch eine schmale Felsspalte hinauf und über steile Felsen kletternd, gelangen wir zur Kirche. Sie ist eine der größten Felsenkirchen, dekoriert mit Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament. Die wesentlich kleinere Kirche Daniel Korkor ist nur ein paar Meter entfernt.

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Der Guide drängt zum Aufbruch. Uns fällt es schwer, die Ruhe und die atemberaubende Aussicht in das Tal und auf die Felsenlandschaft zu verlassen.

Der Aufstieg zur Kirche hat weniger Zeit als gedacht in Anspruch genommen, der Guide ist für den ganzen Tag bezahlt, wir entscheiden uns für die Besichtigung der Felsenkirche von Abune Abrham.

Kurz vor dem Gipfel, auf dem die Kirche steht, legen wir eine kurze Pause ein. Der Guide beginnt zu erzählen – er müsse viel Geld an die Vereinigung bezahlen, um als Guide arbeiten zu dürfen, die Rückfahrt in sein Dorf würde 200 Birr (8 Euro) kosten … Mir reicht es. Ich drehe mich um und gehe zurück. Verdutzt folgt er, dann redet er auf mich ein, entschuldigt sich ständig.

Um nicht zerstritten auseinander zu gehen, einigen wir uns auf die Besichtigung einer abseits liegenden Kirche: Hin- und Rückweg in drei Stunden. Es ist erst 13 Uhr und die Zeit ausreichend.

Die Schlüssel für die Kirche hat ein Priester, der gleich am Anfang des Weges wohnt. Der Guide fragt nach und kommt mit der Botschaft zurück, dass der Priester gerade auf dem Markt sei und wir deshalb nicht zur Kirche gehen könnten. Glauben kann ich das nicht, machen allerdings auch nichts.

Wir fahren weiter nach Mekelle. Unterwegs halten wir an einer Anhöhe, auf der die Mikael-Kirche steht.

Der Guide überschlägt sich fast, als er die Anlage erklärt. Die Kirche hat drei Kreuze auf dem Dach, am Dachfirst klingeln Hunderte Glöckchen im Wind, die den Teufel vertreiben sollen. „Aber wir sind keine Teufel“, stellt der Guide klar. Zwei große Steine hängen in einem Gerüst: die Kirchenglocke. Mit einem kleinen Stein geschlagen, erzeugen die großen Steine einen erstaunlich zarten Ton.

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In Mekelle tummeln sich nur wenige Touristen. Es ist Silvester, die Besitzerin des Gästehauses fragt, ob wir in der Nachbarschaft auf Silvester anstoßen wollen. Wollen wir.

Die Nachbarschaft – Äthiopier, Engländer – lebt in gut bewachten Villen. Im Garten ist ein großes Büfett aufgebaut, Wein und Bier machen die Runde. Ab Mitternacht wird auf Sekt umgestiegen, der Grill angeworfen.  

Mekelle ist Ausgangspunkt für mehrtägige Touren in die Wüste Danakil und zum Vulkan Erta Ale.

Ein Großteil des Weges wird mit dem Auto zurückgelegt. Die Straße zieht sich durch eine Gerölllandschaft, vorbei an einigen Straßenbaustellen, die recht konfus aussehen. Im Gegensatz dazu reihen sich in regelmäßigen Abständen akkurat aufgehäufte Schotterberge die Piste entlang.

Eine Kamelkarawane kreuzt unseren Weg. Auf meine Bitte hin, kurz für ein paar Fotos anzuhalten, reagiert der Fahrer genervt: „Ich zeige euch noch viele Karawanen.“ Bis zum Ende der viertägigen Tour hockt er misslaunig hinter dem Lenkrad.

Das Camp in Hamed Ela, in dem wir übernachten, ist nicht weit vom Salzsee Assal (Karumsee) entfernt. Soldaten begleiten uns zum Sonnenuntergang am See.

Um 5.30 Uhr ertönt der Weckruf. Die Ersten checken sofort ihre Smartphones. Vielleicht müssen sie bei google maps herausfinden, wo sie sich gerade befinden. Trotz des starken Windes haben wir erstaunlich gut auf den unter freiem Himmel stehenden Bettgestellen geschlafen.

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Um 6 Uhr ist Abfahrt zu den Schwefelfeldern von Dallol. Das Gebiet, das in der Regenzeit grün und gelb leuchtet, liegt braun und nur punktuell grün und gelb schimmernd vor uns. An einigen Stellen ist leises Blubbern unter der Erde zu hören, hier und da ist es sichtbar.

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